Paxx Reloaded

Wieder da: Sex-, Drugs-, Peace- and Rock'n'Roll Libertarians

Nuklearenergie gibt’s nur auf Staatsbefehl

with 14 comments

„Ich habe nie verstanden, warum Libertäre in Punkto Nuklearenergie das Sprachrohr der Etatisten meinen werden zu sollen, nur weil konkurrierende Etatisten gegen Nuklearenergie sind (dann aber für alternative Katastrophen). Nuklearenergie gibts nur auf Staatsbefehl. Ursache: Militärisch-industrieller Komplex. Grundlagen: Staatliche Forschung. Aufbau und Durchführung: Staatsknete, Staatsknete und nochmals Staatsknete. Staats“recht“: Schutz vor Regressansprüchen. Nirgendwo Markt. Das Unglück von Fukushima ist typisch für etatistische gigantomanische Technologie, ähnlich wie die Opfer stalinistischer und maoistischer Industrialisierung.“ — Stefan Blankertz

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Written by dominikhennig

17. März 2011 um 00:32

14 Antworten

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  1. Interessant was Anthony Gregory zum Thema schreibt:

    http://www.independent.org/blog/index.php?p=9740#more-9740

    Notgekühlter

    17. März 2011 at 00:54

  2. Es ist doch erfreulich zu sehen, dass zumindest die Paxxies nicht wie andere Libertäre unter verkürzter – neoliberal-korporatistischer – Resthirnlaufzeit leiden!

    Übel, was die GutäXler wieder vom Stapel gelassen haben, Michael Kastner spießt es gerade auf:

    http://www.der-markt.com/fukushima-soll-luftkurort-werden

    Bernd-Joachim Seltge

    17. März 2011 at 01:14

    • … so übel, dass ein Kommentator folgendermassen ‚vertieft‘:

      „Ganz zu schweigen von Leuten wie der Achse der Blöden, die ihre ideologische Verblendung auch noch zum Skeptizismus erklären. Als Skeptiker (na ja, kritischer Rationalist) könnte ich mich den ganzen Tag beschäftigen, die stirnförmige Kuhle in meiner Tischplatte zu vertiefen“

      http://philoblog.de/2011/03/16/wir-sind-experten-genug/#comments

      gruebler

      17. März 2011 at 14:58

  3. Endlich! Mal ein klares Nein von einem bekannten Libertären.

    Man kommt immer wieder ins Staunen, wenn man sieht wie bei Leuten die sonst die Ratio hochleben lassen, der Verstand aussetzt.

    wlestayfree

    17. März 2011 at 02:05

  4. Habe aus diversen Gründen immer gegen AKW geschrieben:
    Kann ich sogar „beweisen“ 😉
    http://fdominicus.blogspot.com/2008/07/eine-andere-kleine-rechnung.html

    http://fdominicus.blogspot.com/2008/09/billiger-atomstrom-zum-zweiten.html

    Erst mal wurde massive Geld „versenkt“ um die Dinger an’s Laufen zu bekommen. Gedanken an eine Lagerung über zig-tausende von Jahren „peanuts“

    Dazu habe ich mal nachgerechnet was ein Euro in 2000 Jahren bei nur 3% „brächte“
    http://blog.jan-filter.de/2011/03/14/regierung-atomkraft-jetzt-moeglicherweise-doch-riskant/

    Kommentar 8.

    Und auch über das „tolle“ Geschäfts Herrn Mappus habe ich mir Gedanken gemacht:
    http://fdominicus.blogspot.com/2011/02/dicht-genial.html

    Friedrich

    17. März 2011 at 07:59

  5. Es ist tatsächlich befremdlich, wie positiv manche „Libertäre“ zur Atomenergie stehen.

    Auch das Mises Institute hat sich in einem Artikel von 2009 dazu hinreißen lassen, die Kernenergie ökonomisch schön zu färben:

    Uranium is abundant, clean, and safe — in technological societies.

    The catastrophe at Chernobyl — which, once again, sent greens groups worldwide scurrying to their soapboxes — only happened because that state-run reactor was astonishingly unsafe: in the words of Peter Huber, „You couldn’t have operated a toaster oven out of it.“
    Few scientists disagree that the discovery of energy at the nucleus of the atom is the greatest scientific feat of the 20th century. All this talk about how we need to „discover a new form of energy“ therefore misses the point: we’ve already done so.
    It’s called nuclear energy. And it’s amazing.
    (Wind or Nuclear? — Mises Daily July 08, 2009 by Ray Harvey. http://mises.org/daily/3536)

    nl

    17. März 2011 at 12:40

  6. Stefan Blankertz spitzt zu und das hilft der Erkenntnis. Aber was würde MARKT hier bedeuten? Dass die Risiken unsichtbar bleiben wie nukleare Wolken – vorausgesetzt, der Werbeetat gibt es her, sie als nicht existent zu verkaufen?

