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Das moralische Argument – oder wie wir gewinnen werden

with 6 comments

von Stefan Molyneux

Am Ende meines Artikels „Forget the Argument from Efficiency“ habe ich versprochen, über das moralische Argument zu schreiben – das in meinen Augen auch das ist, mit dem wir gewinnen werden – also hier ist es.

Das moralische Argument ist das stärkste Werkzeug im Arsenal eines jeden freiheitsliebenden Menschen – aber auch das persönlich kostspieligste, denn es legt Grenzen in Beziehungen fest, die nie wieder beseitigt werden können. Das moralische Argument kann Sie Freunde, Familie und Gemeinschaft kosten – also gehen Sie es mit Mut an und verstehen Sie, dass, sobald Sie sich entscheiden, es zu nutzen, Ihr Leben nie mehr das selbe sein wird.

Einfach gesagt, das moralische Argument ist der kraftvollste Ansatz, um eine Gesellschaft zu verändern, da alle wichtigen sozialen Entscheidungen auf ethischer Basis getroffen werden. Wenn eine Bevölkerung glaubt, dass ein bestimmtes Programm moralisch ist – z. B. Krieg, Wohlfahrt, soziale Sicherheit usw. – dann mögen sie murren, aber sie werden auch ihre Ärmel hochkrempeln, zur Arbeit gehen und dieses Programm unterstützen, egal was es sie persönlich kostet. Männer ziehen in den Krieg, Mütter geben ihre Kinder an Betreuerinnen, Menschen verzichten auf einen großen Teil ihres Einkommens und ihrer Freiheit, ohne einen einzigen Protest – und das alles im Namen des Guten.

„Das Gute“ neu zu definieren ist extrem schwierig. Während ihres gesamten Leben treffen Menschen tausende Entscheidungen, die auf bestimmten moralischen Prinzipien basieren – und wenn sich herausstellt, dass diese Prinzipien falsch waren, sind sie gezwungen, zuzugeben, dass sie ihr ganzes Leben damit verbracht haben, einer Lüge, dem Verderben oder dem Bösen gefolgt zu sein – und das ist mehr als die meisten Menschen vertragen. Um sich ihre Illusion des Guten zu bewahren, werden sie jede genaue Überprüfung der moralischen Prinzipien beinahe bis zum Tod bekämpfen.

Moral ist selbstverständlich ein ziemlich komplexes Thema, aber es genügt hier zu sagen, dass sich Moral aus universellen und logisch konsistenten Prinzipien ergeben muss – wenn es nur eine Frage der Meinung ist, kann keine Handlung besser sein als jede andere Handlung – nicht anders als wenn man blau „lieber“ als rot mag.
Die meisten Menschen glauben, dass sie ihre Entscheidungen auf der Grundlage konsistenter moralischer Prinzipien treffen, aber diese moralischen Prinzipien – wie Sokrates schon vor Jahrtausenden feststellte – zerbröckeln unter jeder strengen logischen Überprüfung innerhalb von Minuten. Ich habe festgestellt, dass es der effektivste Ansatz ist, neugierig und beharrlich zu sein – und keine Angst davor zu haben, Dinge beim Namen zu nennen.

Um zu beginnen, gibt es eigentlich nur drei Prinzipien, an die man sich erinnern sollte, wenn man das moralische Argument nutzt.

1. Nichts existiert, außer Menschen.
So etwas wie „die Regierung“ oder ein „Land“ oder eine „Gesellschaft“ gibt es nicht. All diese Begriffe für soziale Ansammlungen sind nur Konzepte für Individuen. „Die Regierung“ macht nie irgendwas – nur Menschen innerhalb der Regierung handeln. Deshalb ist die „Regierung“ – da sie ein Konzept ist – nicht real, sie verfügt über keine ethischen Rechte oder moralische Haltung. Moralische Regeln gelten für Menschen, nicht für Konzepte. Wenn irgendjemand mit Ihnen darüber streitet, fragen Sie einfach, ob er Ihnen seine „Familie“ ohne die einzelnen Menschen zeigen kann. Er wird verstehen, worauf Sie hinaus wollen.

