Paxx Reloaded

Wieder da: Sex-, Drugs-, Peace- and Rock'n'Roll Libertarians

Klassiker: Schutz vor Unternehmen in einer freien Nation

with one comment

von Roderick T. Long

Einleitung

Wie würde das Leben in einer libertären Gesellschaft aussehen – in einer Gesellschaft mit einem komplett unregulierten, laissez-faire Markt? Viele Kritiker haben die Sorge, dass die Konsumenten den Produzenten, die Arbeitnehmer den Arbeitgebern, die Schuldner den Gläubigern und die Mieter den Vermietern ausgeliefert wären, wenn es nicht verschiedene staatliche Regulierungen gäbe, die darauf abzielen, die Schwachen davor zu schützen, von den Starken ausgebeutet zu werden.

Einige Libertäre mit rechten Neigungen werden von dieser Kritik nicht bewegt, weil sie glauben, dass die Regulierungen, wie sie derzeit existieren, dazu dienen, den Konsumenten, Arbeitnehmern, Schuldnern und Mietern bessere Karten zu geben. Sie meinen, dass eine Beseitigung der Regulierungen schlicht wieder Gleichheit herstellen würde. Solche Libertäre weisen die linke Auffassung zurück, dass Unternehmensinteressen eine mächtige und potentiell gefährliche Macht in der modernen Gesellschaft sind; sie tendieren dazu, Ayn Rand beizupflichten, wenn sie die Grossunternehmen als „eine verfolgte Minderheit“ bezeichnet. (Rand verwies auch auf den militärisch-industriellen Komplex als „einen Mythos oder schlimmer.“) Linke finden diese Blindheit gegenüber der Macht der Unternehmen so unverständlich, dass sie dazu neigen, Libertäre als Apologeten der herrschenden Klasse zu verabscheuen.

Aber Libertäre waren den Unternehmensinteressen gegenüber nicht immer so freundlich gestimmt. Adam Smith wetterte gegen das, was er die Handelsinteressen nannte; in jüngster Zeit haben Autoren wie Karl Hess, Paul Weaver und Mary Ruwart die schädlichen Effekte der Grossunternehmen verurteilt. (Und sogar Ayn Rand war sich in ihren Romanen dem Problem bewusst, aber aus irgendeinem Grund nicht in ihren Sachbüchern.)

Ich glaube, dass man innerhalb der libertären Bewegung den Beginn eines Wiederauflebens eines egalitären und mitfühlenden Libertarismus sehen kann, der die libertäre Bewegung während eines Großteils ihrer Geschichte charakterisiert hat, von den Levellers des 17. Jahrhunderts bis hin zu den Individualanarchisten des 19. Jahrhunderts. Unsere Gegner, die uns heute vorwerfen, dass wir elitär seien und uns das Mitgefühl fehle, liegen größtenteils falsch (siehe mein „Who’s the Scrooge? Libertarians and Compassion“, in Formulations, Band I, Nr. 2 (Winter 1993-94) für eine Diskussion, weshalb sie falsch liegen) – aber trotzdem liegt in dem Vorwurf ein unbequemes Körnchen Wahrheit. Viele Libertäre diese Jahrhunderts waren meiner Meinung nach nicht genug empfindsam für die Perspektive der Armen, der Arbeiter, der Frauen und der Minderheiten. Aber ich betrachte dies als eine historische Abweichung, bewirkt durch den Fakt dass a) der erfolgreiche Vormarsch des Sozialismus die Libertären in eine Jahrhundert lange Allianz mit Konservativen getrieben hat, wodurch einige aristokratische, patriarchalische, unlibertäre Einstellungen auf die Libertären abgefärbt haben; und b) als die Libertären im letzten Viertel dieses Jahrhunderts wieder aus der konservativen Bewegung auftauchten, taten sie dies unter dem Einfluss von Ayn Rands hartem Ethos des rauen Individualismus. Aber ich glaube, dass diese verzerrenden Einflüsse langsam verblassen und man kann bereits die Morgenröte eines „freundlicheren, behutsameren“, Libertarismus mit grüner Brille sehen, der treuer zu seinen historischen Wurzeln ist.

Der neue Libertarismus muss daher die die Bedenken der Linken ernster nehmen, da sie in vielerlei Hinsicht auch seine eigenen Bedenken sind. Aber wie lautet die Antwort auf sie?

Konsumenten und Produzenten

Wären die Konsumenten in einer freien Gesellschaft den Produzenten ausgeliefert? Wäre es nicht einfacher für die Unternehmen, ihre Kunden auszubeuten, wenn es keine Regierungsagenturen gäbe, die Qualitätskontrollen überwachen und Wucherpreise verhindern?

