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Mises is back…

with one comment

von Michael Kastner

Es gibt wenige wirtschaftswissenschaftliche Werke, die eine ähnliche Tragweite erlangt haben wie die Nationalökonomie von Ludwig von Mises. Die National­ökonomie gilt als eines der Hauptwerke der Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre und als ein Meilenstein der Wirtschaftswissenschaften…

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Kennzeichnend für die Herangehensweise der Österreichischen Schule ist die Anwendung deduktiver Methoden zur Analyse individueller Wahlhandlungen. Dieser methodologische Individualismus bildet deshalb auch in der vorliegenden Abhandlung die Grundlage zur Erklärung menschlichen Handelns. Die Nationalökonomie erschien erstmalig 1940 in Genf. Es ist wohl den zeitlichen Umständen geschuldet, dass das Buch zunächst nicht jene Beachtung erfahren hat, die es aufgrund seiner maßgeblichen Bedeutung für die volkswirtschaftliche Forschung verdient hätte.

Ludwig von Mises wurde 1881 im galizischen Lemberg geboren, das zu dieser Zeit noch zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte. Er starb 1973 in New York. Nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten 1940 war New York zu seiner zweiten Heimat geworden. Ludwig von Mises war Zeit seines Lebens ein leidenschaftlicher Verfechter individueller Freiheit. Es war seine tiefste Überzeugung, dass staatliche Eingriffe nicht nur Wohlstand und Fortschritt gefährden, sondern auch für die Freiheit jedes Einzelnen eine Bedrohung darstellen.

Die Nationalökonomie“ verkörpert zweifelsohne die zentrale Abhandlung der Österreichischen Schule. In dem Maße, in dem Alfred Marshall in seinen „Principles of Economics“ den Stand der Neoklassik brilliant zusammengefasst hat, hat auch Ludwig von Mises die gesamte Österreichische Schule in seiner Abhandlung einer Bestandsaufnahme unterzogen.

Während die Neoklassik jedoch mit Marshalls „Principles“ unzweifelhaft ihren Höhepunkt und auch ihren theoretischen Endpunkt erreicht hatte, verfasste Mises mit der Nationalökonomie ein Werk, das nicht nur das bisherige analytische Instrumentarium zusammenfasste, sondern gleichzeitig auch die Türen zu neuen Erkenntnissen öffnete.

„Alles Handeln ist zielgerichtet, sucht Ziele zu erreichen und Zwecke zu verwirklichen.“ stellt Mises als Prämisse voran und leitet daraus, lediglich basierend auf logischen Schlüssen, ein ökonomisches Erklärungsmuster ab.

Dieser rigorose Apriorismus sei reine Tautologie wurde ihm oftmals vorgeworfen. Sofern es tautologisch ist, wird dadurch die Aussagekraft der Theorie jedoch nicht geringer. Die Erklärungen, die Mises in der Nationalökonomie für ökonomische und soziologische Phänomene liefert, sind tatsächlich verblüffend.

Dabei ist Mises von der ersten bis zur letzten Seite ein Radikaler. Obwohl es sich bei der „Nationalökonomie“ nicht um ein politisches Buch handelt, rechnet Mises mit den negativen Auswirkungen, sowohl des Sozialismus als auch des Konservativismus ab.

Ständischen Hierarchien, seien sie durch Parteiämter oder durch althergebrachte Traditionen begründet, erteilt er eine Absage. Dass Mises dem Sozialismus feindlich gegenüberstand, dürfte dabei wenig überraschen. Aber dass er den Konservativismus aufs Schärfste analysierte und als gefährlich erachtete, ist in Vergessenheit geraten. Insbesondere seine Absage an den Traditionalismus, die Traditionsgebundenheit als Ideologie, dürfte manchem Konservativen, der sich heute gerne auf ihn beruft, schwer verträglich sein (Nationalökonomie, S. 171):

„Unter Traditionsgebundenheit versteht man eine Ideologie, die das Festhalten an von den Vorfahren oder von den vermeintlichen Vorfahren überlieferten oder vermeintlich überlieferten Wertungen und Techniken als richtig oder zweckmäßig erklärt. …

Die Bindung an die Tradition besteht darin, dass man sich zur Rechtfertigung und Begründung einer Ideologie, zu Recht oder zu Unrecht, auf das Vorbild älterer Ideologien beruft. Die Geschichtsforschung konnte oft die Irrtümer der Traditionalismen aufdecken; der Irrtum büßte darum noch nicht seine ideologie- stützende Kraft ein. Denn das Wesen des Traditionalismus ist nicht die Tradition, sondern der Glaube an einen Inhalt, den man als überliefert ansehen will.“
Dabei war Mises kein Bilderstürmer. Aber er wusste, wo der Liberalismus, z.B. im Verhältnis zur Kirche, zu verorten war (S. 174):

„Wenn der Liberalismus dennoch nicht nur Duldung des Katholizismus, sondern auch Achtung der Überzeugung der katholischen Mitbürger zu seinem Programm machte, geschah es gewiss nicht aus der Erwägung heraus, dass in diesem – in seinen Augen sinnlosen – Gehaben vielleicht doch die Wahrheit zu finden wäre. Der Liberalismus wollte Frieden auf Erden, und den Frieden, meinte er, könne nur die Duldung jeder Überzeugung und jeder Glaubenslehre bringen. Wer den Irrtum ausrotten wolle, müsse ihn mit dem Geist bekämpfen und nicht mit Gewalt.“

Mises räumt dabei mit mancherlei, insbesondere auch heute unter Konservativen weit verbreiteten Legende auf. So ist etwa der Rückgang der Geburtenzahl und die zunehmende Verbreitung von Verhütungsmitteln für Mises nicht auf linke Propaganda zurückzuführen, sondern auf die Verbesserung der Lebensumstände breiter Bevölkerungsschichten im Kapitalismus (S. 610f.):

„Auf die Bewahrung der erreichten höheren Lebenshaltung bedacht, beginnen sie [die Arbeitermassen, die sich immer mehr dem bürgerlichen Lebensstil anpassen, Anm. MK] Geburtenregelung zu üben. In dem Maße, in dem der Kapitalismus fortschreitet, greift auch die Geburtenregelung als allgemeine, von allen Schichten des Volkes geübte Handlungsweise um sich. Der Übergang zum Kapitalismus ist daher bevölkerungsstatistisch durch zwei Tatsachen gekennzeichnet: Sinken der Geburtenzahl und Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer.“

Die Erkenntnisse, die Mises in der Nationalökonomie herausarbeitet, sind sowohl, was die Ökonomie, als auch, was die Soziologie angeht, nicht nur für ihre Zeit bahnbrechend. Sie haben auch für unsere Zeit ihre Gültigkeit bewahrt und werden wohl auch in Zukunft von unschätzbarem Wert sein. Mises‘ Ausführungen sind jedoch vor allem auch eines: ein Beispiel für couragierte und kompromisslose Wissenschaft.

Quelle 1: Buchausgabe
Quelle 2: Forum Ordnungspolitik

Ursprünglich erschienen bei Frank Meyer

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Written by dominikhennig

24. September 2010 um 22:38

Eine Antwort

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  1. Dass Mises‘ Hauptwerk endlich wieder auf deutsch erhältlich ist, bedeutet das Schliessen einer großen Lücke in meiner Bibliothek! Tausend Dank dafür an den Verleger Michael Kastner!

    Don Philippo

    25. September 2010 at 17:57


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