Paxx Reloaded

Wieder da: Sex-, Drugs-, Peace- and Rock'n'Roll Libertarians

Archive for the ‘Krieg’ Category

Occupy – der faschistische Staat okkupiert die letzten Reste von Markt- und Bürgerfreiheit

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Die Freiheitsfabrikanten bringen es in dankenswerter Klarheit auf den Punkt:

„Die Occupy Wall Street Bewegung ist, soziologisch gesehen, klassisch faschistisch. Die von der Krise bedrohten Kleinbürger verlangen nicht wie die (Staats-) Sozialisten generelle Verstaatlichung oder wie die (Staats-) Kommunisten Sozialisierung von allem Eigentum, sondern machen Juden=Spekulanten für die Krise verantwortlich: Für die Krise halten sie die unruhigen Märkte, die in Wirklichkeit dabei sind, die staatlich verursachten Probleme so gut wie möglich auszugleichen. Als Lösung wird die durchgreifende staatliche Regulierung der Märkte angesehen: Die Idee dahinter ist Eigentum ohne Markt. Hartnäckig weigern sie sich anzuerkennen, dass die akute Krise die dem Krieg notwendig folgende Rezession darstellt: Werte, durch Inflation finanziert, sind vernichtet worden und dies hat unweigerlich zur Folge, dass der Lebensstandard sinken muss. Die Krise löst Verteilungskämpfe aus, denn die Frage lautet, bei welchen Personengruppen der Lebensstandard sinkt. Hartnäckig weigern sie sich anzuerkennen, dass die Politiker und Parteien, die sie selbst gewählt und deren Kriege sie mit Hurra und moralischer Rechthaberei legitimiert haben, die Krisenursachen darstellen. Im Gegenteil, von ihnen wird die Lösung erwartet. Auch darin ist die OWS-Bewegung (gleiches gilt für die Protest-Bewegung in Griechenland) faschistisch: In ihr drückt sich als scheinbar spontaner Straßenprotest das Interesse der Herrschenden aus. Denn wenn die Forderungen der OWS-Bewegung durchgesetzt werden, werden genau die Leute, die die Bewegung tragen, weiter verlieren, während die herrschende Klasse aus Staatslenkern und Staatskapitalisten als Sieger dastehen. Ob die bürgerlichen Freiheiten dann jedoch noch so weit intakt sind, dass sich neuerlicher Protest wird artikulieren können, steht dahin. Denn die Liquidierung des Liberalismus steht ganz oben auf der Tagesordnung von OWS, Obama, Merkel und wie sie alle heißen.“ — Stefan Blankertz

„Das derzeitige System des “Sozialstaats” ist der permanente Verteilungskampf, nicht nur in der “Krise”. Der fürsprechende Politiker, der Gewerkschaftsboss, der Lobbyist ist nur der sichtbare Kopf der jeweiligen Interessensgruppe, ihre Projektion. Ich würde da niemanden in Watte packen. Sie wollen es, sie laufen ihren Führern nach, sie plappern ihre Parolen, konstruieren ihre Feindbilder, die Führer greifen wiederum auf, sind mehr Resultat als Schöpfer ihrer Bewegung … Und sie bekommen alle, was sie verdienen.

Ich finde dazu immer noch das bastiatisch inspiriertere Bild der “churning society”, der Umrührgesellschaft von A. de Jasay am treffendsten.
Jeder versucht dem anderen so tief wie möglich in die Tasche zu greifen, um am Ende nicht als “der Dumme” dazustehen. Aber in der Masse gesehen kommt damit kaum einer wirklich voran. Es ist nur ein ewiges Hinundher, ein neidiges Gerühre.
Jeder Streik ist Ausdruck dafür. Mehr Lohn für sich selbst, vielleicht noch für die “eigenen Leute”, die Kollegen, definitiv nicht für alle. Das würde ja keinen Sinn ergeben. Mehr für mich auf Kosten anderer. Wer diese anderen sind, will man gar nicht so genau wissen. Am besten eignet sich dazu ein völlig diffuses Feindbild. Je absurder und unklarer um so besser. Was “die anderen” sich natürlich nicht bieten lassen und so streiken sie ihrerseits bzw. vergrößern auf ihre Weise ihren Teil am Kuchen wieder.

