Paxx Reloaded

Wieder da: Sex-, Drugs-, Peace- and Rock'n'Roll Libertarians

Selbsterkenntnisse: Wie stark hat DICH der Staat im Griff?

with 6 comments

von Norbert Lennartz

Der Staat hat auf die Menschen sowie auf die Liberalen und
Radikal-Liberalen größere Auswirkung als sie das selbst wahrnehmen oder
sich das selbst eingestehen, denn die Existenz von Staat führt nicht nur
dazu, dass ein öffentlicher Umverteilungskampf über Ressourcen
stattfindet; es gibt auch einen Kampf um herrschende Meinungen, die
diesen Verteilungskampf beeinflussen könnten und auch einen darum, was
nach einem Zusammenbruch des staatlichen Verteilungssystems geschehen
sollte.

Auch der Gold- und Silberpreis ist meines Erachtens ein starkes
Beispiel für diesen staatlichen Einfluss auf Menschen.

Der Anstieg des Gold- und Silberpreises ist zunächst durch nichts
anderes inspiriert, als durch den Wunsch auf den Zusammenbruch
staatlicher Geldsysteme zu wetten, um sich vorweg Bezugsrechte an Gütern
in einem „System danach“ zu sichern.

Viele haben natürlich diesen Prozess kommen sehen, Wertsteigerungen
des Metalls prophezeien können und inzwischen sind viele auf diesen Zug
aufgesprungen, aber ohne zu wissen wohin diese Reise eigentlich gehen
soll, denn eine neue staatliche Gold- oder Silberwährung wird es
sicherlich nicht geben. Für Staaten wäre sie schlichtweg zu aufwendig
und sie würde ihnen auch politisch nichts einbringen. Das Metall würde
zur Deckung einer Währung eh nur in Tresoren herumliegen und vom Markt
verschwinden. Es wäre kein handelbares Gut mehr und stünde im besten
Fall nur für die künftige Auflösung einer neuen Währung bereit, die man
aber keinesfalls dazu bestimmen würde, sich selbst wieder abzuschaffen.
Der Sinn des Geldes besteht aber gerade in seiner Auflösbarkeit!
Es ist die Sache der Handelnden, wann und wie sie ihre Wechsel
abwickeln. Wer sein Gold in Händen haben will, der braucht keine
Bezugsscheine daran, und wer sich Geld geliehen hat, der muss es später
wieder zurückzahlen und löst mit der Rückzahlung Zweck und Wert der
Scheine wieder auf.

Wer das Geld als eine tauschbare Ware versteht, der kommt
normalerweise nicht auf die Idee seine Tauschware für viele Jahrzehnte
in Tresore zu verstecken, denn eine Ware besitzt ihren wirtschaftlichen
Wert schließlich immer nur dadurch, dass sie im Wirtschaftsprozessen
verbraucht wird und nicht als Lagerstätte für Waren, die einfach ewig
dem Konsum entzogen werden. Der Unternehmer nennt das „totes Kapital“.
Das wäre so absurd, als würde jemand riesige Mengen Pflastersteine im
Garten vergraben, um sich darauf als Sicherheit bei einer Bank einen
Kredit geben zu lassen. Warum verkauft er dann die Pflastersteine nicht
gleich an ein Bau-Unternehmen und kauft dafür vielleicht Aktien aus dem
selben Unternehmen, wenn dieses in der Lage ist, den Wert der Steine zu
erhalten und zu steigern?

Die Idee vom Gold als Geldanlage und Rücklage für schlechte Zeiten
hat offensichtlich ganz andere Ursachen als den des eigentlichen
Tauschzweckes. Gold und Silber besitzen ihren Marktwert nur dadurch,
dass Menschen es wie Antiquitäten sammeln, dem Wirtschaftskreislauf
entziehen und es so künstlich verknappen. Aber sobald sich diese Mode
-denn es ist nur eine Mode- vom monetären Traum auflöst, der das
„Edel“metall umhüllt, und es wieder spekulationsfrei in den
Wirtschaftskreislauf fließen würde, so schnell würde sich auch sein Wert
dem eigentlichen wirtschaftlichen Wert nähern müssen. Die Blase um das
Edelmetall könnte also eines Tages sehr plötzlich platzen, d.h. der
gegenwärtige Goldpreis hat sehr viel mehr mit Panik und Spekulation zu
tun, als mit direktem wirtschaftlichen Interesse an dem Metall an
sich.

