Paxx Reloaded

Wieder da: Sex-, Drugs-, Peace- and Rock'n'Roll Libertarians

Patriotismus – Eine Bedrohung der Freiheit

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von Emma Goldmann (1911)

 

Ist es die Liebe zum Ort unserer Geburt, zum Hort von Kindheitserinnerungen und

Hoffnungen, Sehnsüchten und Träumen? Ist es die Stelle, an der wir so oft in kindlicher

Naivität den ziehenden Wolken zusahen und uns wunderten, warum es nicht auch uns

gegeben war, so rasch dahinzuschweben?

 

Ist es der Ort, an dem wir standen und die Milliarden glitzernder Sterne zählten, angstgelähmt

bei dem Gedanken, jeder einzelne „könnte ein Auge sein“, das bis in die tiefsten Tiefen

unserer kleinen Seelen vorzudringen vermöchte?

 

Ist es der Platz, an dem wir der Musik des Vogelsangs lauschten und wünschten, Schwingen

zu haben, um, genau wie sie, in ferne Länder fliegen zu können? Oder ist es der Ort, an dem

wir, auf Mutters Knien sitzend, hingerissen waren von wundervollen Geschichten über große

Taten und Siege? Kurz gesagt, ist es die Liebe zu jenem Fleckchen Erde, das in jedem

Zentimeter Boden uns liebe und teure Erinnerungen an eine glückliche und verspielte

Kindheit birgt?

 

Wenn das Patriotismus wäre, könnten nur wenige Amerikaner heute patriotisch genannt

werden, da ihr Spielplatz in eine Fabrik, eine Spinnerei oder ein Bergwerk verwandelt wurde,

während der betäubende Lärm von Maschinen den Gesang der Vögel ersetzt hat. Auch

können wir nicht länger den Geschichten großer Taten lauschen, da unsere Mütter uns heute

nur Geschichten der Tränen, der Trauer und des Schmerzes zu erzählen wissen. Was ist dann

aber Patriotismus? „Patriotismus, mein Herr, ist die letzte Zuflucht der Schufte“, sagte Dr.

Johnson.

 

Leo Tolstoi, der größte Gegner des Patriotismus unserer Zeit, definiert ihn als das Prinzip, das

die Ausbildung für den Mord auf breiter Basis zu rechtfertigen erlaubt; ein Handwerk, das

bessere Ausrüstung zum Mord erfordert als zur Herstellung der Lebensnotwendigkeiten wie

Schuhe, Bekleidung und Häuser; ein Handwerk, das bessere Entlohnung und größeren Ruhm

garantiert als den, den der gewöhnliche Arbeiter erhält.

 

Gustav Hervé, ein weiterer großer Gegner des Patriotismus, nennt ihn zurecht einen

Aberglauben – einen, der schädlicher, brutaler und inhumaner ist als die Religion. Der

religiöse Aberglaube hatte seinen Ursprung in der Unfähigkeit des Menschen, die Phänomene

der Natur zu erklären. D.h., als der Primitive den Donnerschlag hörte oder den Blitz sah,

konnte er sich weder den einen noch den anderen erklären und schloß daher, daß hinter ihnen

eine Macht stehen müsse, die größer war als er selbst. Ähnlich vermutete er im Regen und in

den anderen Naturvorgängen eine übernatürliche Macht. Patriotismus hingegen ist ein

künstlich geschaffener Aberglaube, der durch ein Netzwerk der Lügen und Falschheiten am

Leben erhalten wird; ein Aberglaube, der den Menschen seiner Selbstachtung und Würde

beraubt und seine Arroganz und Überheblichkeit fördert. In der Tat sind Ubernatürlichkeit,

Arroganz und Egoismus die wesentlichsten Zutaten des Patriotismus. Lassen Sie mich das

illustrieren.

 

Der Patriotismus nimmt an, daß die Erde aufgeteilt ist in lauter kleine Fleckchen, von denen

jedes umgeben ist von einem eisernen Gitter. Jene, die das Glück hatten, auf einem

bestimmten Fleckchen geboren zu werden, erachten sich als besser, edler, großartiger und

intelligenter als all jene Lebewesen, die andere Fleckchen bewohnen. Es ist daher die Pflicht

jedes einzelnen, der ein solch auserwähltes Fleckchen bewohnt, zu kämpfen, zu töten und zu

sterben bei dem Versuch, allen anderen seine Überlegenheit aufzuzwingen.