2. Was gut für Einen ist, muss gut für alle sein.
Moralische Überzeugungen müssen für jeden geeignet sein, damit sie mehr als bloße Meinungen sind. Es ist nicht logisch konsistent zu sagen, Person A muss X machen, aber Person Y muss niemals X machen. Wenn eine Handlung als „gut“ bezeichnet wird, dann muss sie für alle Menschen gut sein. Wenn ich das Konzept „Säugetier“ als „warmblütig“ klassifiziere, dann muss es alle warmblütigen Organismen beinhalten – ansonsten wäre das Konzept sinnlos. Das Konzept „gut“ muss daher das bevorzugte Verhalten aller Menschen umfassen – nicht nur das der „Orientalen“, „Polizisten“ oder „Amerikaner“. Wenn es das nicht tut, dann ist es nur eine ästhetische oder kulturelle Vorliebe, wie Eishockey oder Fußball zu bevorzugen, und verliert jede Kraft einer universellen Vorschrift. Wenn es „gut“ für einen Politiker ist, Gewalt anzuwenden, um Ihnen Geld wegzunehmen und es mir zu geben, dann ist es auch „gut“ für alle anderen, dies zu tun.

3. Was schlecht für Einen ist, muss schlecht für alle sein.

Umgekehrt, wenn es es falsch für mich ist, loszugehen und jemandem Geld zu stehlen, dann ist es für jeden falsch, loszugehen und jemand anderem Geld zu stehlen. Wenn es böse ist, jemanden in Atlanta zu erschießen, der Sie nicht bedroht, dann ist es auch böse im Irak. Wenn es falsch für einen Auftragskiller ist, bezahlt zu werden, um jemanden zu töten, dann ist es auch falsch für Soldaten. Wenn es für Sie und mich falsch ist, in ein Haus eines friedlichen Bürgers einzubrechen, ihn zu entführen und ihn gefangen zu halten, dann ist das auch falsch für die Agenten der DEA  (amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde; Anm. des Übersetzers).

Soweit ähnelt das moralische Argument dem Argument der Konsistenz. Das moralische Argument wird mit der Feststellung eingebracht, dass, wenn es falsch oder böse für mich ist, Peter auszurauben, um Paul zu bezahlen, dann ist es falsch oder böse für jeden – Politiker eingeschlossen. Ein Mann, der z. B. die staatlichen Wohlfahrtsprogramme verteidigt, kann dies nur, weil es seinen persönlichen Vorlieben entspricht, aber er kann nicht behaupten, dass es moralisch sei. Vielmehr muss er zugeben, dass auf Grundlage universeller Prinzipien der Sozialstaat unmoralisch ist, denn wenn es für jemanden falsch ist zu stehlen, dann ist es für alle falsch – einschließlich der Politiker.

Unter Verwendung der eben genannten Prinzipien, folgen nun ein paar Beispiele für moralische Argumente.

Waffenkontrolle

Wenn es schlecht ist Waffen zu besitzen, dann ist es schlecht für alle. Waffen sollten dann verboten werden. Demnach müssen Polizisten und Soldaten ihre Waffen abgeben. Wenn Polizisten und Soldaten ihre Waffen benötigen, um sich vor gefährlichen Kriminellen zu schützen, warum nicht auch die Normalbürger? Heißt das, dass es manchmal gut und manchmal schlecht ist, Waffen zu besitzen? Wo ist der Unterschied? Denken Sie daran – so etwas wie einen „Polizisten“ oder „Soldaten“ gibt es nicht – das sind lediglich Konzepte. Nur Menschen existieren, und wenn Waffenbesitz eine gute Idee für einen Soldaten, aber eine schlechte Idee für einen Privatmann ist, was passiert dann mit dem Soldaten, wenn er in den Urlaub fährt? Verändert sich irgendwie sein Charakter, so dass er nun nicht mehr das Recht hat, eine Waffe zu besitzen? Was ist, wenn ein Polizist seine Uniform auszieht? Ändert er sich in so fundamentaler Weise, dass er das Recht, bewaffnet zu sein, verliert? Ist es nur die Uniform, die das Recht hat, eine Waffe zu tragen? Was ist, wenn jemand anderes die Uniform anzieht? Natürlich können diese Fragen nicht beantwortet werden und deshalb ist das ganze Argument für Waffenkontrolle logisch dumm. Menschen werden dann auf die Folgen hinweisen – zum Beispiel, dass allgemeiner Waffenbesitz zu mehr Gewalt führt – dem kann aber auch leicht begegnet werden. Wenn Waffenbesitz zu mehr Gewalt führt, dann werden Polizisten und Soldaten sicherlich immer gewalttätiger, wenn nur sie Waffen haben. Da Diktatur und Krieg schlimmer als Verbrechen sind (weil Sie sich gegen Kriminelle verteidigen können, nicht aber gegen Regierungen), ist dieses doch ein Argument dagegen, nur Menschen, die für den Staat arbeiten, zu erlauben, Waffen zu tragen. Daher kann eine Person nur aus einer subjektiven „Mag ich nicht“-Perspektive gegen Waffenbesitz argumentieren – was eine perfekte Gelegenheit ist, um zu erklären, wie der staatenlose freie Markt seinen Wunsch erfüllen kann!