Ich will damit keine Geld-Diskussion anfangen. sondern nur darauf
hinaus, dass die Existenz von Staat und sein Einfluss auf das Geld
Menschen in solche Handlungen treibt, auf die sie sonst niemals kommen
würden.

Ähnlich ist es auch mit anderen Handlungen, die sich auf herrschende
Meinungen beziehen, die der Staat verursacht hat und um die sich niemand
scheren würde, wenn es keinen Staat gäbe.

Wir würden uns nicht nur nicht darum scheren müssen, ob Gold
oder etwas anderes als Gelddeckung wichtig wäre; wir würden uns z.B.
nicht darum scheren, was kritische Wirtschaftswissenschaft gegen
die Wirtschaftspolitik zu sagen hat; wir würden uns nicht darum
scheren, wie man den Staat zähmt oder los wird; sprich: es gäbe noch
nicht mal „Libertäre“ oder „Anarchokapitalisten“, die sich über den
Staat aufregten. Alle würden sich nur ihrem Alltag widmen.

Nun ist es aber leider nicht so und es gibt alle diese Dinge,
die ich aufgezählt habe, und es gibt Meinungsführer wie beispielsweise
große Think Tanks, die auf bestimme Themen großen Einfluss haben können.
Dazu zählt historisch z.B. die Mont Pelerin Society, die maßgeblich das
Oxymoron der „Sozialen“ Marktwirtschaft in Deutschland mit hervorgerufen
hat. Zu den „oberschlauen“ Denkfabriken zählt heute aber auch das Mises
Institute als potentieller Meinungsmacher und entsprechende andere
Medien. In diesen Denkfabriken und Medien setzt sich das Gerangel um die
Meinungsführerschaft ebenfalls mehr oder weniger fort. Auch dort gibt es
„Führer“, denen es mehr auf ihre Führerschaft, ihre Anerkennung
und ihre Posten als solche ankommt, als auf die Sachlichkeit und
Unabhängigkeit der Inhalte, die sie vertreten. Aufgrund der Differenzen
untereinander gibt es sogar solche Libertäre, die nur aus egomanischen
Prinzipien heraus agieren, die ohne Staat so niemals bedient würden. So
wie es an jeder Straßenecke einen mit gesundem Halbwissen gibt, der
„genau weiß“, welche radikalen oder weniger radikalen Reformen geeignet
sind oder nicht geeignet sind, so bilden sich auch viele Libertäre ein,
genau zu wissen wie man den Libertarismus verwirklicht oder nicht
verwirklicht.

All das verleitet mich letztendlich zu dem rhetorischen Gedanken, ob
man überhaupt und wie man beabsichtigt, den Staat zu überwinden, oder ob
man sich unter dem Libertarismus soziologisch nichts weiter vorzustellen
hat, als eine beiläufige Mopper-Kultur, die nicht mehr Daseinszwecke
erfüllt wie jede andere Mopper-Gruppe und der Staat selbst.

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Written by dominikhennig

4. März 2011 um 02:15

6 Antworten

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  1. Gold- und Silber sind aktuell für die meisten Markteilnehmer sicher reine Spekulationsobjekte. Ganz anders verhält es sich mit Banduleit, Gburek, Boehringer und anderen kritischen Autoren, die auf Goldseiten publizieren. Sie vertreten zumindest im Kern die Österreichische Lehre, d.h. sie betrachten Gold/Silber nicht nur als Ware/Tauschmittel sondern auch als Werterhaltungsmittel. Gold/Silber wird nie „auf seinen intrinsischen Wert“ (Voltaire) = Null zurückkehren. Als echter Notgroschen und Altersabsicherung ist und bleibt Gold/Silber unschlagbar. Zum Thema Gold=Geld: Man schaue sich die Golfstaaten und Malaysia und ev. noch den Mexikanischen Silberpeso an. Es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass nach dem Zusammenbruch des jetzigen Weltwirtschaftssystems in einigen Regionen die genannten Edelmetalle im Warentausch wieder eine gewichtige Rolle spielen werden.
    Mit freundlichem Gruß
    Dr. Werner L. Ende   4. März 2011 – 8:37 Uhr
    werner.ende@stay-free.org 
    http://stay-free.org