Ganz im Gegenteil, ich glaube es wäre weniger einfach. Die größte Bedrohung für eine solche Ausbeutung ist Konkurrenz. Je mehr die Unternehmen um die Kunden werben müssen, umso schwieriger wird es für irgendein Unternehmen sein, seine Kunden schlecht zu behandeln.

Bedenkt: Je einfacher es ist, ein neues Unternehmen zu gründen, umso mehr Unternehmen wird es geben. Was entscheidet also darüber, wie einfach oder schwierig es ist, neue Unternehmen zu starten? Zwei Faktoren: Inhärente Transaktionskosten und staatliche Regulierungen.

Staatliche Regulierungen haben dieselben Auswirkungen auf die Wirtschaft, wie Melasse auf einen Motor hat: sie bremsen alles ab. Je mehr Reifen es gibt, durch die man durchspringen muss, um ein neues Unternehmen zu starten – Zulassungen, Lizenzen, Steuern, Gebühren, Mandate, Bauvorschriften, Zonenbeschränkungen, was auch immer – umso weniger neue Unternehmen werden gestartet. Und die am wenigsten Wohlhabenden sind davon am stärksten betroffen. Die reichsten Unternehmen können es sich leisten, durch die Reifen zu springen – sie haben Geld um die Gebühren zu zahlen und Anwälte um die Regulierungen zu verstehen. Kleine Unternehmen haben es schwerer, und haben so einen Wettbewerbsnachteil. Für die Armen ist es fast unmöglich, ein neues Unternehmen zu starten. Somit begünstigt das System die Reichen gegenüber dem Mittelstand und den Mittelstand gegenüber de Armen.

In einer freien Nation würden neue Unternehmen hingegen mit einer Geschwindigkeit aus dem Boden schießen, die wir kaum wahrnehmen könnten, und sie würden hauptsächlich von Armen und Leuten aus dem Mittelstand betrieben werden. Kein Unternehmen kann es sich leisten, seine Kunden wie Dreck zu behandeln, wie es heute viele Unternehmen tun, weil es viel einfacher wäre, ein neues Konkurrenzunternehmen zu starten, welches seine Kunden besser behandeln würde.

Die andere Variable, die die Leichtigkeit zur Gründung eines Neuunternehmens beeinträchtigt, nämlich die Transaktionskosten, wird durch moderne elektronische Kommunikationstechnologie drastisch abgeschwächt werden – solange die Regierung es unterlassen würde (wie sie es in einer freien Nation tun würde), sich in Netzwerke wie das Internet einzumischen. Zusätzlich ist es mit den Fähigkeiten der Computernetzwerke viel einfacher, Boykotts gegen unbeliebte Unternehmen zu organisieren und zu koordinieren.

Viele Linke und Rechte fürchten sich vor dem Freihandel weil sie, obwohl sie zugeben, dass der Freihandel die Preise senkt und somit vorteilhaft für die Bürger in ihrer Rolle als heimische Konsumenten ist, sich davor fürchten, dass dieser Vorteil von einem Einkommensrückgang kompensiert würde, unter dem dieselben Bürger in ihrer Rolle als heimische Produzenten leiden würden.

Nehmen wir zum Beispiel an, dass große Unternehmen entscheiden, dass sie ihre Kosten verringern wollen, indem sie stärker auf preiswerte ausländische Bauteile und Arbeit vertrauen. Heimische Arbeiter und Bauteilproduzenten werden ein geringereres Einkommen haben, da der Preis ihrer Güter und Dienste durch die ausländische Konkurrenz gesenkt wird. Ah, aber dieser Einkommensverlust wird durch die tieferen Preise kompensiert? Nun, dies setzt voraus, dass die Unternehmen ihre Ersparnisse an ihre Kunden weitergeben. Werden sie dies tun?

Das kommt darauf an. Wenn die heimische Konkurrenz stark ist und dann MegaCorp versucht, ihre Ersparnisse einzusacken, dann wird eine andere Firma den Markt betreten und dieselben ausländischen Bauteile und die Arbeit erwerben und dann MegaCorp unterbieten. Und eine dritte wird den Markt betreten und die zweite unterbieten. Alle Ersparnisse, die nicht an die Konsumenten weitergegeben werden sind wie ein riesiger Magnet für Unternehmer. Ein solcher Konkurrenzkampf wird schnell sicherstellen, dass der Transfer von den Händen von MegaCorp in jene ihrer Kunden stattfindet.

