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Panarchie – Eine verschollene Idee von 1860

with one comment

von Max Nettlau

Seit langem fasziniert mich der Gedanke, wie schön es doch wäre, wenn endlich einmal in der allgemeinen Auffassung über die Aufeinanderfolge der politischen und sozialen Einrichtungen das verhängnisvolle Wort nacheinander durch das so einfache und selbstverständliche nebeneinander ersetzt würde. «Nieder mit dem Staat!», «Nur auf den Trümmern des Staates…» sind Empfindungen und Wünsche Vieler, denen aber doch wohl nur das kühle Heraus aus dem Staat (Nr. 2 des «Sozialist») zur Durchführung verhelfen kann.

Tritt in einer Wissenschaft eine neue Erkenntnis zu Tage, so arbeiten eben die davon Überzeugten auf dem neuen Weg einfach weiter, ohne die alten Professoren, die dem nicht folgen wollen oder können, überzeugen, zur Akzeptierung der neuen Methode zwingen oder totschlagen zu wollen; die geraten von selbst ins Hintertreffen und verkümmern und vertrocknen, wenn die neue Methode das richtige Leben in sich hat. Allerdings kann in vielen Fällen der böse Wille und die Dummheit der neuen Idee vieles in den Weg legen; darum müssen für die unbedingte gegenseitige Toleranz harte Kämpfe ausgefochten werden, bis sie errungen ist; erst dann geht alles von selbst, die Wissenschaft blüht und gedeiht, weil der für jeden Fortschritt nötige Boden der Versuchsfreiheit und freien Forschung gewonnen ist.

Nur nicht immer «alles unter einen Hut bringen wollen» – das ist dem Staat nicht gelungen: die Sozialisten und Anarchisten entschlüpften dieser Macht; und das dürfte uns auch nicht gelingen, denn die «Staatsmenschen» sind nun einmal noch da. Es müßte übrigens uns selbst nur angenehm sein, so einen eingefleischten Staatskrüppel nicht in unserer freien Gesellschaft mitschleppen zu brauchen, und die oft erörterte Frage, was denn mit den Reaktionären geschehen soll, die sich der Freiheit nicht anpassen können, würde dadurch sehr einfach gelöst: die mögen sich ihren Staat behalten, solange sie wollen – nur hat er für uns nicht mehr Bedeutung, über uns nicht mehr Macht, als die verschrobenen Ideen irgend einer religiösen Sekte, um die sich niemand kümmert. So wird es früher oder später kommen; die Freiheit bricht sich überall Bahn.

Als wir einmal auf dem Comosee fuhren, bestieg eine Mailänder Lehrerin mit einer großen Schulklasse das Dampfschiff. Sie wollte, daß sich die Kinder alle niedersetzten und rannte von einer Gruppe zur anderen, das Niedersetzen anordnend – aber kaum hatte sie einer Gruppe den Rücken gedreht, standen die meisten sofort auf und so oft sie das Ganze überblickte, wenn sie, mit dem Ordnen der Kinder fertig zu sein glaubte, standen sie in demselben Durcheinander da wie früher. Statt nun «streng» zu werden, lachte die junge Frau selbst darüber und ließ die Kinder in Ruhe, von denen sich die meisten bald von selbst niedersetzten. Das ist ein harmloses Beispiel, wie alles, sich selbst überlassen, sich am besten löst, und bevor sich die Idee der gegenseitigen Toleranz in politischen und sozialen Dingen Bahn bricht, könnten wir, nebenbei gesagt, nichts besseres tun, als uns selbst hierfür vorzubereiten, indem wir sie in unserm eigenen täglichen Leben und Denken ins Werk setzen; wie oft handeln wir noch selbst ihr entgegen?

Diese Worte sollen zeigen, wie lieb mir diese Idee geworden ist, und begreiflich machen, daß ich mich freue, in einem verschollenen Aufsatz einen Vorläufer dieser Idee gefunden zu haben, von der sonst in unserer Literatur, der der Kampf freilich aufgezwungen wurde, nicht viel die Rede ist. Ich meine den Artikel Panarchie von P. E. De Puydt in der Revue Trimestrielle (Brüssel), Juli 1860, SS. 222 – 245. Der mir sonst bis jetzt unbekannte Verfasser, um den ich mich noch nicht kümmerte, um mir den Eindruck seiner Ideen nicht zu stören, steht den sozialen Bewegungen wohl fern, hat aber einen klaren Blick dafür, wie das jetzige politische System, nach welchem sich Alle einer durch Majoritätsbeschluß oder sonst irgendwie entstandenen Regierung fügen sollen, einfach dem elementarsten Freiheitsbedürfnis ins Gesicht schlägt. Ohne mich mit seinem unmittelbaren Vorschlag irgendwie zu identifizieren, will ich, ohne Vollständigkeit anzustreben, seine Gedankengänge resümieren und einzelnes wörtlich anführen.