Faschismus bzw. Korporatismus wäre dann so etwas wie ein zum Halt gekommener Verteilungskampf, im weitesten Sinne: ein handfest fixiertes, längerfristig diktiertes Arrangement bei der Frage der Zuteilung, eine grobe Befriedung der Zustände.“ — hanz

Written by dominikhennig

19. Oktober 2011 at 18:51

Und nachher haben wieder alle nichts gewusst

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Kalle Kappner auf freitum.de über den gegenwärtigen Marsch Europas ins Vierte Reich. Omnipotent Government reloaded. Lesebefehl!

Stuttgart 21 – da habt Ihr Eure Demokratie!

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von Bleicke Petersen

Und bildet euch nicht ein, die anderen Parteien hätten es anders gemacht. Die hätten eben nicht die Baumschützer vermöbelt sondern die Mercedes-Fahrer, die Steuerhinterzieher oder wer sonst nicht ins Programm passt. 
Ursprünglich erschienen auf Steuern sind Diebstahl

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Written by dominikhennig

4. Oktober 2010 at 00:51

Dulce et decorum?

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„In practical terms, dying for one’s country really means dying for one’s government–and there’s nothing noble in that. To paraphrase Paddy Chayefsky, we perpetuate war by believing there is something noble in it.“

— Sheldon Richman

 

Written by dominikhennig

27. September 2010 at 00:34

9/11 – Never forget!

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Niemals vergessen, was die Ursache dieser Tragödie des 11. September war (und fortwirkend ist) und welche 10 Schlüsse wir daraus zu ziehen haben, erinnert uns Sheldon Richman:

 

1. Killing one or many innocents, regardless of one’s grievances, is monstrous. This elementary principle would seem to apply to George Bush, and now Barack Obama, as much as to Osama bin Laden. Can someone say why it doesn’t?

2. Despite all its guarantees — contrary to its ideological justification for existing — the state can’t protect us — even from a ragtag group of hijackers. Trillions of dollars spent over many years built a „national security apparatus“ that could not stop attacks on the two most prominent buildings in the most prominent city in the country — or its own headquarters. That says a lot. No. That says it all. The state is a fraud. We have been duped.

3. The shameless state will stop at nothing to keep people’s support by scaring the hell out of them. (Robert Higgs writes about this.) That people take its claims about „why they hate us“ seriously after 9/11 shows what the public schools and the mass media are capable of doing to people. But the people are not absolved of responsibility: they could think their way out of this if they cared to make the effort.

4. Blowback is real. Foreign-policy makers never think how their decisions will harm Americans, much less others. They never wonder how their actions will look to their targets. That’s because they are state employees.

5. As Randolph Bourne said, getting into a war is like riding a wild elephant. You may think you are in control — you may believe your objectives and only your objectives are what count. If so, you are deluded. Consider the tens of thousands of dead and maimed Iraqi and Afghanis. What did they have to do with 9/11?

6. No one likes an occupying power.

7. Victims of foreign intervention don’t forget, even if the perpetrators and their subjects do.

8. Terrorism is not an enemy. It’s a tactic, one used by many different kinds of people in causes of varying moral hues, often against far stronger imperial powers. Declaring all those people one’s enemy is criminally reckless. But it’s a damn good way for a government to achieve potentially total power over its subjects.

9. They say the enemy of my enemy is my friend. Maybe, maybe not. But it seems abundantly clear that the enemy of my friend is also likely to be my enemy. See the U.S.-Israel relationship for details.

10. Assume „your“ government is lying.

Für eine Welt ohne organisierte Gewalt

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Stefan Molyneux entwirft eine Zukunftsvision für eine staatenlose Gesellschaft. Die kopernikanische Wende in der politischen Theorie?

Written by dominikhennig

23. September 2010 at 07:02

Lenin, Churchill und Roosevelt

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Von Benjamin B.

