Paxx Reloaded

Wieder da: Sex-, Drugs-, Peace- and Rock'n'Roll Libertarians

Wikileaks – ein Stück gelebter Anarchismus

with 5 comments

von bayerm

 

Wikileaks hat es wieder getan und doch wird die Reaktion bei jedem mal schärfer. Man könnte ja denken, dass die jetzt veröffentlichten diplomatischen Depeschen weit weniger brisant und folgenreich für den Hegemon seien, als die Bilder des auf Menschen feuernden Apache-Hubschrauber. Doch der Druck auf Wikileaks nimmt systematisch zu. Man kann in dieser Hetzjagd die klassischen Muster der Counterinsurgency erkennen. Versuche die Organisation durch Misstrauen quasi von innen zu zerstören, moralische und juristische Angriffe auf Julian Assange und vieles mehr. Man scheint inmitten all der Sensationen kaum zu begreifen, dass hier jemand in sehr kurzer Zeit und ohne Waffen bei weitem mehr an Aufscheuchung erreicht hat, als die vielen NGO’s und Initiativen vor ihm.

Die Kritiken an Wikileaks sind meist nicht mehr als verletzte Eitelkeit oder aber Furcht das Monopol über Informationen und vor allem den Fluss der Informationen zu verlieren. Die Beschreibung von Assange als Anarchist, sie trifft in mancherlei Hinsicht in den Kern des Phänomens. Ja, die ganze Wikileaks Aktion, sie hat etwas sehr ursprünglich anarchistisches. Der Charme des Ganzen liegt in der Einfachheit und vor allem der Distanziertheit zu den Zentren der Macht. Hier wird nicht kooperiert und nicht diskutiert, hier wird nur gehandelt und präsentiert. Das nimmt gleich alle anderen mit in die Pflicht. Die New York Times, der Spiegel, Le Monde, El Pais und der Guardian, sie kommen dieser Pflicht in ihren journalistischen Konsequenzen nach und durchforsten mit gehörigem Personaleinsatz die Informationen. Nein, es macht keinen wirklichen Sinn Wikileaks vorzuwerfen Informationen ohne die üblichen Sorgfaltspflichten des seriösen Journalismus der Öffentlichkeit quasi hinzuwerfen. Diese Art von Information ist in ihrer Qualität und in ihrer Struktur nicht mit einem journalistischen Bericht zu vergleichen. Hier handelt es sich eher um das, was die Wissenschaft „data bruta“, also Rohdaten nennt. Selten nur bekommt eine größerer Kreis eine solche Art von Information überhaupt zu sehen.

Was die Menschen daraus machen, das bleibt ihnen überlassen und, wir werden es ja auch sehen. Und gerade jetzt zeigen sich auch plötzlich allerorten besorgte Experten, die den Menschen derartige Informationen in einem solchen Zustand nicht zumuten möchten. Es soll wieder gefiltert und bewertet werden, sortiert und aussortiert. Anstatt dessen könnte man eher dran arbeiten, dass die Daten, so wie sie sind, möglichst nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind und das die Menschen möglichst einfach auf sie zugreifen können. Die meisten wollen aber zurück zu einer Ordnung, die einen zu der des Hegemons, die anderen zu ihren je eigenen Expertenordnungen.

 

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Written by floriangrebner

7. Dezember 2010 um 17:26

Veröffentlicht in Ethik

5 Antworten

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  1. Im Web wird über Assange und WikiLeaks viel gemeckert. Die Kritik geht in der Regel daneben.

    Entscheidend ist, daß weltweit vertrauliche Daten von Regierungen, insbesondere von den USA veröffentlicht werden, die der Staatsgläubigkeit vieler Menschen einen schweren Dämpfer versetzten und die globale Freiheitsbewegung stärken.
    Wem das kritische Nachdenken schwer fällt, kann ja auf den SPIEGEL, die NYT oder entsprechende Medien zurückgreifen.

    Dr. Werner Ende 

    7. Dezember 2010 at 17:41

  2. Wie sagen die Staazis immer so schön? „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten!“

    Gilt doch für Regierungen genauso.

    Bleicke

    7. Dezember 2010 at 19:23

  3. Ich dachte

    Paxx: bayerm – Wikileaks – Ein Stück gelebter Anarchismus
    von Florian Grebner » Di Dez 07, 2010 4:27 pm

    Diskussionsthread zu Wikileaks – Ein Stück gelebter Anarchismus.

    Stichworte: Informationsmonopol

    http://ancaps.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=148

    aber hier ist nichts vermerkt… bissel mehr konsetzenz bitte!

    untertan

    7. Dezember 2010 at 20:45

  4. […] This post was mentioned on Twitter by korbinian polk, opponent.de. opponent.de said: Wikileaks – ein Stück gelebter Anarchismus https://paxxreloaded.wordpress.com/2010/12/07/wikileaks-–-ein-stuck-gelebter-anarchismus/ […]

  5. wieder mal wird von staatsfixierten begriffe, von denen sie nichts wissen, durcheinander geworfen. assange gehört bestenfalls zu den klassischen libertären wie sie sich in den usa als „anarchokapitalisten“ gebärden. sein hauptaufgabe ist die der aufklärung, nicht der veränderung oder gar eines systemwechsels. wobei vieles der wikileaks handlungen – u.a. das wissen der menschheit allen menschen zurückzugeben – durchaus auch mit anarchistischen handlungen kompatibel ist — geht dies doch auch schon in richtung anticopyright usw.

    mayrajoffe

    11. Dezember 2010 at 12:24


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