    wlestayfree

    4. März 2011 at 08:39

    • Hallo Herr Ende,
      sicher dient Gold/Silber auch als Werterhaltungsmittel. Aber Gold/Silber als echten Notgroschen und Altersabsicherung unschlagbar bleibend zu bezeichnen, ist nur verständlich, wenn man bereit ist, Preisabschläge von 50 oder 80% in Kauf zu nehmen. Wenn man dann trotzdem genug davon hat, spielen Verluste bei der Realisierung keine Rolle. Als „Werterhaltungsmittel“ muss ich aber nicht auf Gold/Silber zurückgreifen, sondern dafür kann ich auch Pflastersteine nehmen, oder Kupferschrott oder etwas anderes, was sich später höchstwahrscheinlich wieder leicht verkaufen lässt.
      Eine einzelne Goldmünze lässt sich noch nicht mal leicht wieder verkaufen. Dann hat man die Händler am Hals, die daran verdienen wollen.
      Irgendwie wird hier der Sinn eines Werterhaltungsmittels verdreht. Den Wert (und damit den Erhalt) bestimmt der Markt als Wirtschafts- und Handelsgut. Zu behaupten Gold/Silber „bleibt unschlagbar“ setzt auch voraus, dass Gold/Silber als Werterhaltungsmittel immer „unschlagbar“ war. Aber das ist schlicht falsch. Die Ägypter z.B. haben kaum mit Gold gehandelt, obwohl sie schon Goldstücke portioniert hatten.
      Die Idee Gold/Silber dann als Münz-Währung einzuführen war im wesentlichen eine königliche Maßnahme zu einer Zeit, in der Gold/Silber immer noch knapp genug war, also als Verarbeitungsgegenstand (Schmuck, Legierung) begehrt war.

      Staatliche Raubzüge, bei denen Münzen und Kunstgegenstände aus Edelmetall die Besitzer wechselten, ermöglichten anderen Herrschern die Idee der Metallwährung auszuweiten (vermutlich zuerst bei den Persern). Das Prägen und der Umlauf von Münzen (später das Einlagern in Tresoren der Zentralbanken) hat dann den unbestreitbaren Effekt, dass sie das Metall weiter verknappen und als Verarbeitungsgut für Schmuck und Industrie (den ursprünglichen Verwertern) verteuern und aus dem Verkehr nehmen. Nur so lässt sich der moderne Goldpreis erklären, was ja bekanntlich auch zu einigen Exzessen im Goldabbau (und anderen Blasen wie z.B. dem Handel von Tulpenzwiebeln) geführt hat, was sicher nicht nötig gewesen wäre, hätte man die Vernunft und nicht irgendwelche durchgeknallten Herrscher walten lassen. Aber so ist es nun mal passiert, und die Ursache ist sicherlich nicht der ungehemmte Markt, sondern gerade der interventionistische Einfluss vergangener Jahrhunderte.

      Wie schön das funktioniert. kann man auch an der somalischen Währung nach dem Zusammenbruch des Siad Barre-Regimes demonstrieren. Danach hat man nämlich mit dem ehemals staatlichen Papiergeld einfach noch jahrelang weiter gehandelt. Das war möglich, weil kein neues Geld mehr gedruckt werden konnte und das alte Geld knapp blieb und somit wahrscheinlich aus Gewohnheit seinen Zweck weiter erfüllt hat. (Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht. Spielt hier auch keine Rolle. Das demonstriert nur den Glauben ans „falsche“ Geld. Und ich wüsste nicht, warum das bei Gold/Silber anders sein sollte. Nur ist eines klar: nämlich, dass der Glaube letzten Endes genauso vergänglich ist, wie die Ursachen, wenn sich diese einmal auflösen.)

      nl

      4. März 2011 at 14:32

  2. Halte ich für einen wichtigen Anstoß. Abseits vom Geld, der soziologische Aspekt: Viele der selbsternannten „Anarchisten“ brauchen den Staat ebenso wie die Prediger der sozialen Gerechtigkeit die ewige Ungerechtigkeit benötigen und der Pfaffe die ewige Sünde braucht.

