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Rolf W. Puster: Zur Attraktivität der libertären Botschaft

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Libertäres Jahrestreffen 2010, „Große Freiheit 01“ in Hamburg, 12./13. Juni 2010
(leicht gekürzte, vom Verfasser autorisierte Fassung des Eröffnungsvortrags)

Mein Vortrag, der die libertären Kernideen sowohl inhaltlich wie strategisch zu beleuchten sucht, hat drei Teile:

Im ersten Teil werde ich den Gehalt der libertären Botschaft in aller Kürze charakterisieren, um eine gemeinsame Verständnisbasis für das weitere zu schaffen.
Im zweiten Teil soll eine nähere Betrachtung helfen, die libertäre Botschaft von anderen politischen Ideen abzugrenzen, insbesondere von solchen, die dem Konservativismus verpflichtet sind.
Im dritten Teil werfe ich schließlich die Frage auf, welches Potenzial in der libertären Botschaft steckt, um sie für neue Kreise attraktiv zu machen.
I. Die libertäre Botschaft – eine KurzcharakterisierungDie libertäre Botschaft hat nur sehr wenige Kernpunkte; sie enthält vor allem:

Verbot und Ächtung der initialen Gewaltanwendung und Gewaltandrohung sowie
den Schutz von Leben, Freiheit und Eigentum im Sinne elementarer Abwehrrechte.
Was diese Kernbotschaft dann im einzelnen besagt und welche Rolle sie für die Gestaltung des individuellen und des gesellschaftlichen Lebens spielt, muss unter Rückgriff auf weitere Überlegungen und insbesondere auf ökonomische Einsichten entfaltet werden – was hier zu weit führen würde. Nur im letzten Teil meines Vortrags wird dieser Punkt noch einmal eine gewisse Relevanz erlangen.
Zu den wichtigsten Ergebnissen, zu denen libertäres Denken gelangt, gehört die Befürwortung freiwilliger Kooperation, welche die Durchsetzbarkeit freiwillig abgeschlossener Verträge einschließt; eine solche Kooperation findet ihren Ausdruck in der Etablierung einer von machtgestützten Interventionen unbehelligten Marktwirtschaft.

Der libertären Botschaft ist weiterhin ein mehr oder minder radikaler Anti-Etatismus inhärent, weil Libertäre den Gewalt- und Machtapparat, den der Staat definitionsgemäß innehat, für hochgradig missbrauchsanfällig halten. Der libertäre Anti-Etatismus wird auch demokratisch legitimierter Macht immer dann kritisch gegenüberstehen, wenn diese nicht fähig oder nicht willens ist, die elementaren Rechte der Individuen zu sichern.

II. Der formale Zug der libertären BotschaftEin zweiter Blick auf die libertäre Botschaft macht klar, dass sie – verglichen mit alternativen Weltanschauungsangeboten – eine außerordentlich formal gehaltene Botschaft ist: Lasse deine Mitmenschen unbehelligt und in Frieden leben, und überlasse jedem von ihnen die Suche nach seinem Glück und die Wahl seiner Mittel, solange diese gewaltfrei sind. Wer sich diese Losung ernsthaft zu eigen macht, der bewegt sich bereits in libertären Bahnen.

Individuen können ihr Leben an höchst unterschiedlichen Präferenzen ausrichten. Wenn sie dabei ihre persönlichen Werthaltungen nicht zur allgemeinen Richtschnur erheben und als für alle verbindlich durchsetzen wollen und wenn sie die durch ihre Lebensweise entstehenden Kosten selbst tragen, dann sind alle Lebensweisen mit einer originär libertären Haltung kompatibel: Christen, Muslime, Juden, Agnostiker, Atheisten und Teufelsanbeter können im Prinzip friedlich koexistieren, vielleicht gehen sie einander aus dem Wege, vielleicht auch nicht. Das gleiche gilt für die Neigung, sich unterschiedlichen geographischen Gegenden emotional besonders verbunden zu fühlen, oder auch ganz frei von solchen Neigungen zu sein – solange jeder jedem zubilligt, nach seiner regionalen Façon selig zu werden, gibt es für keinen ein Hindernis dafür, sich als Libertärer zu verstehen. Und wer schließlich seine bevorzugte Art, sein Privatleben zu gestalten – sei es monogam, polygam oder bindungslos, sei es der Askese oder der Promiskuität verpflichtet, sei es mit oder ohne Kinder, sei es dem anderen Geschlecht, dem eigenen Geschlecht oder beiden Geschlechtern zugewandt -, es ist nicht zu sehen, wie eine dieser Lebensweisen Anspruch darauf erheben könnte, die der libertären Weltsicht allein angemessene oder besonders angemessene zu sein. Denn ein zentraler Gesichtspunkt der libertären Weltsicht liegt ja gerade in der Zulassung alles dessen, was eine gewaltfreie Ausfüllung der individuellen Freiräume darstellt.