Man würde sich seiner Idee nähergebracht fühlen, wenn man für das von ihm stets gebrauchte Wort «Regierung» sich «Gesellschaftsform» dächte, wie er ja selbst die Existenz aller Regierungsformen, bis zur «An-archie des Herrn Proudhon sogar» nebeneinander reklamiert, jeweils für ihre wirklichen Interessenten.

Der Verfasser erklärt sich für die Lehren der politischen Ökonomie des «Laissez faire, laissez passer» (die Manchesterrichtung der freien Konkurrenz ohne Staatseinmischung). Es gibt aber keine halben Wahrheiten; daraus schließt er, daß das Gesetz der freien Konkurrenz, laissez faire, laissez passer, sich nicht nur auf die industriellen und kommerziellen Verhältnisse beziehe, sondern auch in gleicher Weise in der politischen Sphäre zum Durchbruch gelangen müsse.
Die einen sagen, es gibt zu viel Freiheit – die andern, es gibt noch nicht genug Freiheit. In Wirklichkeit fehlt die Grundfreiheit, die man grade brauchen würde: die Freiheit, nach eigener Wahl frei oder nicht frei zu sein. Jeder entscheidet diese Frage für sich, und da es so viele Meinungen wie Menschen gibt, so entsteht daraus das Durcheinander, das man Politik nennt. Die Freiheit der einen ist die Negierung der Freiheit der anderen. Die beste Regierung funktioniert nie nach dem Willen Aller; es gibt Sieger und Besiegte, Unterdrücker im Namen des geltenden Rechtes, Empörer im Namen der Freiheit.

Will ich mein eigenes System vorschlagen? Durchaus nicht; ich bin Anhänger aller Systeme, d.h. aller Regierungsformen, die Anhänger finden. Jedes System ist wie ein Gebäude, in welchem die Eigentümer und Hauptmieter die besten Wohnungen haben und sich wohlbefinden; die anderen, die keinen Platz darin finden, sind unzufrieden. Ich hasse die Zerstörer eben so wie die Tyrannen. Die Unzufriedenen sollen ihrer Wege gehen, aber ohne das Haus zu zerstören; was ihnen nicht gefällt, mag ja ihrem Nachbarn Freude machen.
Sollen sie aber auswandern, sich irgendwo in der weiten Welt eine andere Regierung suchen? Nicht im geringsten; und ebensowenig sollen die Leute nach ihren Meinungen hierhin und dorthin verteilt werden. «Ich wünsche, daß man weiter zusammenlebt, da, wo man ist, oder anderswo, wenn man will, aber ohne Streit, brüderlich, jeder seine Meinung frei äußernd und nur den von ihm persönlich gewählten oder akzeptierten Mächten sich unterordnend».

Kommen wir zur Sache. «Nichts Dauerhaftes entsteht, das nicht auf Freiheit gegründet ist. Nichts Existierendes erhält sich und funktioniert mit Erfolg außer durch das freie Spiel all seiner tätigen Bestandteile. Sonst gibt es Kraftverlust, schnelle Abnützung der Räder, allzuviel Bruch und Unfälle. Ich verlange also für jedes Element der menschlichen Gesellschaft die Freiheit, sich nach seiner Wahlverwandtschaft zu andern zu gesellen und nur seinen Fähigkeiten entsprechend zu funktionieren; mit andern Worten, das absolute Recht, die politische Gesellschaft, in der sie leben wollen, sich zu wählen und nur von ihr abzuhängen.»

Heutzutage sucht ein Republikaner die bestehende Staatsform umzustürzen, um sein Staatsideal zu errichten; alle Monarchisten und sonst nicht daran Interessierten stehen ihm als Gegner gegenüber. Statt dessen könnte nach der Idee des Verfassers auf eine Weise vorgegangen werden, die in Familienverhältnissen der gesetzlichen Trennung, der Ehescheidung, entspricht. Er schlägt eine ähnliche Scheidungsmöglichkeit in der Politik vor, durch welche niemand verletzt wird.