Was wird jedoch passieren, wenn die heimische Wirtschaft stark reguliert ist und MegaCorp von der Gefahr der Konkurrenz grösstenteils isoliert ist? Dann kann sie ihre Ersparnisse ungestraft einsacken. Die Bürger werden tiefere Einkommen in ihrer Rolle als Konsumenten haben, ohne irgendwelche kompensatorischen Preissenkungen in ihrer Rolle als Konsumenten zu erhalten. In einem solchen Fall haben die Protektionisten Recht, wenn sie im Freihandel eine Umverteilung vom kleinen Produzenten zur riesigen Gesellschaft sehen. Aber der Fehler liegt nicht im Freihandel (der Präsenz von ausländischer Konkurrenz) sondern in den Regulierungen (dem Fehlen von heimischer Konkurrenz).

Die Privatsphäre der Kunden wäre in einer freien Nation auch sicherer. In einer freien Gesellschaft könnte man erwarten, dass Unternehmen, da sie sich nicht auf die starken Kontrollen durch die Regierung stützen können, aber gleichzeitig freier sind, eigene Kontrollen durchzuführen, mehr von ihren Kunden im Sinne von Identitätskarten, Kreditprüfungen, Bindung und ähnlichem verlangen würden. Aber es scheint, dass das Gegenteil der Fall ist: Als die Leine der Regierung noch kürzer und jene der privaten Unternehmer länger war, verlangten die Unternehmen viel weniger Sicherheit von ihren Kunden als sie es heute tun. Als die Regierung neugieriger und aufdringlicher wurde, wuchsen auch die Neugierde und die Aufdringlichkeit der privaten Unternehmen, sie sanken nicht. Es scheint, dass das Wachstum der Regierungsmacht eine art autoritäre Kultur fördert, die dann die ganze Gesellschaft infiziert. Leute, die es gewohnt sind, ihre Identitätskarten zeigen zu müssen, gekennzeichnet zu werden und von der Regierung untersucht zu werden, werden sich nicht vor einer ähnlichen Behandlung in ihrem Warenhaus oder ihrer Bank scheuen – vor allem wenn sie dank der Strangulierung der Konkurrenz durch die Regierung ihre Geschäfte nirgends sonst verrichten können.

Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Werden in einer freien Nation die Arbeitnehmer den Arbeitgebern ausgeliefert sein? Das Problem der Diskriminierung basierend auf Rasse und Geschlecht habe ich an einem anderen Ort behandelt („Good and Bad Collective Action“, Formulations, Band III, Nr. 1 (Herbst 1995)), deshalb werde ich für den Moment den Fokus auf das Problem setzen, wie Arbeitnehmer behandelt werden, nachdem sie eingestellt werden. Durch das heutige Gesetz ist es den Arbeitgebern verboten, einen tieferen Lohn als einen gewissen Betrag zu zahlen; zu verlangen, dass Arbeitnehmer unter riskanten Umständen arbeiten (oder mit dem Chef schlafen); oder sie ohne Grund oder Benachrichtigung zu feuern. Was wäre das Schicksal der Arbeitnehmer ohne diesen Schutz?

Wahrscheinlich muss ich dem Leser dieser Publikation nicht erklären müssen, weshalb Mindestlohngesetze den Armen schaden. Auf jeden Fall werden die Löhne durch mehr Unternehmen hochgetrieben, die um die Arbeiter konkurrieren (genauso wie sie um die Konsumenten konkurrieren). Mehr Arbeitnehmer werden sowieso Arbeitgeber werden. Und Arbeitgeber werden imstande sein, die neuen, höheren Löhne zu bezahlen, da die Wirtschaft als ganzes besser gedeiht und wohlhabender sein wird.

Arbeitgebern stünde es rechtlich gesehen frei, alles, was sie wollen, von ihren Arbeitnehmern zu verlangen. Ihnen wäre es erlaubt, sie sexuell zu belästigen, sie dazu zu bringen, gefährliche Arbeit unter riskanten Bedingungen auszuführen, sie ohne Benachrichtigung zu feuern und so weiter. Aber die Verhandlungsmacht wird sich zu Gunsten der Arbeitnehmer verlagert haben. Da es in wohlhabenden Wirtschaften in der Regel einen Anstieg in der Anzahl neuer Unternehmen gibt aber eine Abnahme in der Geburtenrate, werden die Jobs eher den Arbeiter hinterher jagen als umgekehrt. Arbeitnehmer werden sich nicht gezwungen fühlen, eine schlechte Behandlung zu akzeptieren, da es viel einfacher sein wird, eine neue Anstellung zu finden. Und die Arbeiter werden mehr Durchsetzungsvermögen haben, wenn sie anfangs angestellt werden, einen Vertrag zu verlangen, welcher gewisse Behandlungen ausschließt, vernünftige Benachrichtigungen bei Entlassungen anordnet, Elternurlaube festlegt oder was auch immer. Und die Art von horizontaler Koordination, die von den Telekommunikationsnetzwerken ermöglicht wird, eröffnet die Aussicht darauf, dass Gewerkschaften effektivere Kollektivverhandlungen führen können, ohne Autorität an einen Gewerkschaftsboss abtreten zu müssen.