Die Bewohner der anderen Fleckchen argumentieren natürlich in der gleichen Weise, mit dem

Ergebnis, daß das Bewußtsein der Menschen von frühester Kindheit an durch blutrünstige

Geschichten über die Deutschen, die Franzosen, die Italiener, die Russen usw. vergiftet wird.

Wenn das Kind zum Manne herangereift ist, ist er gründlich durchtränkt von dem Glauben,

daß Gott selbst ihn auserwählt habe, sein Vaterland gegen Angriff und Invasion aller daran

interessierten Ausländer zu verteidigen. Nur aus diesem Grunde verlangen wir so stürmisch

nach einer größeren Armee und Marine, nach mehr Kriegsschiffen und Waffen. Nur aus

diesem Grunde hat Amerika innerhalb einer kurzen Zeit 400 Millionen Dollar ausgegeben.

Denken Sie einen Augenblick darüber nach – 400 Millionen Dollar, die dem Besitz des

Volkes genommen wurden. Denn die Reichen leisten sicher keinen Beitrag zum Patriotismus.

Sie sind Kosmopoliten, die sich in jedem Lande zu Hause fühlen. Wir in Amerika kennen

diese Wahrheit nur zu gut. Sind unsere reichen Amerikaner nicht in Frankreich Franzosen, in

Deutschland Deutsche und in England Engländer? Und verschwenden sie nicht mit

kosmopolitischer Grandezza Münzen, die von amerikanischen Kindern der Fabriken und

Sklaven der Baumwollproduktion geprägt wurden? Ja, zu ihnen paßt ein Patriotismus, der

ihnen gestattet, Beileidsschreiben an einen Tyrannen wie den russischen Zaren zu schicken,

sobald ihm irgendein Unglück widerfährt, so wie es Präsident Roosevelt im Namen seines

Volkes zu tun gefiel, als Sergius von den russischen Revolutionären bestraft wurde. Es ist ein

Patriotismus, der dem Prototyp eines Mörders, Diaz, beisteht bei der Vernichtung Tausender

von Leben in Mexiko oder gar hilft, mexikanische Revolutionäre auf amerikanischem Boden

zu verhaften und sie, ohne den geringsten vernünftigen Grund, in amerikanischen

Gefängnissen eingesperrt zu halten.

 

Aber darüber hinaus ist Patriotismus gar nicht gedacht für jene, die Macht und Reichtum

repräsentieren. Er ist gut genug fürs Volk. Er erinnert an die historische Weisheit Friedrichs

des Großen, des Busenfreundes Voltaires, der sagte: „Die Religion ist ein Betrug, der um der

Massen willen aufrechterhalten werden muß.“ Daß der Patriotismus eine ziemlich kostspielige

Institution ist, wird niemand zu bezweifeln wagen nach Einsichtnahme in folgende

Statistiken. Das progressive Wachstum der Ausgaben für die führenden Armeen und Flotten

der Welt während des letzten Vierteljahrhunderts ist ein so gravierendes Faktum, daß es jeden

verantwortungsbewußt ökonomische Probleme Studierenden, erschrecken muß …

 

Die schreckliche Verschwendung, die der Patriotismus notwendig macht, sollte genügen,

selbst einen Mann von durchschnittlicher Intelligenz von dieser Krankheit zu heilen. Das

Volk wird gezwungen, patriotisch zu sein, und für diesen Luxus bezahlt es nicht nur durch

Unterstützung seiner „Verteidiger“, sondern auch noch durch Opferung seiner Kinder.