Man will sich politisch trennen? Nichts einfacher, als seiner Wege zu gehen, aber ohne die Rechte und Meinungen der anderen zu berühren, die ihrerseits etwas Platz machen müssen und den anderen die Freiheit lassen, ihr eigenes System zu verwirklichen.

Praktisch könnte der Apparat der Zivilstandsregistrierung dienen; in jeder Gemeinde würde ein neues Bureau für die politische Regierungsangehörigkeit der einzelnen gegründet und die Erwachsenen würden sich in die Listen der Monarchie, der Republik usw. nach ihrem Belieben eintragen lassen. Von da ab berührt sie das andere Regierungssystem der anderen nicht mehr; jedes System organisiert sich, hat seine eigenen Vertreter, Gesetze, Richter, Steuern, ob es nun zwei oder zehn solche Organismen neben einander geben mag. Für die Differenzen, die zwischen diesen Organismen entstehen mögen, sind, wie zwischen befreundeten Völkern, Schiedsgerichte usw. ausreichend. Es wird wohl viele allen Organismen gemeinsame Angelegenheiten geben, wo sich alles durch gegenseitige Abmachungen ordnen läßt, wie etwa das Verhältnis der Schweizer Kantone und amerikanischen Einzelstaaten zu deren Gesamtstaaten geordnet ist.

Es mag solche geben, die sich in keinen dieser Organismen einfügen wollen. Diese mögen für ihre Ideen Propaganda machen und ihre Anhänger zu vermehren suchen, bis sie die budgetäre Unabhängigkeit erlangt haben, d.h. das, was sie auf ihre Weise haben wollen, selbst zahlen können; bis dahin müßten sie einem der bestehenden Organismen angehören; das ist nur eine finanzielle Frage.

Die Freiheit muß soweit gehen, daß sie das Recht, nicht frei zu sein, einschließt; also Klerikalismus, Absolutismus für die, die es nicht anders haben wollen. Es wird also freie Konkurrenz zwischen den Regierungssystemen bestehen. Die Regierungen, um sich Anhänger, Kunden, zu sichern, werden sich verbessern müssen. Jeder bleibt daheim, ohne auf etwas, das ihm lieb ist, verzichten zu müssen. Es handelt sich nur um eine einfache Erklärung im politischen Bureau der Gemeinde, und ohne Schlafrock und Pantoffeln auszuziehen, mag man von der Republik zur Monarchie, vom Parlamentarismus zur Autokratie, von der Oligarchie zur Demokratie oder selbst zur An-archie des Herrn Proudhon nach eigenem Belieben übergehen.
«Sie sind mit Ihrer Regierung nicht zufrieden? Nehmen Sie sich eine andere» – ohne Aufstand und Revolution und irgendwelche Aufregung – durch einen einfachen Gang in das politische Registrierungsbureau. Die alten Regierungen mögen bestehen bleiben, bis diese Freiheit des Experiments, die hier vorgeschlagen wird, ihnen den Rest gibt; man verlangt nur eins: freie Wahl.
Freie Wahl, Konkurrenz – das wird eines Tages auch die Devise der politischen Welt sein. Wird das nicht das unerträglichste Durcheinander sein?

Man erinnere sich doch nur an die Zeit, als man sich in den Religionskämpfen gegenseitig erwürgte. Was wurde aus diesem tödlichen Haß? Der Fortschritt des Menschengeistes fegte ihn hinweg wie der Wind die letzten Blätter im Herbst. Die Religionen, in deren Namen Scheiterhaufen und die Folter wirkten, leben heutzutage friedlich nebeneinander. Gerade da, wo ihrer mehrere nebeneinander bestehen, sieht jede mehr als sonst auf ihre Würde und Reinheit. Sollte das, was auf diesem Gebiet möglich war, trotz aller Hindernisse nicht auch auf dem Gebiet der Politik möglich sein?

Heutzutage, wo Regierungen nur mit Ausschluß jeder anderen Macht existieren, wo Parteien nach der Niederwerfung ihrer Gegner herrschen, wo die Majorität die Minorität unterdrückt, ist es unvermeidlich, daß Minoritäten, die Unterdrückten, ihrerseits grollen, intriguieren, die Stunde der Rache, der endlich errungenen Macht abwarten. Wenn aber aller Zwang beseitigt ist, wenn jeder Erwachsene jederzeit für sich selbst freie Wahl hat, dann wird jeder unfruchtbare Kampf unmöglich.