Eine wichtige Konsequenz der so beschriebenen libertären Weltsicht besteht darin, die gesamtgesellschaftlichen Resultate der unbehinderten Einzelentscheidungen und Einzelhandlungen hinzunehmen: Wenn Individuen sich ohne Zwang für Ein- oder Auswanderung, für Kinderlosigkeit oder für Kirchenaustritte entscheiden, so hat das unter Umständen durchaus fühlbare gesellschaftliche Folgen. Wer jedoch solche Folgen individuellen Handelns in ganz bestimmte Bahnen lenken möchte, indem er gezielten Interventionen das Wort redet, der ist nicht libertär: Die Sorge um Überfremdung, um das Aussterben der eigenen Volkes oder um eine fortschreitende Islamisierung des Westens mögen Gründe haben und ehrlich gemeint sein – diese Sorgen haben keinen individualistischen Zuschnitt, sondern es sind kollektivistisch inspirierte Sorgen. Und wer sie politisch handlungsleitend werden lässt, geht den Weg eines interventionistischen Etatisten und hört somit auf, ein Libertärer zu sein.
Diese – wie ich meine -: trivialen Überlegungen erfahren jedoch durch das Wirken des Etatismus eine Komplikation. Zwar lässt sich diese Komplikation theoretisch leicht durchschauen, doch praktisch sorgt sie für eine schwerwiegende Verunklärung der libertären Botschaft, gegen die ich mich hier entschieden wenden möchte.

Die besagte Komplikation entsteht dadurch, dass der vorwiegend sozialistische Etatismus und die von ihm geprägte öffentliche Meinung den diversen Werthaltungen nicht neutral gegenübersteht, sondern einige von ihnen bekämpft und andere fördert. Insbesondere gilt seine destruktive Aufmerksamkeit solchen Institutionen, die zumindest historisch dazu angetan waren, das Individuum zu stärken oder ihm Identifikationspunkte zu bieten, die nicht im Einflussbereich staatlichen Zugriffs lagen. So ist etwa ein gläubiger Katholik, der ein hohes Selbstwertgefühl aus seiner Gotteskindschaft ableitet und Kraft aus dem abgeschirmten Privatbereich eines glücklichen Familienlebens schöpft, sicherlich weit entfernt von dem idealen Untertanen, der einsam, ängstlich und ständig überfordert für die Lösung all seiner Probleme nach behördlichem Beistand ruft. Es hat daher in der etatistischen Anreizlogik eine gewisse Plausibilität, dass beispielsweise die klassische Familie und der Katholizismus Zielscheibe offener und verdeckter Angriffe werden.

Angesichts dieser Feindseligkeit des sozialistisch-etatistischen Zeitgeistes gegenüber bestimmten, oft konservativen Werthaltungen und Lebensweisen neigen manche Libertäre dazu, sich von der Maxime leiten zu lassen: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Wenn also Süddeutsche, Spiegel und TAZ in ihrem nimmermüden ‚Kampf gegen Rechts‘ regelmäßig gegen Familie, Religion und Nation zu Felde ziehen, so drängt sich manchen Libertären offenbar der Schluss auf, dass man für diese konservativen Werte eintreten müsse, um dem bösen Staat und seiner Ideologie Contra zu bieten. Richtig scheint mir daran lediglich, dass Libertäre dafür plädieren sollten, die private Lebensorientierung an Familie, Religion und Nation von staatlicher Einflussnahme freizuhalten und nicht zu behindern. Ganz uneinleuchtend scheint es mir hingegen zu sein, diese konservative Wertorientierung als originär libertär anzusehen und zu propagieren. – Um Missverständnissen vorzubeugen: Libertäre können selbstverständlich ihr eigenes Leben an konservativen Werten ausrichten. Aber sie werden nicht durch diese Ausrichtung libertär, sondern allein dadurch, dass – ich wiederhole mich – sie jedem anderen eine gleichberechtige Realisierung seiner vielleicht ganz andersartigen Werthaltungen zubilligen, sofern er im Rahmen der Gewaltfreiheit verbleibt.