Krieg

Um einen Krieg führen zu können, ist es erforderlich, dass Politiker an dem Recht festhalten, einige Bürgern zu bestehlen, um andere Bürger dafür zu bezahlen, dass sie Menschen ermorden. Mit anderen Worten, George Bush muss in der Lage sein, einige Amerikaner zu bestehlen, damit andere Amerikaner losziehen können, um Iraker zu ermorden. Aber wenn es Bush erlaubt ist, warum dann nur Bush? Warum ist es nicht auch mir erlaubt? Warum verbietet es die Regierung auch allen Anderen (z. B. der Mafia)? Warum ist es nur gut für Menschen, die eine bestimmte Kleidung tragen, als Mörder engagiert zu werden? Ferner – wenn die Regierung ihre Bürger bestehlen kann, um Iraker zu erschießen, weil sie eine Bedrohung sind, was ist dann mit dem Diebstahl, mit dem all das bezahlt wird?

Ist die Regierung nicht selbst die größte Bedrohung für mich, da sie mich mit vorgehaltener Waffe beraubt, um einen Krieg zu finanzieren, der Terrorismus fördert? Wenn es moralisch ist, mich auszurauben, um Menschen zu töten, die mich bedrohen, bin ich dann nicht moralisch verpflichtet, Söldner anzuheuern, um die zu erschießen, die mich überhaupt erst ausrauben wollen? Wenn es schlecht für mich ist das zu tun, warum ist es dann nicht auch schlecht für Bush? Wo ist der Unterschied zwischen mir und Bush? Sind wir unterschiedliche Spezies? Wenn nicht, warum haben wir dann solch diametral entgegenstehende moralische Gebote? (An dieser Stelle reden Menschen oftmals über unseren „freiwilligen Transfer“ der moralischen Autorität an die Regierung, aber dann wäre kein staatlicher Zwang notwendig, wodurch die Besteuerung ohne Auswirkungen beseitigt werden könnte.)

Mindestlohn

Wenn Person A Person B erschießen kann, weil er Person C nicht genug bezahlt, warum kann Person C das nicht auch? Warum kann ich dies nicht tun, wenn ich denke, dass mein Lohn höher sein sollte? Warum haben einige Menschen das Recht, ihr Einkommen mittels Gewalt zu erhöhen und andere nicht?
Wo liegt zudem der Unterschied zwischen $5 und $5,15 pro Stunde? Warum ist der eine Lohn böse, der bestraft wird und der andere nicht? Verwandeln genau diese 15 Cent die ersten fünf Dollar von böse in gut? Verändert es irgendwie die Natur der ersten 5 Dollar? Wenn es ebenfalls moralisch ist, Gewalt auszuüben, um sein Einkommen zu erhöhen, können Menschen, die Wohlfahrtsleistungen beziehen, Regierungsbeamte erschießen, wenn sie mehr Geld wollen? Was ist mit Leuten, die Leistungen aus der Sozialversicherung beziehen? Wenn nicht, warum nicht?

Öffentliche Parks

Wenn eine Person (sagen wir Bill Clinton) dauerhaft Eigentum übertragen kann, indem er einfach ein Gebiet auf einer Landkarte markiert, warum nur Clinton? Warum nicht ich? Wenn Clinton die Bundespolizei bezahlen kann, um die zu erschießen, die unbefugt Eigentum betreten, das er niemals besucht hat, kann das dann jeder tun?