Der französische Skandalpolitiker Georges Frêche sorgt erneut für Aufregung – diesmal mit einer gut drei Meter hohen Bronzestatue des russischen Revolutionsführers Wladimir Lenin. Insgesamt bekommen in der südfranzösischen Stadt Montpellier seit Mittwoch fünf verstorbene Politiker auf Frêches Betreiben hin ein Denkmal gesetzt: Neben Lenin stellt die Stadt auch ein Standbild des britischen Premierministers Winston Churchill, des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, des französischen Sozialisten Jean Jaurès sowie von Republikgründer Charles de Gaulle auf.1

Wie passend. Das steht also ein Diktator und Massenmörder neben einem Kriegsverbrecher; einem Kriegshetzer und Gewaltherrscher, der in Krisenzeiten Nahrungsmittel vernichtet hat, in sehr grossem Stil Gold gestohlen hat, bestimmte ethnische Gruppen in Lager gesperrt hat und mehrere Millionen Männer zur Zwangsarbeit gezwungen hat; einem sozialistischen Politiker; und einem andern nationalistischen Gewaltherrscher.

Gut, Jean Jaurès gehört vielleicht nicht dazu. Er war immerhin ein Anti-Militarist. Seine ökonomischen Theorien waren jedoch so schrecklich wie die der andern.

Die Statuen wären aber gar nicht einmal so schlecht, wenn darunter stehen würde: “Eine Bande von Räubern und Mördern.”


  1. afp – Französischer Skandalpolitiker setzt Lenin ein Denkmal []

 

Ursprünglich erschienen auf ars libertatis

Written by dominikhennig

23. September 2010 at 01:20

Aggressor Staat – eine libertäre Perspektive

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Von Tomasz M. Froelich

I. Einleitung

Das folgende Essay wagt eine libertäre und durchaus kontroverse und unkonventionelle Kritik an Hobbes‘ Gesellschaftsvertragstheorie. Es soll gezeigt werden, dass Staaten im internationalen System vielmehr die Rolle der Aggressoren, als die der Stabilisatoren einnehmen. Dies zeigt sich schon in ihrer Entstehung: Staaten basieren nicht auf Gesellschaftsverträgen, sondern auf überlegener Schlauheit und wilden Manieren einer vorherrschenden und expandierenden Räubergruppierung. Dass Staaten im internationalen System die Rolle der Aggressoren einnehmen, soll anhand protektionistischer Wirtschaftspolitik – welche dezidiert der Freihandelstheorie widerspricht – gezeigt werden: Nicht selten führte und führt von Staaten ausgehender Protektionismus zu internationalen Konflikten. Außerdem neigen Staaten zu Korruption und zu manischem Machtstreben. Als Alternativen werden neben dem Freihandel u.a. das individuelle Sezessions- und Selbstbestimmungsrecht präsentiert.

II. Das Entscheidungsmonopol des ,,Leviathan’’

In den Gesellschaftswissenschaften erfreuen sich Gesellschaftsvertragstheorien großer Beliebtheit. Sie stammen ja immerhin aus den feinen Federn solch prominenter Denker wie JOHN LOCKE, JEAN-JACQUES ROUSSEAU und IMMANUEL KANT. Ein weiterer prominenter Vertragstheoretiker war THOMAS HOBBES. In seinem monumentalen Werk ,,Leviathan“ beschreibt Hobbes, dass im bloßen Naturzustand ,,ohne eine einschränkende Macht der Zustand der Menschen […] ein Krieg aller gegen alle“ (Hobbes 1651/2007: 115) sei. Diese einschränkende Macht ist für Hobbes der Staat, der scheinbar befugt zu sein scheint, naturrechtsverletzende Eskapaden ,,seiner“ Bürger nach eigenem Gutdünken zu sanktionieren. Sanktioniert wird in den Gerichtshöfen, deren Existenz Hobbes nur bei gleichzeitiger Existenz von Staaten gewährleistet sieht. Gerichtshöfe im Naturzustand sind für Hobbes hingegen ein Widerspruch per se. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb Hobbes zufolge Staaten entstanden sind:

Die Absicht und Ursache, warum die Menschen bei all ihrem natürlichen Hang zur Freiheit und Herrschaft sich dennoch entschließen konnten, sich gewissen Anordnungen, welche die bürgerliche Gesellschaft trifft, zu unterwerfen, lag in dem Verlangen, sich selbst zu erhalten und ein bequemeres Leben zu führen; oder mit anderen Worten, aus dem elenden Zustande eines Krieges aller gegen alle gerettet zu werden. Dieser Zustand ist aber notwendig wegen der menschlichen Leidenschaften mit der natürlichen Freiheit so lange verbunden, als keine Gewalt da ist, welche die Leidenschaften durch Furcht vor Strafe gehörig einschränken kann und auf die Haltung der natürlichen Gesetze und der Verträge dringt. (ibid.: 151)

Im Naturzustand sind unter den Menschen Neid, Hass und Krieg omnipräsent. Für Hobbes ist klar: Eintracht unter Menschen ist ,,ein Werk der Kunst und eine Folge der Verträge.“ (ibid.: 154) Für ein angenehmes Funktionieren der Menschen ist die Etablierung eines Staates essentiell:

[J]eder muß alle seine Macht oder Kraft einem oder mehreren Menschen übertragen, wodurch der Willen aller gleichsam auf einen Punkt vereinigt wird, so daß dieser eine Mensch oder diese eine Gesellschaft eines jeden einzelnen Stellvertreter werde und ein jeder die Handlungen jener so betrachte, als habe er sie selbst getan, weil sie sich dem Willen und Urteil jener freiwillig unterworfen haben. Dies faßt aber noch etwas mehr in sich als Übereinstimmung und Eintracht; denn es ist eine wahre Vereinigung in einer Person und beruht auf dem Vertrage eines jeden mit einem jeden […].Auf diese Weise werden alle einzelnen eine Person und heißen Staat oder Gemeinwesen. So entsteht der große Leviathan oder, wenn man lieber will, der sterbliche Gott, dem wir unter dem ewigen Gott allein Frieden und Schutz zu verdanken haben. (ibid.: 155)

Dabei sind die Rollen klar aufgeteilt: Die Stellvertreter des Staates besitzen die höchste Gewalt, alle anderen Bürger sind hingegen Untertanen. Die Legitimation zur höchsten Gewalt erhalten die Stellvertreter des Staates durch eine Stimmenmehrheit. Unabhängig davon, ob man als Bürger einen anderen Kandidaten für den Posten des staatlichen Stellvertreters gewählt hat, hat man dem durch Stimmenmehrheit ermittelten Stellvertreter des Staates zu gehorchen: ,,Jeder von ihnen wird dadurch verpflichtet, […] dem zu gehorchen, den die größere Anzahl gewählt hat; und er muß von der Zeit an dessen Handlungen als seine eigenen ansehen.“ (ibid.: 156) Ist der Staat auf diese Weise errichtet, so hat er quasi ein Entscheidungsmonopol auf alles.

III. Der Irrtum der Gesellschaftsvertragstheoretiker

Doch basieren Staaten – wie von Hobbes angenommen – wirklich auf Gesellschaftsverträgen? Es scheint nur drei Möglichkeiten der Entstehung von Staaten zu geben:

1. Es gab und gibt keinen Gesellschaftsvertrag bzw. er wurde nie unterschrieben, womit der Staat also auf Unfreiwilligkeit/Unterdrückung beruht.

2. Jedes Individuum hat ihn freiwillig unterschrieben, was tatsächlich rechtens wäre. Dies ist jedoch gewiss nicht der Fall.