Wenn die Regierungen dem Prinzip des freien Versuchs, der freien Konkurrenz unterworfen sind, werden sie sich ihrerseits bessern und vervollkommnen; nicht mehr die wolkenhafte Abgeschlossenheit, hinter der nur Leere steckt; der Erfolg wird für sie nur darin liegen, es besser und billiger zu machen als die anderen. Die jetzt in unfruchtbarer Arbeit, Reibungen und Widerstand, verlorenen Kräfte werden sich vereinigen, dem Fortschritt und dem Glück der Menschheit einen unvorhergesehenen, wunderbaren Anstoß zu geben.

Auf den Einwurf, daß man nach diesen Versuchen mit Regierungen aller Art zu einer einzigen, der vollkommensten, zurückkehren würde, bemerkt der Verfasser, selbst wenn das so wäre, so wäre eben doch die allgemeine Eintracht durch das freie Spiel der Kräfte herbeigeführt worden. Das wäre aber doch nur in einer fernen Zukunft der Fall, «wenn die Funktion der Regierung mit allgemeiner Zustimmung auf ihren einfachsten Ausdruck zurückgeführt sein wird.» Einstweilen sind aber die Menschen so verschiedenen Sinnes, so verschiedener Sitten, daß nur dieses vielseitige Regime möglich ist.

Einer sucht Bewegung, Kämpfe, ein anderer Ruhe; dieser Aufmunterung und Hilfe, jener, das Genie, verträgt keinerlei Lenkung. Einer will die Republik, Ergebenheit und Entsagung – ein anderer die absolute Monarchie mit ihrem Pomp und Glanz. Jener Redner will ein Parlament; dieser, ein Schweigsamer, verdammt die Schwätzer. Es gibt starke Geister und schwache Köpfe, Ehrgeizige und einfache, zufriedene Leute. Es gibt so viel Charaktere wie Personen, soviel Bedürfnisse wie verschiedene Naturen. Wie können sie alle von einer einzigen Regierungsform zufriedengestellt werden? Die Zufriedenen werden die wenigsten sein; selbst die vollendetste Regierung fände eine Opposition. In dem vorgeschlagenen System wäre all dieser Zank nur häuslicher Streit, mit der Scheidung als äußerstem Hilfsmittel.

Die Regierungen würden untereinander wetteifern, und ebenso würden die jeder Regierungsform sich Anschließenden an dieser hängen, weil sie eben ihren Ideen ganz entspricht.

Wie würde man all diese Leute auseinandertrennen? – Ich glaube an «die souveräne Macht der Freiheit, Frieden unter der Menschheit herzustellen.» Tag und Stunde dieser Eintracht kann ich nicht vorhersehen. Meine Idee ist ein in den Wind gestreutes Samenkorn. Wer dachte in früheren Zeiten an Gewissensfreiheit, und wer würde sie heute in Frage stellen? Man mag zur praktischen Durchführung z.B. die Dauer der Zugehörigkeit zu einer Regierungsform auf ein Jahr festsetzen. Jede Gruppe findet ihre Anhänger zusammen, wenn sie dieselben braucht, wie eine Kirche ihre Mitglieder oder eine Aktiengesellschaft ihre Aktionäre. – Wird dieses Nebeneinanderbestehen von Regierungsorganismen nicht eine Überhäufung mit Regierungspersonal, eine Kräfteverschwendung bedeuten? Der Einwand ist von Bedeutung, doch wenn das einmal gefühlt wird, wird auch abgeholfen werden – nur die wirklich lebensfähigen Organismen werden weiterbestehen, die anderen an Entkräftung eingehen.