Kurz: Konservativismus ist freiheitskompatibel, solange er ein heuristischer Konservativismus bleibt, also lediglich als Anregungspotenzial für die private Lebensgestaltung genutzt wird. Konservative Sinnangebote können das Leben von Libertären ähnlich bereichern, wie vegetarische Gerichte den Speisezettel von Fleischessern bereichern können; aber so wenig ein schmackhaftes vegetarisches Gericht dazu taugt, die Vorlieben von Fleischessern prototypisch zu verkörpern, so wenig taugen konservative Sinnangebote dazu, libertäre Ideale prototypisch zu verkörpern.
Ich habe bereits konzediert, dass beispielsweise auch ein katholischer Familienmensch, der stolz darauf ist, Deutscher zu sein, ohne Einschränkung ein Libertärer sein kann, wenn er seine Sicht und seine Lebensweise nicht verbindlich machen will. Ich möchte zum Ende dieses zweiten Vortragsteils aber wenigstens daran erinnern, dass etwa Hayek und Rothbard deutlich weniger wohlwollend waren als ich, was die tatsächliche oder mögliche Nähe von Libertarismus und Konservativismus angeht. Sie attestierten letzterem eine starke Affinität zum Etatismus, gerade weil Konservative ergebnisoffenen, nicht durch Autoritäten gesteuerten oder an Traditionen orientierten gesellschaftlichen Veränderungen oft misstrauisch gegenüberstehen und daher in staatlicher Lenkung das geeignete Mittel sehen, um unerwünschte Entwicklungen zu verhindern. Libertäre tun also gut daran, bei der Wahl ihrer Verbündeten zumindest Vorsicht walten zu lassen; nur allzu leicht könnten sie sonst ein Trojanisches Pferd beherbergen, in dessen Bauch konservative Etatisten darauf warten, bis ihre Zeit gekommen ist.

III. Das ungehobene Potenzial der libertären BotschaftMit meinen bisherigen Überlegungen habe ich auch schon ex negativo die Richtung angedeutet, in der ich strategisch Ausschau nach denen halte, für die die libertäre Botschaft derzeit zwar noch nicht attraktiv ist, aber unter Umständen attraktiv werden könnte: Ich blicke bei dieser Ausschau sozusagen nicht nach rechts. Bevor ich jedoch dazu komme, nach links zu schauen – und zu sagen, was genau ich damit meine -, wende ich mich zunächst der Frage zu, wo ich das ungehobene Potenzial der libertären Botschaft sehe.

Die Antwort, die mir auf diese Frage vorschwebt, findet sich auch in einem Passus der Ansprache umrissen, mit der Hans-Hermann Hoppe am 3. Mai dieses Jahres die 5. Jahreskonferenz der von ihm ins Leben gerufenen Property and freedom society eröffnet hat: „Ich habe erfahren, dass es unmöglich ist, eine fortdauernde intellektuelle Beziehung mit Menschen zu haben, die entweder nicht willens oder unfähig sind, sich die Grundprinzipien der Ökonomie anzueignen. Die Ökonomie – die Logik des Handelns – ist die Königin der Sozialwissenschaften.“ So zurückhaltend ich auch ansonsten bei Äußerungen Hoppes bin – hier scheint er mir ins Schwarze zu treffen. Seine Erläuterung dessen, was er unter Ökonomie versteht – nämlich „die Logik des Handelns“ -, ist ein unübersehbarer Hinweis auf die Arbeiten von Ludwig von Mises.

Mit dem Namen von Mises verbinde ich hier weniger seine ausgearbeitete Geldtheorie und die von Hayek fortgeführte ‚österreichische‘ Konjunkturtheorie als seine tiefsinnige Fundierung elementarer ökonomischer Begriffe in einer Theorie des menschlichen Handelns. Seinen Nachweis, dass alles Handeln seinem Wesen nach bereits ein Wirtschaften ist, kann und muss ich hier nicht nachzeichnen. Doch sind diese ganz basalen Überlegungen von Mises – wie ich in meiner Lehrpraxis feststellen konnte – vorzüglich dazu geeignet, die tiefsitzenden und verfehlten Vorurteile gegen die freie Marktwirtschaft bei der Wurzel zu packen. Die grassierende Desinformation über die Natur und die Mechanismen des freien Marktes ist ja nicht eine Folge der Komplexität ökonomischer Theoriebildung, sondern sie beruht auf allergröbsten Missverständnissen bezüglich der einfachsten Grundbegriffe. Wer beispielweise nichts von der subjektiven Werttheorie und ihren Pointen gehört hat, wer sich Tauschbeziehungen nicht ohne Gewinner und Verlierer vorstellen kann, wer den Zusammenhang von Zeitpräferenz und Zins nicht kennt und wer das Zustandekommen und den Informationsgehalt von Preisen nicht versteht, dem kann man fast jeden beliebigen ökonomischen Unsinn als Expertenweisheit verkaufen.