3. Der Gesellschaftsvertrag beruht auf einer stillschweigenden Einwilligung, was als äußerst utopisch erscheint.

Offensichtlich scheint die erste Variante diejenige zu sein, die der Wahrheit am nähesten ist (so hat z.B. der Autor dieses Textes weder einen Gesellschaftsvertrag freiwillig unterschrieben, geschweige denn ihn stillschweigend akzeptiert). Zur Erklärung der omnipotenten Rolle der Staaten und ihren Entstehungen kann daher folgende Erklärung von MURRAY N. ROTHBARD nützlich sein: ,,[J]eder Staat, dessen Daten verfügbar sind, entstand durch einen Prozeß von Gewalt, Eroberung und Ausbeutung, kurzum auf eine Art, […] [die] individuelle Rechte verletzte.’’ (Rothbard 2000: 231) So brachten dem Staat ,,wilde Manieren oder überlegene Schlauheit […] den Titel des Räuberhauptmanns […], der durch Vermehrung seiner Macht und Ausweitung seiner Raubzüge die Ruhigen und Schutzlosen zum Kauf ihrer Sicherheit durch häufige Zahlungen einschüchterte.“ (Paine 1945: 13) Dieser ,, ,Vertrag’, um den es [THOMAS PAINE, Anm.: T.M.F.] geht, [hat] das Wesen einer ,Schutzgelderpressung’ […] und nichts, daß […] an eine freiwillige Übereinkunft erinnert.’’ (Rothbard 2000: 231)

Damit ein Staat funktionieren kann, muss er finanziert werden. Diese Finanzierung erfolgt – so brutal es auch klingen mag – durch Zwang, welcher als Besteuerung oder Tribut bekannt ist. Der Staat droht seinen Bürgern Sanktionen an, sofern diese sein Einkommen nicht auszahlen:,,Besteuerung ist Diebstahl, schlicht und einfach […]. Sie ist Zwangspfändung des Eigentums der Staatseinwohner bzw. seiner Untertanen.“ (ibid.: 168f.) Staatsapologeten behaupten zwar, dass die Besteuerung ein auf Freiwilligkeit basierender Prozess sei, doch

[e]ine einfache und doch lehrreiche Widerlegung dieser Behauptung besteht darin, sich zu überlegen, was geschehen würde, wenn die Regierung die Besteuerung abschaffen und sich auf die bloße Bitte um freiwillige Beiträge beschränken würde. Glaubt irgendjemand wirklich daran, daß dem Staat irgendein Einkommen zufließen würde, das seinem jetzigen, riesigen Einkommen vergleichbar wäre? (ibid.: 169)

Die abschließende Frage ist als rhetorisch zu werten, woraus resultiert, dass die Besteuerung – als die Basis der Existenz eines Staates – ein auf Zwang und nicht auf Freiwilligkeit basierender Prozess ist. Somit wird evident, wie sich Staaten in Wirklichkeit herauskristallisiert und etabliert haben: Durch Unterdrückung einer perfiden Gruppierung, die dem unterdrückten Rest der Bevölkerung Sicherheit durch Besteuerung versprach und nicht durch den von allen unterschriebenen oder stillschweigend akzeptierten Gesellschaftsvertrag. Somit sind die Gründungen von Staaten per se Akte der Aggression: ,,[D]er Staat, der von der Besteuerung lebt, [ist] eine riesige kriminelle Vereinigung […], weit größer und erfolgreicher als irgendeine ,,private’’ Mafia in der Geschichte.’’ (ibid.: 172)

Auch FRANZ OPPENHEIMER teilt Rothbards staatskritische Sicht, indem er den Staat auf eine Stufe mit dem Straßenräuber setzt: ,,Tatsache ist, daß die Regierung wie ein Straßenräuber ,,Geld oder Leben’’ zu den Menschen sagt. Und viele, wenn nicht die meisten Steuern werden unter dem Zwang dieser Drohung gezahlt.’’ (Oppenheimer 1929: 19f.) Noch extremer formulierte es einst LYSANDER SPOONER, der dem Staat im Vergleich zum Räuber eine noch perfidere Moral attestiert. So sei der Räuber

