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South Park als Sozialisationsinstanz für Kinder und Jugendliche

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von Unbekannt
Die animierte Fernsehserie „South Park“ ist ein sehr junges Phänomen der amerikanischen
Fernsehlandschaft. Als sie Ende der 1990 Jahre zum ersten Mal ausgestrahlt
wurde, entflammte aufs Neue ein Diskurs, der sich damit beschäftigte, was Fernsehkunst
darf oder nicht darf und in wie weit die gezeigten Inhalte sich negativ auf das Heranwachsen
von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Provokante und progressive Kinofilme
waren zwar auch seit eh und je umstritten, doch war der avantgardistische Charakter
einer Fernsehserie, welche wöchentlich ausgestrahlt wurde ein so bisher noch nie da gewesenes
Erzeugnis der TV-Landschaft, mit dem es sich nun galt auseinanderzusetzen. Im
Gegensatz zu Stanley Kubrick‘s „A Clockwork Orange“ beispielsweise, handelte es sich
hier nicht um ein einmaliges Werk eines Filmemachers, dessen explosiver Charakter vom
Regisseur selbst noch vor den Erstaustrahlungen in Frage gestellt wurde, sondern um
einen kulturellen Keulenschlag, der von den beiden Machern Trey Parker und Matt Stone
unvermittelt in der Magengrube der amerikanischen Kulturindustrie landete. Beide waren
so überzeugt von der Richtigkeit ihres Konzeptes, dass sie weitgehend versuchten sich
aus den nun folgenden Diskussionen weitgehend herauszuhalten und wahrscheinlich nur
so eine Etablierung der Serie bewerkstelligen konnten, die nun schon seit 12 Jahren regelmäßig
die Tabugrenzen der gesellschaftlichen Konventionen auslotet und in folgedessen
regelmäßig in der Kritik steht.
Die Vorwürfe sind einfach: Der böse, surreale und dunkle Humor der Serie, gepaart mit
regelmäßigen Angriffen auf vor allem in der amerikanischen Gesellschaft meist totgeschwiegene
Themen wie Rassismus, Homosexualität oder Spiritualität erzeugt starken
Gegenwind von der besorgten Mutter bis zum Universitätsprofessor. Zu unkonstruktiv und
verquer sei die Kritik, sagen die einen, geschmacklos und ekelhaft die anderen. Dem
Gegenüber steht eine weltweite glühende Fanlandschaft und zahlreiche Auszeichnungen,
die sogar zu einem Emmy, dem wohl weltweit wichtigsten Fernsehpreis führten. Dabei ist
eine klare moralische Aussage unschwer erkennbar. Pessimismus und Nihilismus halten
sich weitgehend in Grenzen, stattdessen wird auf eine dem Menschen ureigene Moral
gepocht, welche nach der Zerschlagung von Doppelmoral und falscher Konvention über
die Gesellschaftskritik hinausgeht und klare, einleuchtende Lösungsvorschläge gibt.
Da beide Regisseure regelmäßig darauf hinweisen, dass es sich bei ihrem Werk nicht um
eine Serie für Kinder handelt, sondern reflektierende Köpfe jeden Alters ansprechen soll,
die allerdings mindestens das junge Erwachsenenalter erreicht haben sollten, wird sehr
schnell deutlich, dass es hier um mehr als um stupide Provokation gehen soll. Man könnte

sagen, dass der teilweise benutzte pubertäre Humor Sinn und Zweck hat und nicht um
seiner selbst Willen benutzt wird.
Und doch spielen Parker und Stone mit der Verwirrung. Eine Serie, in der stereotypische
und prototypische Kinder in einer Jedermanns-Kleinstadt aufwachsen, soll keine Serie für
Kinder sein? Durchaus! Denn die als weitgehend unbefleckt dargestellten Kinder zeigen
regelmäßig auf, welche Auswirkungen die Absurditäten des Erwachsenenalltags auf heranwachsende
Individuen hat. Man könnte sogar sagen, dass hier der manipulative
Charakter der Gesellschaft und der Medienwelt mit seinen eigenen Waffen, seiner eigenen
Sprache und seinen eigenen Werkzeugen geschlagen wird, denen man sich ungeniert bedient.
Die symbolische dunkle Seite Amerikas, welche sich im rassistischen, verwöhnten,
dicken Einzelkind Eric Cartman manifestiert, stellt aber auch dar, dass diese Eigenschaften
zwar grausame Folgen haben, etwa, wenn dieser hinter jeder auftauchenden
Krise regelmäßig eine jüdische Weltverschwörung sieht und sofort eine Wiedereinführung
der Judenverfolgung anstrebt, allerdings geschieht alles mit einer verstörenden kindlichen
Unschuld, die zeigt, dass das Individuum hier viel mehr ein Konstrukt darstellt, einen Projektionsrahmen
gesellschaftlicher Einflüsse. Das Abgestoßensein, die verstörende
Anwiederung, welche man bei solch drastischen Darstellungen verspürt und die sogar
regelmäßige South Park-Zuschauer teilweise mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen
lässt, macht deutlich, dass hier Progressivität angestrebt wird – Ein „Immer Weiter!“, das
regelmäßig neu erfunden werden muss und die Serie seit nun mehr 12 Jahren nicht stagnieren
lässt.

 

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Written by floriangrebner

31. Dezember 2010 um 15:21

Veröffentlicht in Uncategorized

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