Doch die Auseinandersetzung mit Mises‘ Schriften lenkt den Blick nicht nur auf ökonomische Details, sondern auch auf einen entscheidenden formalen Gesichtspunkt: Unabhängig davon, welche Ziele man verfolgt, stellt sich der menschlichen Vernunft die Aufgabe, die besten Mittel zur Erreichung der gesetzten Ziele finden. Und da wir nur sehr wenige Ziele allein durch eigenes Handeln erreichen können, werden wir auf die Frage verwiesen, wie wir mit anderen so zusammenarbeiten, dass jeder von uns die Ziele am besten erreicht, die er alleine nicht erreichen kann. Mises‘ liberale Antwort auf diese Frage lautet: In allen Fällen lassen sich Ziele am effektivsten realisieren, wenn wir auf der Basis von geschütztem Privateigentum mit anderen freiwillig und gewaltfrei kooperieren. Für viele Nicht-Liberale geradezu schockierend ist die Entdeckung, dass diese liberale Anwort auch dann triftig bleibt, wenn die fraglichen Handlungsziele moralische Ziele sind. Auch die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheit, die für viele sozial mitfühlende Menschen ein echtes und ungeheucheltes moralisches Handlungsziel darstellt, bildet keine Ausnahme: Ein moralisches Ziel zu verfolgen, setzt die Tatsache nicht außer Kraft, dass die Wahl von Eigentumsverletzung und staatlichem Zwang als Mittel der Zielerreichung eine miserable Erfolgsbilanz haben wird, vergleicht man sie mit der Wahl von friedlicher, eigentumsrespektierender Kooperation. Setzt man also die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheit tatsächlich auf seine moralisch-politische Agenda, so kann man nichts Besseres tun, als auf eine Welt hinzuarbeiten, in der die libertären Grundsätze verwirklicht sind.
Nennen wir behelfsweise, aber – wie ich meine – durchaus nicht willkürlich, die Ideale einer von Armut, Hunger und Krankheit freien Welt „linke Ideale“. Meines Erachtens besteht aus libertärer Sicht keinerlei Anlass, an solchen linken Idealen Anstoß zu nehmen. Anstößig ist vielmehr, dass der sozialistische Etatismus diese gerade bei Schülern und Studenten häufig anzutreffenden linken Ideale unter Ausnutzung ihrer ökonomischen Unbedarftheit für sich vereinnahmt und in Staatsgläubigkeit ummünzt. Daher sollten Libertäre im Gegenzug durch ökonomische Aufklärung diese Begeisterung für die Verbesserung elender Verhältnisse in anti-etatistische und anti-sozialistische Bahnen lenken. Das oft blinde Wüten der Libertären gegen alles, was nach Sozialismus riecht, hat ohne Not die von mir so genannten linken Ideale diskreditiert – ein Missgriff, welchen übrigens Rothbard schon vor über vierzig Jahren als „schweren Fehler“ gebrandmarkt hat, der „für eine ernsthafte ideologische Desorientierung der Libertären in der gegenwärtigen Welt verantwortlich“ sei (Murray N. Rothbard Left and right: The prospects for liberty. – In: Left and right 1, 1965, S. 7 [meine Übersetzung]).