Patriotismus verlangt Treue zur Fahne, und das bedeutet Gehorsam und Bereitschaft zur

Tötung von Vater, Mutter, Bruder, Schwester …

 

Nehmen wir unseren eigenen spanisch-amerikanischen Krieg, der angeblich ein großes und

patriotisches Ereignis in der Geschichte der Vereinigten Staaten darstellt. Wie brannten

unsere Herzen doch vor Empörung über die grausamen Spanier! Richtig, unsere Empörung

entbrannte nicht spontan. Sie war genährt worden durch monatelange Agitation in den

Zeitungen, lange nachdem Weyler viele edle kubanische Männer hingeschlachtet und viele

kubanische Frauen geschändet hatte. Doch um der amerikanischen Nation Gerechtigkeit

widerfahren zu lassen, muß gesagt werden, daß sie sich empörte und bereit war zu kämpfen,

und daß sie tapfer kämpfte. Aber als sich der Rauch verzog, die Toten begraben waren und

die Kosten des Krieges in Gestalt einer Verteuerung der Lebensmittel und der Mieten auf das

Volk zurückfielen – d. h., als wir ernüchtert aus unserem patriotischen Zechgelage erwachten

– dämmerte uns, daß die Ursache des spanisch-amerikanischen Krieges in einer Betrachtung

über den Zuckerpreis zu suchen war; oder, um es deutlicher zu sagen, daß die Leben, das Blut

und das Geld amerikanischer Menschen benutzt worden waren, die Interessen der amerikanischen Kapitalisten zu schützen, die durch die spanische Regierung bedroht waren. Daß dies keine Übertreibung ist, sondern sich auf absolute Zahlen und Daten gründet, läßt

sich am besten durch die Haltung der amerikanischen Regierung den kubanischen Arbeitern

gegenüber beweisen. Als sich Kuba fest in den Klauen der Vereinigten Staaten befand, wurde

den Soldaten, die man zur Befreiung Kubas schickte, während des großen Tabakarbeiterstreikes, der kurz nach Kriegsende stattfand, befohlen, kubanische Arbeiter zu

erschießen.

 

Auch stehen wir nicht allein da in der Führung von Kriegen um solcher Gründe willen. Der

Vorhang, der über den Motiven des schrecklichen russisch-japanischen Krieges hing, der so

viel Blut und Tränen kostete, beginnt sich allmählich zu lüften. Und wieder erkennen wir, daß

hinter dem fürchterlichen Moloch des Krieges, der noch fürchterlichere Gott des

kapitalistischen Handels steht. Kuropatkin, der russische Kriegsminister zur Zeit der russisch-

japanischen Kämpfe, hat das Geheimnis verraten, das sich hinter ihnen verbarg. Der Zar und

seine Großen hatten in koreanischen Niederlassungen Geld investiert, und der Krieg wurde

vom Zaune gebrochen um des einzigen Grundes der raschen Akkumulation willen.

 

Die Behauptung, daß eine stehende Armee und eine Flotte die beste Garantie für den Frieden

sind, ist ebenso logisch wie die Annahme, der friedfertigste aller Bürger sei jener, der schwer

bewaffnet herumläuft. Die Erfahrung des täglichen Lebens beweist zur Genüge, daß das

bewaffnete Individuum beständig darauf aus ist, seine Stärke zu erproben. Dasselbe gilt

historisch gesprochen für Regierungen. Wirklich friedliche Länder verschwenden nicht Leben

und Energie auf die Vorbereitung von Kriegen und das Ergebnis ist, daß der Friede erhalten

bleibt.

 

Der Ruf nach einer größeren Armee und Flotte resultiert jedoch nicht aus irgendeiner äußeren

Gefahr. Er hat seine Ursache in der wachsenden Unzufriedenheit der Massen und dem Geiste

des Internationalismus unter den Arbeitern. Um dem inneren Feind zu begegnen, rüsten sich

die Mächte verschiedener Länder, einem Feinde, der, wenn er erst einmal zu Bewußtsein

erwacht ist, sich als gefährlicher erweisen wird als jeder fremde Angreifer. Die Mächte, die

jahrhundertelang damit beschäftigt waren, die Massen zu versklaven, haben deren

Psychologie aufs genaueste studiert.

 

Sie wissen, daß die Masse der Menschen wie Kinder ist, deren Verzweiflung, Trauer und

Tränen durch ein kleines Spielzeug in Freude verwandelt werden können. Und je prächtiger

das Spielzeug aussieht, je schreiender die Farben, desto eher wird es dem millionen-köpfigen

Kinde gefallen.