Werden die jetzt herrschenden Dynastien und Parteien je auf so einen Vorschlag eingehen? –
Es müßte in ihrem Interesse sein, das zu tun: besser weniger Zugehörige, aber sich freiwillig und ganz ihnen unterwerfende, gegen die kein Zwang nötig ist, keine Soldaten, Gendarmen, keine Polizei. Keine Verschwörungen und Usurpationen; jeder ist legitim und keiner. Eine Regierung mag heute liquidieren und sich später, wenn sich mehr Anhänger finden, statt durch einen Gewaltstreich durch eine einfache Konstituierung, wie eine Aktiengesellschaft, wieder bilden. Von den geringen Beiträgen, die bei den Registrierungen zu entrichten wären, würden die Registrierungsbureaux erhalten, ein einfacher Mechanismus, den ein Kind leiten könnte und der doch allen Bedürfnissen entspräche.
Das ist alles so einfach und richtig, daß ich überzeugt bin, daß niemand etwas davon wird wissen wollen; die Menschen sind einmal so ….

Mich erinnern der Stil und die Gedankengänge des Verfassers De Puydt etwas an Anselme Bellegarrigue, wie man ihn in seinen zahlreichen Artikeln in der Civilisation, dem Tagblatt von Toulouse, 1849, kennen lernen kann. Ähnliche Ideen in Bezug auf Steuern hat besonders Auberon Herbert später durch viele Jahre vertreten (voluntary taxation). Daß die ganzen Ausführungen uns heute viel plausibler klingen, als sie den Lesern von 1860 klingen mochten, zeigt, daß doch einiger Fortschritt gemacht wurde. Diesen Ideen einen unsern heutigen Gefühlen und Bedürfnissen entsprechenden Ausdruck zu geben und selbst zu ihrer Verwirklichung zu schreiten – darauf kommt es heute an; die Idee der eigenen Initiative, die in dem kühlen Raisonnement des isolierten Verfassers von 1860 noch fehlte – sollte sie nicht dasjenige sein, was eine Diskussion dieser Fragen heute aussichtsvoller und hoffnungsreicher macht?

M.N.

Notiz von John Zube

Dieser mit M.N. als Verfasser gezeichnete und vom 22.2.1909 datierte Artikel erschien unter dem 15 März 1909 in Gustav Landauers «Der Sozialist». Er wurde auf Veranlassung Leo Kasarnowski (des späteren Verlegers Mackays), der M.N. als Max Nettlau identifizierte, in «Der individualistische Anarchist» (Hrsg. Benedikt Lachmann), Berlin 1920, S.410 – 417, nachgedruckt.
De Puydts Anregung, ergänzt durch sehr wesentliche Voraussetzungen, bildet im übrigen, als eine Kern-Bedingung eines konsequenten Anarchismus, die Grundlage der in Solnemans «Manifest der Freiheit und des Friedens» dargestellten autonomen Rechts- und Sozialgemeinschaften. Bereits 1930 war In «Radikaler Geist» (Berlin), Seite 450/51 (Heft 5) das nachstehende Programm der C.U. erschienen: Die Cosmopolitische Union.

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Written by floriangrebner

23. Oktober 2010 um 13:14

Veröffentlicht in Debatte, Geschichte

Eine Antwort

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  1. Meines Erachtens einer der wichtigsten libertären Texte aller Zeiten – vielen Dank für das Hervorkramen.
    Wie man dem Wikipedia-Eintrag „Panarchie“ entnehmen kann, gibt es die Ausgabe der Revue Trimestrielle mit dem Originaltext des Essays von de Puydt auf Google Books:

    http://books.google.ca/books?id=MPRTAAAAQAAJ&printsec=frontcover&hl=fr&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

    (ab Seite 222)

    und in deutscher Übersetzung (aus dem Belgischen :-)) hier:

    http://www.panarchy.org/depuydt/1860.de.html

    Das einzig Merkwürdige an dieser Vorstellung sind natürlich diese Registrierungsbüros. Was ist, wenn sich jemand nicht registrieren lassen will? Wird der dann gezwungen? Wenn ja, von wem? Kann jeder ein Registrierungsbüro betreiben oder gibt es ein Monopol? Wenn letzteres, wie und von wem wird dieses Monopol erzwungen? Und warum muß es diese Registrierungsbüros überhaupt geben?

    Davon abgesehen ist es aber doch auffallend, wie optimistisch und phantasievoll libertäre Denker 1860 bzw. 1909 noch sein konnten, während heute sich viele Libertäre vom Denken in territorialpolitischen Kategorien nicht befreien können, was notwendig zur Resignation führen muß, nach dem Motto: „Wir leben nun mal im Staat, also laß uns zur Bundestagswahl gehen und das kleinere Übel ankreuzen.“

    Ulrich Wille

    26. Oktober 2010 at 19:43


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