Das ungehobene Potenzial der libertären Botschaft sehe ich in ihren Antworten auf die Frage, wie sich die linken Ideale der Weltverbesserung am besten realisieren lassen: Wer eingesehen hat, dass zentralplanerische Zwangsausübung die Erreichung der besagten moralischen Ziele nicht nur nicht befördern kann, sondern geradezu verunmöglichen muss, der wird bereit sein, der Freiheit eine Chance zu geben. Es sind also argumentativ vermittelbare ökonomische Einsichten, die die folgende, paradox anmutende Wirkung haben können: Aufgeklärte Linke werden zu Libertären, die den Sozialismus bekämpfen, weil sie seine Unfähigkeit, die Welt wirklich zu verbessern, durchschaut haben.
Noch eine letzte Anmerkung: Ich habe über die libertäre Botschaft gesprochen, nicht über die Libertären aus Fleisch und Blut. Libertäre präsentieren sich bedauerlicherweise nicht selten so, als sei ihr Credo nur etwas für eine starke Heldenkaste, die vom Leid der Welt nicht angekränkelt ist und die sich aufgrund ihrer überragenden Qualitäten gegen Not gefeit fühlt. Bei allem Verständnis für die libertäre Aversion gegen die gutmenschlichen Dauerappelle an unser soziales Gewissen – die libertäre Botschaft hat weit mehr zu bieten, als nur das Klischee des kaltschnäuzigen Yuppies zu bedienen. Es scheint mir daher eine inhaltliche Verengung und eine strategische Torheit zugleich zu sein, das ungehobene Potenzial der libertären Botschaft einfach links liegen zu lassen.

Der klassische Liberalismus hatte mit seinem Kampf gegen feudale Privilegien und für die rechtliche Sicherung individueller Freiheit eine ebenso revolutionäre Botschaft wie der ihn beerbende moderne Libertarismus. Derartige revolutionäre Botschaften pflegen eine naturwüchsige Attraktivität auszustrahlen. Ich plädiere nachdrücklich dafür, diese revolutionäre Attraktivität der libertären Botschaft weder dadurch zu verspielen, dass man sie einseitig an den Habitus traditionalistischer Honoratioren anbindet, noch dadurch, dass man sie mit dem typischen Zungenschlag der Besserverdienenden vorträgt.

Ich möchte schließen mit einer kleinen Episode aus der rührenden Biographie, die Margit von Mises über ihren Mann Ludwig verfasst hat: „Als ich einmal las, was er über die freie Wirtschaft schrieb, sagte ich ihm, daß das Wichtigste doch wirklich wäre, daß durch die freie Wirtschaft den armen Leuten geholfen würde. Sie könnten kaufen, was sie wollten, und ihr Einkommen wäre bei freier Wirtschaft höher als unter einem sozialistischen System. Ich erklärte ihm, daß meiner Ansicht nach diese Tatsache so oft und klar wie möglich hervorgehoben werden sollte. Er sah mich nachdenklich an und sagte nur: «Du hast sicherlich recht.»“ (Margit von Mises: Ludwig von Mises. Der Mensch und sein Werk. München 1981, S. 68 [Hervorheb. Im Orig.])

via Mises.de

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Written by dominikhennig

19. September 2010 um 04:12

Veröffentlicht in Grundsätzliches

3 Antworten

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  1. Den Konflikt den ich mit Linken meistens habe entspringt genau diesem ökonomischen Unverständnis. Sie sagen: Du willst keine staatliche Umverteilung, also hasst du die Armen! Du willst keine staatlichen Schulen, also bist du gegen Bildung.
    Dass unsere Ziele die gleichen sind und sie lediglich keine Ahnung haben wie man sie erreicht, ist schwierig zu vermitteln. Denn jedem Linken scheint die Erkenntnis inne zu wohnen, dass Ökonomie Schwachsinn ist (kann man ihnen nicht verdenken, nach dem was unter Keynes so gelehrt wird), privat=böse bedeutet und Marktwirtschaft nur ein Euphemismus für Faschismus ist.

    Bleicke

    19. September 2010 at 12:06

    • Das deckt sich so ziemlich mit meinen Erfahrungen. Linke lassen sich meist nicht durch rationale Argumente überzeugen sondern begründen ihren Standpunkt mit emotionalen Empfindungen wie: „den Armen muss man helfen, den Reichen wegnehmen was die zu viel haben“, „soziale Gerechtigkeit schaffen“, „böse Spekulation verbieten“, „alle Menschen sind gleich wenn man sie nur richtig bildet“, usw.
      Die Österreichische Schule der Ökonomie baut auf strikt rationalen, logischen Argumenten auf. Dass dies im Widerspruch zur Denkweise der meisten Linken steht ist wohl unbestreitbar!
      Deshalb wundert es mich ehrlich gesagt, wie viele „Linke“ es gibt, die sich zu Mises bekennen 😉

      adolescent91

      20. September 2010 at 19:00

  2. Dieser Artikel scheint mir fast zu 100% auf die Orientierungs- und Sinnkrise, die ich grade durchmache, gemünzt zu sein.
    Faszinierend!

    Kalle Kappner

    24. September 2010 at 12:49


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