Drogen

Der Kampf gegen Drogen basiert auf dem Prinzip, dass Bob entscheiden kann, was Sally mit ihrem Körper in ihrer Privatwohnung machen darf. Warum dann nur Bob? Warum kann Sally nicht auch entscheiden, was Bob in seiner Privatwohnung darf? Und sind Drogen illegal, weil sie immer schlecht sind? Aber sie sind nicht immer schlecht – nicht schlechter als Alkohol. Haben Sie jemals Sergeant Pepper’s gehört? Was ist mit Pink Floyd? Bohemian Rhapsody? Chet Barker? Ray Charles? Wundervoll. Alle standen unter dem Einfluss harter Drogen. Ist es der selbst-zerstörerische Exzess, der schlecht ist? Aber es ist nicht der Exzess, der schlecht ist und deshalb bestraft wird, sondern schon vielmehr der gelegentliche Gebrauch, um sich zu erholen. Dies bedeutet dann, dass jedes Verhalten, das zu selbst-zerstörerischen Exzessen führen kann, verboten werden muss. Arbeit kann zu Arbeitssucht führen. Ins Fitness-Studio gehen kann zu zwanghaftem Training führen. Nachtisch kann zu Fettleibigkeit führen. Kreditkarten können zu Überschuldung führen. All diese Dingen müssten deshalb verboten werden – was zu logischen Widersprüchen führt. Wenn alle Handlungen, die zu einem missbräuchlichen Exzess führen können, verboten werden müssen, was ist dann mit der Regierung selbst? Ist es kein missbräuchlicher Exzess, eine Regierung zu haben, die die ungeheure Macht besitzt, jeden Aspekt des Lebens der Bürger zu überwachen und zu strafen? Und schließlich, was ist mit dem Budget der DEA selbst? Hunderte Milliarden Dollar wurden im Kampf gegen Drogen verschwendet, nur um die Profite von Verbrechern und Regierungsbehörden zu erhöhen und Millionen von Menschen in Drogen-Gulags anzuketten – ist das nicht ein Paradebeispiel für „missbräuchlichen Exzess“? Was ist mit öffentlichen Haushaltsdefiziten und Schulden im Allgemeinen? Was ist mit den großartigen Abenteuern der Regierung in der Außenpolitik? Ihrer Angewohnheit, ausländische Diktaturen zu bewaffnen und zu finanzieren? Bin Laden zu trainieren und zu unterstützen? Öffentliche Gelder und Helikopter an Saddam Hussein zu vergeben? Im Irak einzumarschieren? Sind dies nicht die größten und ungeheuerlichsten Beispiele für Exzesse selbstzerstörerischen Verhaltens? Sind nicht die unvermeidlichen Brutalitäten der Staatsmacht – die wirklich den Unschuldigen schaden – viel destruktiver als das Rauchen eines Joints? Wenn nicht, warum nicht?

Der Staat

Bestimmte Leute, die sich selbst als „der Staat“ bezeichnen, reklamieren für sich das moralische Recht, Gewalt gegen andere zu nutzen – ein moralisches Recht, so behaupten sie, das auf Wahlen basiert. Sehr schön – alles, was wir tun müssen, ist die moralischen Prinzipien zu hinterfragen, die dieses überraschende Recht begründen. Die Antwort, die wir erhalten werden, ist folgende: Wenn die Mehrheit der Menschen einen Führer wählen, dann muss sich jeder diesem Führer unterwerfen. Ausgezeichnet! Dann müssen wir fragen, ob Senatoren und Kongressabgeordnete jemals ihre Parteivorsitzenden verleugnet haben. Wenn sie dies tun, handeln sie dann nicht unmoralisch? Ihre Partei hat einen Vorsitzenden gewählt – müssen sie dann nicht dieser Person gehorchen? Wenn sie das nicht machen, warum wir? Und außerdem, wenn das Prinzip gilt, dass eine Mehrheit die Entscheidungen des Führers der Minderheit auferlegen kann, warum gilt das nur für die Regierung? Was ist mit Frauen, die Männer überstimmen? Was ist mit Arbeitnehmern, die Manager überstimmen? Und zu guter Letzt, was ist mit Wählern, die Politiker überstimmen? Wenn die Mehrheit der Minderheit ihren Willen zwangsweise auferlegen kann, sollten wir dann nicht alle die Möglichkeit haben, Politiker in Gefängnisse zu werfen, wenn sie nicht das tun, was wir wollen? Was ist, wenn Atheisten Christen in einem bestimmten Ort zahlenmäßig überlegen sind? Können sie Kirchen verbieten? Können Mormonenfrauen ihre Ehemänner abwählen? Studenten sind an Universitäten den Professoren zahlenmäßig überlegen – können sie ihnen für schlechte Noten mit Gefängnis drohen? Patienten sind Ärzten und Häftlinge Wärtern zahlenmäßig überlegen – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Wenn die moralische Theorie der „Herrschaft der Mehrheit“ gültig ist, dann muss sie für alle Situationen gelten. Wenn nicht, ist es das pure Böse, da es all die entsetzlichen Schrecken des Staats unterstützt – Diebstahl, Entführung, Inhaftierung – und manchmal auch Folter und Exekution. Daher sollte eine Moraltheorie, welche die Anwendung solch furchtbarer Macht rechtfertigt und fordert, besser ziemlich wasserdicht sein – und wie Sie sehen können, ist diese durchsetzt mit Blödsinn.