 

Eine Armee und eine Marine stellen das Spielzeug des Volkes dar. Um es anziehender und

akzeptabler zu machen, werden Hunderte und Tausende von Dollars ausgegeben für die

äußere Pracht dieses Spielzeugs. Das war die Absicht, mit der die amerikanische Regierung

eine Flotte ausrüstete und sie die Pazifikküste entlangschickte, so daß jeder amerikanische

Bürger den Stolz und die Glorie der Vereinigten Staaten zu fühlen bekommen sollte. Die

Stadt San Franzisco gab 100.000 Dollar aus für die Unterhaltung der Flotte; Los Angeles

60.000; Seattle und Tacoma etwa 100.000. Sagte ich, die Flotte zu unterhalten? Um einigen

wenigen höheren Offizieren weinreiche Diners zu servieren, während die „braven Jungen“

meutern mußten, um ausreichende Mahlzeiten zu erhalten. Ja, 260.000 Dollar wurden für

Feuerwerke, Theaterparties und Lustbarkeiten ausgegeben zu einer Zeit, da Männer, Frauen

und Kinder weit und breit im ganzen Land Hungers starten; als Tausende von Arbeitslosen

bereit waren, ihre Arbeitskraft zu jedem Preis zu verkaufen.

260.000 Dollar! Was hätte nicht alles mit einer solch ungeheuren Summe erreicht werden

können? Aber anstatt Brot und Wohnung zu erhalten, wurde den Kindern jener Städte die

Flotte vorgeführt, damit sie „eine bleibende Erinnerung für das Kind“ bilde, wie eine der

Zeitungen es ausdrückte. Eine wunderbare Sache für die Erinnerung, nicht wahr? Das

Werkzeug zivilisierter Menschenschlächterei. Wenn das Bewußtsein des Kindes durch solche

Erinnerungen vergiftet wird, welche Hoffnung kann es dann geben für eine wahre

Realisierung menschlicher Brüderlichkeit?

Wir Amerikaner behaupten, ein friedliebendes Volk zu sein. Wir hassen Blutvergießen; wir

sind Gegner der Gewalt. Doch wir schäumen über vor Freude über die Möglichkeit, Bomben

aus Flugzeugen auf hilflose Zivilisten werfen zu können. Wir sind bereit, jeden zu hängen, auf

den elektrischen Stuhl zu schicken oder zu lynchen, der, aus Ökonomischer Notwendigkeit

heraus, sein eigenes Leben wagt bei dem Versuch eines Attentats auf einen Industriekapitän.

Doch unsere Herzen schwellen vor Stolz bei dem Gedanken, daß Amerika sich zur

mächtigsten Nation der Erde auswächst, und daß es im Laufe der Zeit seinen eisernen Fuß auf

den Nacken aller anderen Nationen setzen wird. Das ist die Logik des Patriotismus.

Betrachtet man die üblen Resultate, die der Patriotismus für den Durchschnittsbürger mit sich

bringt, so ist das noch gar nichts im Vergleich mit der Beschimpfung und dem Schaden, die

der Patriotismus dem Soldaten selbst auflädt – jenem armen, verführten Opfer des

Aberglaubens und der Unwissenheit. Für ihn, für den Retter seines Landes, den Beschützer

seiner Nation – was hat denn der Patriotismus für ihn in petto? Ein Leben der sklavischen

Unterwürfigkeit, des Lasters, der Perversion in Friedenszeiten; ein Leben der Gefahr, des

Ausgeliefertseins und des Todes in Kriegszeiten …

 

Denkende Männer und Frauen auf der ganzen Welt beginnen zu verstehen, daß der

Patriotismus eine zu enge und begrenzte Konzeption ist, um den Notwendigkeiten unseres

Zeitalters zu begegnen. Die Zentralisation der Gewalt hat ein internationales Gefühl der

Soldidarität unter den Unterdrückten der Nationen dieser „Welt entstehen lassen; eine

Solidarität, die eine größere Interessenharmonie zwischen dem Arbeiter in Amerika und

seinen Brüdern im Auslande aufweist als zwischen dem amerikanischen Bergarbeiter und

seinem ausbeutenden Landsmann; eine Solidarität, die fremde Invasion nicht fürchtet, weil sie

alle Arbeiter dahin bringen wird, zu ihren Herren zu sagen: „Geht und vollbringt das Geschäft

des Tötens selbst. Wir haben es lange genug für euch getan.“

Diese Solidarität weckt sogar das Bewußtsein der Soldaten, die auch Fleisch vom Fleische der

großen menschlichen Familie sind. Eine Solidarität, die sich mehr als einmal als

unerschütterlich erwiesen hat in vergangenen Kämpfen, und die während der Kommune von