    Dies isoliert zu sehen ist jedoch etwas zu kurz gegriffen: Schließlich ist diese „Mopper-Kultur“ ja durchaus auch Mittel zum Zweck der Werbung und Überzeugung. Natürlich ließe sich auch daran wieder aussetzen, dass dies ja zeigt wie sehr wir noch kollektiv und wie wenig individualistisch denken, wie sehr wir im Staats- und Mehrheitsmuster verfangen sind.

    Was ist die Alternative? Stirnerianischer Egoismus, der Versuch, abseits von „Idealen“ das größtmögliche für sich herauszuholen? Epikureismus statt Empörung, ruhig sein Leben führen und den Staat zumindest aus seinem eigenen Leben heraus-ignorieren? Leben als Anarch statt Anarchist?

    Eine Mischung all dessen als Lösung? Im Staatus Quo ganz epikureisch die Ataraxie wahren, sich treu bleiben und versuchen, ganz stirnerianisch, sich so gut wie möglich seine individuellen – nicht politischen – Freiheiten zu erkämpfen. In dieser Individualität Menschen mitziehen und kurzfristig ein gutes Leben führen, sich langfristig mit diesen Leuten erst innerlich und dann physisch völlig von der Politik entfernen und sowohl die Staazis als auch deren lange Schatten, die ewig moppernden Staazi-Schreier, die sich gerade in ihrem Schreien nicht vom Staat lösen können, zurücklassen?

    Irgendwie derart gestaltet sich meine jetzige Gedankenwelt hierzu.

    Was stellst du dem von dir im Artikel kritisierten Bild entgegen, NL?

    Grüße, Niklas

    Niklas Fröhlich

    5. März 2011 at 01:53

    • Hallo Niklas, ich glaube, Dominik hat bereits darauf reagiert:
      https://paxxreloaded.wordpress.com/2011/03/05/ludwig-von-mises-zum-sezessionsrecht/

      Meine klare Meinung: Ohne Sezession ist alles nichts. Das muss in die Köpfe rein. Das setze ich dagegen.

      nl

      5. März 2011 at 18:09

      • Sezession als mittelfristiges Ziel ist klar, da bin ich ganz bei dir – doch braucht diese sicher eine gewisse Vorarbeit. Kann eben die Arbeit des mises-institutes oder eben das typische Moppern da nicht auch ein Weg zur erfolgreichen Sezession sein?

        Natürlich stimme ich dir zu: Nicht von Freiheit reden und träumen, sondern sich tatsächlich loslösen und frei machen – Sezession eben. Aber das verfehlt sein Ziel doch völlig, wenn es damit endet, dass wir als gefährliche Spinne betrachtet und für Jahre ins Gefängnis wandern.
        Meinst du nicht, dass vieles Moppern, vom ebenso gewiss vorhandenen Unfug und Selbstdarstellung abgesehen, da Staatsmisstrauen hervorrufen kann?
        Dies kann uns sowohl weitere Cosezessionisten einbringen, oder auch genügend Widerstand gegen eine Sezessions-Niederschlagung in der allgemeinen Stimmung hervorrufen. Ich kann es nicht oft genug betonen: Wir können nicht, müssen nicht, und wollen nicht die Mehrheit überzeugen. Aber irgendwie muss es uns doch gelingen, dass diese Mehrheit und der von ihr gestützte Staat uns, die junge Sezession, nicht zerschlägt. Dies lässt sich nur durch zu großen öffentlichen Unmut darüber oder eine zu große Zahl von Sezessionisten erreichen – beides muss aber irgendwie erreicht werden, auch dies muss als Teil unserer Strategie betrachtet werden.

        Niklas Fröhlich

        5. März 2011 at 20:54

      • „Kann eben die Arbeit des mises-institutes oder eben das typische Moppern da nicht auch ein Weg zur erfolgreichen Sezession sein?“

        Kann schon. Es kann zugleich aber auch das Moppern, Angeben, Selbstbeweihräuchern, Lehren, Recht haben behindert werden, wenn es zum Selbstzweck wird. Da sehe ich einen ziemlich hohen Anteil. Ein negativer Einfluss besteht z.B. darin Angst zu schüren, als wenn diese Proleten genau wüssten, worum es ginge.

        nl

        6. März 2011 at 12:39


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