    Das wäre jedenfalls meine Befürchtung, der ich bekanntlich noch immer nicht über ein libertäres Wunschmenschenbild verfüge 😉 …

    gruebler

    17. März 2011 at 15:08

      • Danke @ nl, aber da komm ich nicht ran, bin weder Mitglied noch Datenschleuder – aber was anderes, du schreibst: „Es ist tatsächlich befremdlich, wie positiv manche „Libertäre“ zur Atomenergie stehen.“ Ich bin auch überrascht, zumal dieses gute, alte ‚Nein, danke!‘ so gut begründbar ist, so z.B.:

        „Wem es an Phantasie fehlt, um die Auswirkungen der Kernenergie für die belebte Natur realistisch einzuschätzen, hat in der Geschichte der Störfälle dieser Technologie bedrückendes Anschauungsmaterial. An der Gefährlichkeit der manipulierten Materie ist technologisch prinzipiell nichts zu ändern. Der Einsatz dieser Technik ist naiv und gefährlich. Da er nicht im lokal umgrenzten Sandkasten stattfindet, ist die illusionäre Seriösität, die uns die Kommissionen der Technokraten vermitteln sollen, unverzeihlich.“ (via philoblog)

        @ DDH: Das zu lesen Befehligte ist interessant, überzeugt mich aber nicht wirklich: Zu viele „Wir wissen nicht …“ und das scheint dieser Energieform und dem Umgang mit ihr in jeder Beziehung anzuhaften. Wenn wir ’nicht wissen‘, kann auch der Markt sie nicht händeln und so gibt es für mich nur eines: AUSSTIEG, logischerweise. Klar, dass er nicht sofort geht, leider …

        gruebler

        17. März 2011 at 17:25

      • Wusste nicht, dass man in Facebook eingeloggt sein muss. Okay. Kopier ichs halt. Habe aber an Facebook jetzt gefallen gefunden.

        nl

        17. März 2011 at 17:57

  7. (Energie-)Sicherheit als öffentliches „Rechts“gut –Almende für die Überwälzung von Risiken–

    Ein Wissenschaftler, der Atomenergie befürwortet meint:

    1. dass Atomenergie „akzeptabel sicher“ im Vergleich zu anderen Sachen sei:

    When I started my investigations into the safety of nuclear energy in 1971, I had no preconceived notions and no „axes to grind.“ I was just trying to understand in my own way what the fuss was all about. Rather early in these efforts, I started to develop these risk comparisons. They convinced me that nuclear power is acceptably safe with lots of room to spare. If I am a nuclear advocate, it is because developing these comparisons has made me so.

    (Quelle http://www.phyast.pitt.edu/~blc/book/chapter8.html)

    2. dass obiges quasi kein wissenschaftliches Argument sei. (Meine Logik! Im Original liest sich natürlich neutral)

    What risks are acceptable is not a scientific question, and I as a scientist therefore cannot claim expertise on it. I have merely represented the risks as they are, I hope in understandable terms. If any citizen feels that the benefits of electricity produced by nuclear power plants are not worth the risk to the average citizen of a regular smoker smoking one extra cigarette every several years, or of an overweight person adding a fraction of an ounce to his weight, or of raising the national speed limit from 55 to something like 55.1 miles per hour, he is entitled to that opinion. However, he is obligated to suggest a substitute for the nuclear electricity.

    Darin ein Satz um den polemischen Teil verkürzt: „If any citizen feels that the benefits of electricity produced by nuclear power plants are not worth the risk, … he is entitled to that opinion.“

    Wenn man also seiner Meinung nach dazu berechtigt ist, das Risiko abzulehnen, dann muss er es auch gewähren. Wenn ich Atomenergie nicht kaufen will, dann darf er mich auch nicht fragen, wie er sein persönliches Energieproblem löst. Er macht daraus aber ein öffentliches Problem. –> Die Bereitstellung von Energie als ein öffentlich-rechtliches Gut, bei dem private Risikobereitschaft auf eine (unsichtbare) öffentliche Almende getragen und externalisiert wird. Das ist nur der volkswirtschaftliche Aspekt. Das ethische normative Argument ist, dass es abgelehnt werden können muss, die Risiken anderer aus ihrem Handeln mitzutragen. Ohne einen Staat, der Rechtstitel auf AKWs vergibt, hätten Betreiber die Kosten für die rechtliche Etablierung ihres Handelns selber zu tragen.

    Unser Wissenschaftler weiß auch, dass solche Risiken akzeptiert werden müssen. Nur dreht er den Spieß einfach um, und tut so, als würden nicht die Atombefürworter sondern gerade die anderen Leute bei der Energieversorgung unvernüftigerweise hohe Risiken eingehen und daraus eine unfaire öffentliche Sache machen:

    Risks are best understood when compared to other risks with which we are familiar. But we have not discussed the question of whether they are acceptable. Acceptability includes other factors than the magnitude of risks. People are more willing to accept voluntary risks like skiing, auto racing, and mountain climbing than involuntary risks like pollution. Opponents are quick to point out that nuclear power presents an involuntary risk to the public.