Ein positives Resultat einer konkurrenzfähigen Wirtschaft wäre die Reduktion von kleinen Tyranneien in der Arbeitswelt. Viele Arbeitsplätze erinnern zu fest an den „Dilbert“-Comicstrip, mit Chefs, die Prozesse mikromanagen, die sie nicht verstehen. Ich kannte einst eine Firma, die ihre Fotokopiergeräte bewusst langsamer als durchschnittlich eingestellt hat, als auch angeordnet hat, dass die Arbeiter das Kopiergerät nur für jeweils drei Seiten benutzen durften; die Idee war, dass man unnötiges Kopieren reduzieren wollte. Aber die meisten Kopien waren nötig, somit mussten die Arbeitnehmer ihre Zeit verschwenden, indem sie immer wieder anstehen mussten.

Ein Familienangehöriger von mir arbeitete einst für eine Anwaltsfirma, die Büroarbeiter in zwei Gebäuden hatte, aber nur in einem von diesen Anwälte. In den Gebäuden ohne Anwälte waren die Büroarbeiter nur sehr wenig überwacht: Ihnen war es freigestellt, ihre eigenen Prioritäten zu setzen, die Arbeiten untereinander aufzuteilen wie es ihre Terminpläne es verlangten und so weiter. Das Resultat war, dass sie viel mehr Arbeit viel effizienter verrichten konnten als in dem anderen Gebäude, wo die Büroarbeiter unter dem Mikromanagement der Anwälte standen. Ein solches Mikromanagement ist ineffizient, aber ohne sehr viel Konkurrenz können sich die Manager eine gewisse Ineffizienz leisten und ihrem Wunsch nach Kontrolle nachgeben. Ich denke, wenn die Arbeiter mehr Durchsetzungsvermögen haben, wird sich die Struktur am durchschnittlichen Arbeitsplatz ändern und die Arbeiter werden mehr Autorität haben um sich selber zu überwachen.

Schuldner und Gläubiger

Werden in einer freien Nation die Schuldner den Gläubigern ausgeliefert sein? Die Regierung ermöglicht es heute, die Schuldner zu beschützen, indem die das Ausmaß limitiert, wie die Gläubiger ihre Schuldner schikanieren können (keine Anrufe an den Arbeitsplatz des Schuldners, keine Anrufe mitten in der Nacht), indem sie das Ausmaß limitiert, wie die Gläubiger den Lohn des Schuldners pfänden dürfen, indem sie anordnet, dass schlechte Kreditwürdigkeit nach einer gewissen Zeit verfällt, und indem jenen Schuldnern, die von ihrer schweren Schuldlast erdrückt werden, die Möglichkeit gegeben wird, durch Insolvenz zu entkommen. Wie würde es den Schuldnern ohne diesen Schutz ergehen?

Nun um es bei der Sache zu benennen, es gäbe weniger Schuldner in einer freien Nation. Mit grösserem Wohlstand wäre es einfacher für die Leute ihre Schulden abzubezahlen. Die Chancen sind höher, dass ein bestimmter Schuldner durch Lügen anstatt Pech in Verzug gerät als in der heutigen Gesellschaft.

Aber in einer libertären Wirtschaft gäbe es noch immer Schuldner, die aufgrund von Pech zu Schuldnern geworden sind. Wie kann ihnen geholfen werden?

Erstens glaube ich, dass ein libertäres Justizsystem wahrscheinlich einige Limitierungen des Rechts, Löhne zu pfänden, anerkennen würde. Auch wenn A das Recht hat, einen Teil des Eigentums wiederzuerlangen, welches in Besitz von B ist, gibt es Grenzen wie viel Schaden A verursachen kann um dieses Recht auszuüben. Wenn Du meinen Diamantring verschluckst, habe ich nicht das Recht Dich aufzuschneiden und ihn herauszuholen und Dich dabei möglicherweise zu töten oder Dich ernsthaft zu verletzen. Wenn Du mein Anwesen unerlaubt betrittst, dann habe ich nicht das Recht, Dich in genau dem Moment von meinem Rasen auf die Strasse zu stoßen, in dem ein Lastwagen kommt, der Dich flach machen würde. Ich denke ähnliche Überlegungen würden den Prozentsatz des Lohns einer armen Person limitieren, den ein reicher Schuldner legitimerweise für sich beanspruchen könnte. Außerdem könnten Unternehmen mit unbeliebten Eintreibmethoden boykottiert werden.