Wenn Sie die oben genannten Widersprüche darlegen und Ihr Zuhörer sie nicht auflösen kann – und vertrauen Sie mir, er kann sie nicht auflösen – dann muss er zugeben, dass er, bis er sie auflöst, keine moralische Grundlage für seine Glaubenssätze hat. Natürlich kann er weiter daran glauben, aber er kann nicht beanspruchen, dass sie irgendwelche universellen Prinzipien repräsentieren – sie sind nur kleine persönliche Vorlieben – in etwa so, als würde er sagen, dass er Muffins lieber mag als Doughnuts. Er hat keinRecht, seine persönlichen Vorlieben anderen aufzuzwingen – und schon gar kein Recht, sie als Staatspolitik zu verfechten. Fragen Sie ihn, ob er aufhört, diese Vorlieben zu verfechten, bis er das Problem der universellen Anwendbarkeit gelöst hat. Wenn er ja sagt, dann fragen Sie ihn, ob er breit ist, so eine Staatspolitik abzulehnen, bis er das Problem gelöst hat. Wenn ja, herzlichen Glückwunsch! Taufen Sie ihn zum Anarchisten und schicken Sie ihn hinaus, um das Wort zu verbreiten! Wenn nicht, sagen Sie ihm, wenn er weiterhin etwas befürwortet, von dem er weiß, dass es falsch oder bestenfalls fragwürdig ist, er ein Heuchler ist.

Ich weiß, dass dies nicht sehr nett klingt, aber im Ernst – wir haben es schließlich mit Menschen zu tun, die die totale Macht des Staates befürworten – ist die Schonung der Gefühle derer, die unsere Gegner bewaffnen, unser Hauptanliegen? Das Ideal der Freiheit verdient Verteidiger, die aus härterem Holz geschnitzt sind.

Ich bin sicher, die Grundlage für das moralische Argument ist jetzt ziemlich klar – und nun, mit etwas Übung in der sokratischen Methode, bei „Null zu beginnen“ und auf der Basis von Prämissen nachzufragen, sind Sie gerüstet, um ein Experte in der Zerstörung falscher Moral zu werden.

Dennoch ein Wort der Warnung. Wie Sokrates selbst herausgefunden hat, sollte die Entscheidung, das moralische Argument einzusetzen, nicht leichtfertig getroffen werden. Fundamentale moralische Fragen zu stellen, macht viele Menschen ängstlich, höhnisch oder absolut feindselig. Es ist aber aus meiner Sicht der einzige Weg, wie wir den Kampf für die Freiheit gewinnen können. Da eine Gesellschaft alle grundlegenden Entscheidungen auf der Basis moralischer Prämissen trifft, ist unsere einzige Chance zu siegen, solche moralischen Prämissen zu untergraben und zu verändern – was die geschickte, ausdauernde und beharrliche Anwendung des moralischen Argumentes erfordert. Viel zu lange waren wir in der Defensive, haben unsere Wahrheitenvon einsamen Gipfeln geweint – und all zu oft nur zueinander. Es ist Zeit, die Offensive einzuleiten und zu beginnen, die ins Kreuzverhör zu nehmen, die sich ihres Rechts, Gewalt anzuwenden, um ihre Ziel zu erreichen, so sicher sind. Es wird nicht einfach werden – und hier spreche ich aus persönlicher Erfahrung – aber es ist unerlässlich. Es ist richtig und gut, solche Fragen zu stellen – und wenn Sie sich entscheiden, dass Sie tapfer und stark genug sind, um damit zu beginnen, das moralische Argument zu nutzen, sind Sie bereits dieser kleinen Gruppe aufrichtiger Denker beigetreten, die immer die Menschheit gerettet haben.

Bemerkung: Dieser Artikel ist ursprünglich am 29. November 2005 auf lewrockwell.com unter dem Titel „The Argument from Morality“ erschienen. Die Übersetzung ist von René Dietrich mit Unterstützung von Robert Stosad. Der Artikel wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors publiziert.

Stefan Molyneux war Schauspieler, Comedian, Goldwäscher, Student und Software-Unternehmer. Seine erster Roman Revolutions wurde 2004 veröffentlicht. Er betreibt zur Zeit freedomainradio.com.