1871 für die Pariser Soldaten den Anstoß gab, den Gehorsam zu verweigern, als man ihnen

befahl, ihre Brüder zu erschießen. Sie hat den Männern Mut gemacht, die in jüngster

Vergangenheit auf russischen Kriegsschiffen meuterten. Sie wird allmählich den Aufstand

aller Unterdrückten und Getretenen gegen ihre internationalen Ausbeuter auslösen. Das

Proletariat Europas hat die große Kraft der Solidarität realisiert und folglich einen Krieg

gegen den Patriotismus und sein blutiges Gespenst, den Militarismus, begonnen. Tausende

von Männern füllen die Gefängnisse von Frankreich, Deutschland, Rußland und den

skandinavischen Ländern, weil sie es wagten, dem alten Aberglauben zu trotzen. Auch ist die

Bewegung nicht auf die Arbeiterklasse beschränkt; sie umfaßt Repräsentanten aller

Gesellschaftsschichten und ihre bedeutendsten Vertreter sind Künstler, Wissenschaftler und

Schriftsteller. Amerika wird sich anschließen müssen. Der Geist des Militarismus durchdringt

bereits alle Gebiete des Lebens. Ich bin in der Tat davon überzeugt, daß der Militarismus sich

hier zu einer größeren Gefahr auswächst als irgendwo anders, da der Kapitalismus hier jenen,

die er zu zerstören wünscht, so viele Bestechungsgeschenke anzubieten weiß.

Es beginnt schon in den Schulen. Offensichtlich hält es die Regierung mit der jesuitischen

Devise: „Gib mir das Bewußtsein des Kindes und ich werde den Mann formen.“ Kinder

werden in militärischer Taktik geübt, der Ruhm militärischer Siege stundenplanmäßig

besungen und das kindliche Bewußtsein pervertiert, um der Regierung zu gefallen.

Außerdem wird die Jugend durch leuchtende Plakate verlockt, zur Armee oder zur Marine zu

gehen. „Eine wunderbare Chance, die Welt zu sehen!“ rufen die Marktschreier der Regierung.

So werden unschuldige Knaben moralisch aufgerüstet für den Patriotismus und der

militärische Moloch schreitet erobernd durch die Nation. Der amerikanische Arbeiter hat so

sehr unter dem Soldaten des Staates und des Bundes gelitten, daß er völlig gerechtfertigt ist in

seiner Abscheu vor und seiner Opposition gegen den uniformierten Parasiten. Bloße

Denunziation wird dies große Problem allerdings nicht lösen. Was wir benötigen, ist eine

Erziehungspropaganda für den Soldaten: anti-patriotische Literatur, die ihn über die wahren

Schrecken seines Handwerks aufklärt, und die ein Bewußtsein seiner wahren Beziehung zum

Arbeiter weckt, dessen Arbeit er seine Existenzgrundlage verdankt. Und genau das fürchten

die Autoritäten am meisten. Es ist schon Hochverrat, wenn ein Soldat an einer Versammlung

Radikaler teilnimmt. Zweifelsohne werden sie es auch als Hochverrat abstempeln, wenn ein

Soldat ein radikales Pamphlet liest. Aber hat nicht Autorität von undenklichen Zeiten an jeden

Schritt nach vorn als Verrat gebrandmarkt? Jene jedoch, die ernsthaft nach sozialer

Rekonstruktion trachten, können es sich sehr wohl leisten, all dem entgegenzutreten; denn es

ist wahrscheinlich sogar wichtiger, die Wahrheit zu den Soldaten in die Baracken zu tra gen,

als zu den Arbeitern in die Fabriken. Wenn wir erst einmal die patriotische Lüge untergraben

haben, wird schnell der Weg bereinigt und bereitet sein für die großartige Konstruktion, in der

alle Nationalitäten vereinigt sein werden in einer universalen Brüderschaft – einer wahrhaft

FREIEN GESELLSCHAFT.

 

 

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