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P.J. Proudhon (1809–1865) und seine Ideen

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Von Peter Kroptokin

Aus: P.Kropotkin Die Entwicklung der anarchistischen Idee, Berlin o.J., Verlag Der
Syndikalist, nach Libertad Verlag, anarchistische Texte 3.

„Hier, sage ich Ihnen, unter dem Säbel Bonapartes, unter der Zuchtrute der Jesuiten und dem
Kneifer der Polizei, ist es, wo wir an der Emanzipation des Menschengeschlechts zu arbeiten
haben. Es gibt für uns keinen günstigeren Himmel, keine fruchtbarere Erde.“ Pierre-Joseph
Proudhon (1852)

Wenn man schon bei Fourier die Keime der anarchistischen Ideen findet, muß man doch bis
auf Proudhon kommen, um einen Schriftsteller zu finden, der den Mut hatte, das Kapital und
den Staat offen anzugreifen und die Idee der Anarchie, so wie wir sie heute verstehen zu
formulieren. Proudhon tat dies von 1840 angefangen in seinem Werk, das ein Ereignis für
ganz Europa war. Sogar der Titel seines Werkes: Was ist das Eigentum? Oder
Untersuchungen über die Grundsätze des Rechts und der Regierungen, war schon ein
Programm. Nachdem er bewies, daß das Eigentum bloß eine Form des Raubes, der
Plünderung und des Diebstahls ist, zeigte Proudhon, daß eine Haupt folge des Eigentums der
Despotismus ist. Auf die Frage: „Welche Form der Regierung ziehen Sie vor“, antwortete er
geradeheraus: „Gar keine!“ – „Was sind Sie denn?“ – „Ich bin Anarchist. Obwohl sehr ein
Freund der Ordnung, bin ich in vollster Bedeutung des Wortes Anarchist.“ – „So wie der
Mensch die Gerechtigkeit in der Gleichheit sucht, so sucht die Gesellschaft die Ordnung in
der Anarchie“, fügte er hinzu.
Die Anarchie, die Abwesenheit der Herrschaft, dies ist die Form der politischen Organisation,
welcher die heutigen Gesellschaften notwendigerweise entgegengehen. Niemand ist souverän.
„Ob wir wollen oder nicht, sind wir verbündet.“ Da jede menschliche Arbeit das Ergebnis
einer vereinigten Kraft ist, da jedes Werkzeug bereits die Frucht vereinigten Denkens und
vereinigter Arbeit darstellt, so muß das Eigentum gemeinschaftlich sein. Ein Mensch oder
eine Gruppe kann nur im zeitweiligen Besitz des Bodens und des von der Gesellschaft
aufgehäuften natürlichen Reichtums und der Produktionsmittel sein. Und da jeder Austausch
auf der Gleichwertigkeit der ausgetauschten Sachen oder Dienste aufgebaut sein muß, „ist der
Profit ungerecht.“ Das einzige Mittel, diese Gleichwertigkeit zu erlangen, besteht nach
Proudhon’s Meinung darin, den Wert eines jeden Erzeugnisses durch die Zahl der
Arbeitsstunden zu messen, welche bei einem gegebenen Stand der Technik verwendet worden
sind, um dasselbe zu erzeugen: – die Arbeitsstunde eines jeden Mitgliedes der Gesellschaft
wird dabei als gleichwertig mit Jener eines anderen Mitgliedes angenommen.
Wenn die Gesellschaft sich nach diesem Grundsatz organisiert – wenn die freien
Verbindungen zwischen den Gruppen der Produzenten und Konsumenten, das gleiche Recht
aller auf die Produktionsmittel und der gerechte Austausch aufrechterhalten wird – dann wird
die Regierung der Menschen über andere Menschen zur unnotwendigen Bedrückung. Die
höchste Vollendung der Gesellschaft würde in der Vereinigung der Ordnung mit der Anarchie
– dem Fehlen jeder Regierung – bestehen.
Diese Grundideen bilden bis heute das Wesen der Gedankenrichtung, die wir Anarchie
nennen. Später entwickelte Proudhon die Nutzanwendung aus der mißglückten Revolution
von 1848 ziehend, die Grundsätze der Anarchie ausführlicher, besonders in seinen zwei
Werken: Allgemeine Ideen der die Revolution im neunzehnten Jahrhundert (geschrieben
im Gefängnis, erschienen 1851) und Bekenntnisse eines Revolutionärs (1849). Er unterzog
in diesen alle Vorschläge, die darauf abzielten, das System der Regierung durch das
Referendum, das „bindende Mandat“ usw. zu neuer Kraft zu verhelfen, einer scharfen Kritik,
unter dem Namen „Mutalismus“ entwickelte er ausführlich seine Ideen über den Austausch
und die Entlohnung der Arbeitmittels „Arbeitsnoten“, welche die Arbeitsstunden darstellen
würden, die ein jeder der Produktion und den öffentlichen Dienstleistungen gewidmet hat und
die durch eine Nationalbank ausgezahlt werden würde.
Er machte sogar einen Versuch zur praktischen Organisierung dieses Austausches mittels
Arbeitsscheinen, die von seiner Volksbank eingelöst wurden. Natürlich schlug dieser
Versuch, der notgedrungen in kleinem Maßstab gemacht wurde, fehl und bewies dadurch
wiederum, daß jeder Versuch einer teilweisen Reformierung der wirtschaftlichen Grundlagen
der Gesellschaft von vornherein dem Mißerfolg geweiht ist. Nicht weil er in Kleinem
geschieht, sondern weil solange es Millionen von Menschen gibt, die gezwungen sind, ihre
Arbeitskraft und ihre persönliche Unabhängigkeit unter dem Zwang des Hungers zu
verkaufen, das Kapital immer jene Macht zur wirtschaftlichen Ausbeutung und politischen
Herrschaft bleiben wird, die es heute ist.

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Written by floriangrebner

14. April 2011 um 11:59

Veröffentlicht in Ethik, Geschichte

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