Was die Schuldbefreiung betrifft, vermute ich, dass mit der Explosion des Reichtums, die laut der libertären ökonomischen Theorie in einer freien Nation stattfinden würde (und wenn die libertäre ökonomische Theorie falsch liegt, ist die Bewegung für eine freie Nation sowieso dem Untergang geweiht), der Umfang von privater Wohltätigkeit und von gegenseitiger Hilfe dramatisch größer würde, womit die Schuldner schnell einen Weg aus ihrer Schuld auf eine Weise finden würde, die (im Gegensatz zur Insolvenz) sowohl zum Wohl des Schuldners als auch des Gläubigers wäre.

Mieter und Vermieter

Wären in einer freien Nation die Mieter den Vermietern ausgeliefert? Die Regierung bietet den Mietern momentan großen Schutz vor den Vermietern – teilweise mit ernsthaften Kosten für die Vermieter (der Film Fremde Schatten zeigt davon ein gruseliges Beispiel). Aber was diese Gesetze scheinbar nötig macht ist die größere Verhandlungsmacht, die die Vermieter normalerweise gegenüber ihren Mietern haben. Und dies ist, wie in den vorherigen Beispielen, das Resultat von schwacher Konkurrenz aufgrund einer langsamen Wirtschaft. Somit „hilft“ die Regierung den Mietern gleichzeitig mit Mietergesetzen, und „hilft“ den Vermietern mittels Regulationen, die die Konkurrenz im Wohnungsmarkt strangulieren. Es ist der typische Trick der Regierung: Zuerst vergiftet sie Dich und dann teilt sie Dir langsam das Gegenmittel aus.

In einer libertären Gesellschaft hätten die Vermieter mehr Freiheit, aber da mehr Vermieter um die Mieter konkurrieren würden, hätten sie auch stärkere wirtschaftliche Anreize ihren Mietern zu gefallen. Mietverträge wären nicht mehr so einseitig zu Gunsten des Vermieters wie sie es heute oft sind. Vermieter hätten vielleicht das Recht jemanden nach Belieben hinauszuwerfen (gemäß den Restriktionen in der Art des Ring-Schluckens), aber sie wären wohl wirtschaftlich gezwungen, Verträge zu unterschreiben, die dieses Recht aufgeben.

Jenseits des Chefs

Durch unsere ganze Wirtschaft hindurch wurden wirtschaftliche Beziehungen in ein autoritäres Modell gezwungen, welches jenem des herrschenden etatistischen Paradigma stark ähnelt. Gesellschaften bilden sich analog zu Armeen; Herdeneinkäufer bilden sich in Supermärkten in langen Warteschlagen für das Privileg des Nahrungskaufs; Arbeitgeber und Vermieter werden immer aufdringlicher und kontrollierender. Aber die Unternehmen verhalten sich aus demselben Grund so, wie es die Regierung tut: aufgrund fehlender Konkurrenz. Ich prognostiziere, dass in einer Wirtschaft in einer freien Nation die gewöhnlichen Wirtschaftsbeziehungen eine komplette Umstrukturierung durchlaufen würden. Diese Beziehungen werden mehr solche zwischen gleichen Partnern als solche zwischen einem Überlegenen und einem Untergebenen. Arbeitnehmer werden als unabhängige Auftragnehmer und nicht als Diener behandelt werden, und so weiter. Machtstrukturen werden horizontal anstatt vertikal sein; Kommunikation und Einfluss wird wechselseitig und nicht einseitig sein. Das Konzept vom Boss wird veraltet sein.

Bemerkung: Dieser Artikel ist ursprünglich in der Zeitschrift Formulations (Ausgabe vom Herbst 1996) der Libertarian Nation Foundation unter dem Titel “Beyond the Boss: Protection from Business in a Free Nation erschienen. Die Übersetzung ist von Matt Jenny. Der Artikel wird hier mit der Genehmigung des Autors publiziert.

Roderick T. Long ist ausserordendlicher Professor für Philosophie an der Auburn University im Bundesstaat Alabama, USA. Er ist der Präsident des Molinari Institute und Herausgeber des Journal of Libertarian Studies. Er bloggt im Austro-Authenian Empire.

Written by logikdesstaats

21. September 2010 um 00:13

Eine Antwort

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  1. Danke fuer die Uebersetzung diesen brillanten Essay!

    Webster

    21. September 2010 at 14:32


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