    Bezüglich des öffentlichen Sektors muss das auch stimmen. Es ist eine sehr geschickte Rhetorik. Was daran aber vollkommen falsch ist, ist gerade der öffentliche Sektor. Eine freie Gesellschaft bietet für die Überwälzung von Risiken gerade keine Almende dafür an — für keine der beiden Seiten.

    nl

    17. März 2011 at 18:00

  8. Kernenergie in einer freien Gesellschaft? — Unwahrscheinlich!

    Wie könnten sich AKW-Betreiber in einer freien Gesellschaft durchsetzen?

    Ein potentieller AKW-Betreiber würde für die Bevölkerung eine Bedrohung darstellen, wenn er nicht nachweisen kann, dass seine Handlungen gegen eine atomare Verseuchung absolut sicher sind. Dieser Beweis ist nicht zu führen.

    Nun gibt es Strategen, die meinen, dass es sowieso keine absolute Sicherheit gäbe, d.h. uns könne auch ein Toaster umbringen. Doch dieses Argument ist so schwach wie irrelevant, weil es unsere eigene Entscheidung ist, einen Toaster zu verwenden. Ein Toaster zu verwenden, bedeutet für den Handelnden wie auch immer ein diesbezügliches Lebensrisiko in Kauf zu nehmen. Es ist seine eigene Entscheidung. Bei der Bedrohung durch ein AKW ist das aber nicht der Fall. Hier werden uns Kosten auferlegt, für die wir uns nicht entschieden haben.

    Wie ist es aber bei einem Flugzeug, dass uns ungefragt auf den Kopf stürzen könnte? Bin ich jetzt völlig technologiefeindlich? Auch einem Flugzeugbetreiber würde oder könnte ich selbstverständlich verbieten wollen, ungebeten meinen Körper und mein Eigentum zu bedrohen. Dies gilt grundsätzlich für jede Handlung anderer Menschen. Warum sollte mich das einfach unberührt lassen? Faktisch ist es für mich eine Aggression, wenn andere ihre verursachten Risiken auf mich ausweiten und damit Kosten abwälzen und u.U. über Leichen gehen.

    Im Falle der AKWs sind Betreiber noch nicht mal in der Lage sich gegen die möglichen Sachschäden ausreichend zu versichern, da die potentielle Schadenshöhe jegliche Leistungsbereitschaft einer Versicherungswirtschaft übersteigen muss, und dabei reden wir nur von Sachschäden. Personenschäden kann man einfach nicht wieder gut machen, wenn mit den Personen keine Entschädigungsleistung vereinbart wurde. Dies ist ein ultimatives ethisch-normatives Argument.

    Nun mögen unsere Atomfans weiter behaupten, dass unsere Argumente letztlich praktisch vor einer Atomindustrie und entsprechenden Energie-Nachfragern Bestand halten müsste. Das ist wohl wahr. Aber auch das ändert nicht das Geringste an der Kraft des normativen Arguments, denn ich (als potentieller Ablehner eines AKWs) könnte mich mit meinem justiziablen Argument der gesamten privatrechtlichen Justizwirtschaft bedienen. Ich behaupte dabei nicht, dass diese Justiz existierten müsste. Ich behaupte nur, dass die konfiszierbare Kapitalkraft der Beschuldigten privatrechtliche Handlungen gegen sie geradezu auf den Plan ruft, denn sie werden dafür aufkommen müssen.

    Ein AKW-Betreiber kann sich zwar auch an die private Sicherheitswirtschaft wenden, aber nur mit einem utilitaristischen Argument. Dies könnte nur durchgesetzt werden, wenn eine starke wirtschaftliche Macht dahinter steht, die auf die Kraft einer funktionieren Justiz vollständig verzichtet, denn eine Justiz, die ihren Namen verdient, funktioniert nun mal nur auf der Basis von ethischer Begründung. Eine utilitaristische Wirtschaft kann keine funktionerende Justiz dulden, und eine Wirtschaft, die über keine funktionierende Justiz verfügt, verliert ein wichtiges (vielleicht das wichtigste, um frei zu sein) wirtschaftliches Fundament. Eine solche Wirtschaft müsste zum Feind einer freien Gesellschaft werden oder könnte nur von einer seltsam ambivalenten Mentalität toleriert werden.

    Wer würde sich also am ehesten in einer freien Gesellschaft durchsetzen können?

    nl

    17. März 2011 at 18:03

    • Danke, sehr freundlich, @ nl. Viele der guten Argumenten wie „Eine freie Gesellschaft bietet für die Überwälzung von Risiken gerade keine Almende dafür an — für keine der beiden Seiten“ sind einleuchtend. Vom „genauen Gegenteil“ kann ich darin aber nichts erkennen, d. h. meine Befürchtung, die auf die Natur der Teilnehmer am moralfreien Markt zielte, ist damit nicht aufgehoben. Was mich aber beruhigt, ist die gut belegte Wahrscheinlichkeit, dass der Einsatz von Kernenergie in einer freien Gesellschaft eher unwahrscheinlich wäre; jetzt bräuchten wir nur noch die freie Gesellschaft …

      gruebler

      17. März 2011 at 20:53


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