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Written by logikdesstaats

21. September 2010 um 22:54

Veröffentlicht in Etatismus, Grundsätzliches, Krieg

6 Antworten

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  1. Andreas Ullrich

    22. September 2010 at 06:39

  2. hallo andreas,

    leide, so denke ich, geht deine kritik am kern vorbei:
    1. „Da ich will, dass ich Handlungen universell bewerten kann (Ergebnis), führe ich diesen Willen als Prinzip vorweg ein (Voraussetzung“

    natürlich ist der text nur eine sehr verkürzte darstellung, aber die weiteren ausführungen hierzu, die eben nicht so haltlos sind, wie man das im ersten moment denken könnte, wenn man den hier vorliegenden text liest, sind in einem anderen buch ziemlich gut dargestellt: http://www.freedomainradio.com/FreeBooks/UniversallyPreferableBehaviourEthics.aspx

    kritik, wenn dann daran fest machen.

    2. Und schon haben wir die eben erst ausgeschlossenen Institutionen wieder im Spiel: nicht Mensch trifft auf Mensch (und definiert seinen Handlungsspielraum so, wie er ihn von seinem Gegenüber vorgelebt+vorgelegt bekommt – Auge um Auge sozusagen) sondern Mensch trifft auf (moralisches) Kollektiv. Der Kant ist in den Köpfen scheint’s unverrückbar eingenistet: Handle stets so, dass die Maxime … etc.

    nein, nein, der staat ist eben nie legtim, da er gegen das universalismusprinzip verstößt. im kantschen weltbild, klar, mit dem kann man das machen. molyneuy sagt ja auch einmal scherzhaft: nachem KI könnte auch der stärkste mann der welt ganz vernünftig wollen, dass alle ihre konfklikte per armdrücken entscheiden sollen. ziemlich treffend. diesen irrglauben widerlegt er ganz gut in dem o. g. buch, an dessen übersetzung ich sporadisch arbeite.

    „Wenn die eine Geltungsmacht haben soll, dann kann man’s der anderen kaum verwehren – zumindest nicht logisch konsistent. Und das sollte es doch sein, gell?“

    richtig, wenn also einer zwang ausüben darf, gibt es keinen grund, warum der andere nicht auch zwang ausüben darf, um den zustand wieder aufzuheben -> verkürzt: logischer widerspruch.

    lg

    logikdesstaats

    22. September 2010 at 07:15

  3. Verstehe ich das richtig, dass es hinausläuft auf die Aussage, „Wegen weil isso“ sei kein Argument?

    Wenn ja, ‚kay, klar, sowieso und sollten wir wissen und wissen wir auch in lichteren Momenten, aber der ständigen Wiederholung und vor allem der fortwährenden Neuentdeckung ist es trotzdem wert.

    Andererseits: „If I contradict myself, very well then, I contradict myself.“ — Walt Whitman

    Hmm…

    Jan-Matthis Weng

    22. September 2010 at 10:36

  4. hi jan,

    ja, das auch, aber vielmehr geht es m.e. darum, dass sich z.b. walt whitman zwar in seiner theorie widersprechen darf, nur kann er dann nicht für sie beanspruchen, dass sie auch wahr ist und andere menschen sie unabhängig von ihren gefühlen annehmen sollten, so wie die meisten menschen heute akzeptieren, dass die welt rund ist, obwohl man gefühlsmäßig glauben könnte, sie sei flach. =)

    libertäre sagen ja gerade, dass das einzige prinzip, das widerspruchsfrei universalisiert werden kann und für dessen beachtung individuell und gesellschaftlich langfristig die schönsten ergebnisse möglich wären, das nap ist. wohingegen bei widersprüchlichen prinzipien nur katastrophale folgen zu erwarten sind. so wie wir theorethisch wissen, dass essen logisch die setzung von eigentum erfordert, so wissen wir ganz gewiss, dass jede gesellschaft, die sich in der realität gegen das eigentum richtete, gescheitert ist und scheitern wird.

    logikdesstaats

    22. September 2010 at 11:02

  5. Da könnt’s sagen was Ihr wollt – ich finde das eine der stärksten, überzeugendsten und kraftvollsten Argumentationsführungen, die ich in Liberalistan seit langem vernommen habe! Daumen hoch!

    dominikhennig

    23. September 2010 at 01:59

  6. Molyneux liegt seit zwei, drei Jahren auf irgendeinem der Rechner rum.
    Vielleicht sollte ich doch mal auch lesen, was ich da runtergeladen hab…

    Jan-Matthis Weng

    24. September 2010 at 15:11


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