nicht schamlos genug, zu verkünden, daß er lediglich ein ,,Beschützer’’ sei und anderen Menschen nur deshalb ihr Geld gegen ihren Willen wegnehme, damit er jene vernarrten Reisenden schützen kann, die glauben, sich sehr gut selbst schützen zu können, oder die sein spezielles Schutzsystem nicht schätzen […] und maßt sich nicht an, wegen des ,,Schutzes’’, den er Dir gewährt, Dein rechtmäßiger ,,Souverän’’ zu sein. Er fährt nicht fort, Dich zu ,,beschützen’’, indem er Dir befiehlt, Dich ihm zu beugen und ihm zu dienen; indem er von Dir dieses fordert und Dir jenes verbietet; indem er Dir noch mehr Geld raubt, sooft dies in seinem Interesse liegt bzw. sooft es ihm gefällt; und indem er Dich als Aufrührer, als Verräter und als Feind Deines Landes brandmarkt und Dich ohne Gnade niederschießt, wenn Du seine Autorität bestreitest oder Dich seinen Anforderungen widersetzt. […] Kurz gesagt versucht er nicht, nachdem er Dich beraubt hat, aus Dir auch noch seinen Narren oder seinen Sklaven zu machen. (Spooner 1867: 19)

Das erstaunliche daran ist nur, dass der Staat, im Gegensatz zum herkömmlichen Räuber, nicht als kriminell erachtet wird. Doch auch dies ist schnell erklärt: Der Staat besitzt das Bildungs- und Erziehungsmonopol und schafft es so, die meinungsbildenden Ideologen und Intellektuellen, die klassischerweise in diesen Sektoren beschäftigt sind und vom Staat einen gesicherten ,,Markt’’ zur Disposition gestellt bekommen, auf seine Seite zu bringen. Auf diese Weise gelingt es dem Staat, das Denken – zumindest der Mehrheit – ,,seiner’’ Bürger zu formen.

IV. Das ,,Problem der Mehrheit’’ und der damit verbundene Machtmissbrauch

Grundlage für politische Entscheidungen in Staaten ist laut Hobbes – wie weiter oben bereits beschrieben – die Zustimmung durch die Mehrheit. Auch dies offenbart so einige Probleme. Der große CICERO sagte einst: ,,Errare humanum est.’’ – ,,Irren ist menschlich.’’ Dieses Irren schließt die Mehrheit nicht aus. Spricht sich die Mehrheit etwa für die Legitimität des Diebstahls oder Mordens aus, so ändert dies nichts am verbrecherischen Wesen beider Handlungen. Hobbes jedoch schrieb, dass die Meinung der Mehrheit jegliche Handlungen legitimiert, sodass für jeden Menschen gilt ,,dem zu gehorchen, den die größere Anzahl gewählt hat; und er muß von der Zeit an dessen Handlungen als seine eigenen ansehen.“ (Hobbes 1651/2007: 156)

Dies ist offensichtlich absurd, denn ,,[s]onst müssten wir zum Beispiel sagen, dass Juden, die von der demokratisch gewählten Nazi-Regierung ermordet wurden, nicht ermordet wurden, sondern nur ,,freiwillig Selbstmord begingen’’ – eine sicherlich lächerliche, aber logische Folge der Lehre von der ,,Demokratie als Zeichen für Freiwilligkeit’’.’’ (Rothbard 2000: 170) Man sieht also, wie problematisch es ist, die Mehrheit oder gar das demokratische System, auf dem viele Staaten basieren, als Legitimitätsgrundlage für politische Entscheidungen zu akzeptieren, zumal sich die Mehrheit der Bevölkerung leicht manipulieren lässt. Der Staat gibt dem Gros seiner Bürger vor, was jene zu denken haben. Sich in der Minderheit befindende Querdenker haben sich dem zu fügen. Dies ist für die weitere Entwicklung der Menschheit ein sehr gefährlicher Prozess. So schrieb LUDWIG VON MISES:

Die persönliche Freiheit des einzelnen wird aufgehoben, er wird zum Sklaven des Gemeinwesens, zum Knecht der Mehrheit. […] Aller Fortschritt der Menschheit vollzog sich stets in der Weise, daß eine kleine Minderheit von den Ideen und Gebräuchen der Mehrheit abzuweichen begann, bis schließlich ihr Beispiel die anderen zur Übernahme der Neuerung bewog. Wenn man der Mehrheit das Recht gibt, der Minderheit vorzuschreiben, was sie denken, lesen und tun soll, dann unterbindet man ein für alle Male den Fortschritt. (Mises 1927: 48)

Da es keine Mechanismen gibt, die die Kompetenzen und die Macht des Staates eingrenzen (vgl. Calhoun 1953: 16-18) wird dieser danach trachten, eben jene auszudehnen. So hat ,,das blutige Register der Staaten in der Geschichte bewiesen […], daß jede Macht, wenn sie erst einmal gewährt oder erworben wurde, auch gebraucht und folglich mißbraucht wird.’’ (Rothbard 2000: 181) Macht korrumpiert, auch wenn, oder: gerade wenn sie staatlicher Natur ist. Das paradoxe daran ist, dass der Staat dabei oft, wie etwa bei seinem durch Steuerzwang erbeuteten Einkommenserwerb, seine eigenen Gesetzesregeln bricht.

Deshalb subsumiert RANDY E. BARNETT: ,,Der Staat, als Staat betrachtet, ist folglich ein rechtswidriges System.’’ (Barnett 1976: 7)

V. Staatliche Aggressionen

Die Aggressionen, die im Inneren eines Staates durch eben diesen ausgehen, werden von ihm auch auf außenpolitischer, internationaler Ebene praktiziert. Zwar wird oft gesagt, dass Staaten auf internationaler Ebene eine stabilisierende Rolle einnehmen, doch handelt es sich hierbei in Wirklichkeit vielmehr um eine konträre Rolle: um die Rolle des Aggressors. So wurden die brutalsten Verbrechen in der Geschichte der Menschheit von Staaten ausgeführt. Häufig waren es wirtschaftliche Motive und Eitelkeiten, die zu großen Staatenkriegen geführt haben. Ein hierbei häufig eingesetztes Instrument waren und sind protektionistische Wirtschaftspolitiken, die in einem anarchistischen oder freimarktwirtschaftlichen System unmöglich wären. Protektionismus hat noch nie etwas gebracht. Er intensiviert nur die Spannungen, hat zu Kriegen geführt und ist ökonomisch ineffizient:

Das Groteske ist […], daß alle Staaten zwar die Einfuhr verringern, gleichzeitig aber die Ausfuhr steigern wollen. Das Ergebnis dieser Politik ist die Unterbindung der internationalen Arbeitsteilung und damit allgemeine Verringerung der Produktivität der Arbeit […]. Schutzzölle vermögen immer nur eines zu erreichen: daß nämlich nicht dort produziert wird, wo die natürlichen und gesellschaftlichen Bedingungen dafür am günstigsten sind, sondern anderswo, d.h. also dort, wo die Bedingungen schlechter sind. Das Ergebnis der Schutzzollpolitik ist also immer Minderung des Ertrages der menschlichen Arbeit. (Mises 1927: 115-120)

Mögliche Konsequenzen sind Isolationen ganzer Volkswirtschaften, deren Erliegen und die schrittweise Verarmung der gesamten Bevölkerung. Ein Beispiel für einen solchen staatlichen Wirtschaftskrieg ist der Anglo-Irische Handelskrieg von 1933 bis 1938.

Destruktive interstaatliche Rivalitäten und Konflikte, welche sich beispielsweise in einem manischen Machtstreben äußern, resultieren auch aus geographischen Begebenheiten. Prominentes Beispiel hierfür ist das Korridorproblem, welches für imperialistische, etatistische und interventionistische Systeme symptomatisch ist. Beim Korridorproblem glaubt ein Binnenstaat, ,,eines ,,Korridors“ zum Meer zu bedürfen, um seinen Außenhandel von der Einwirkung der interventionistischen und etatistischen Politik der Staaten, deren Gebiete ihn vom Meere trennen, freizuhalten.“ (ibid.: 100) Eine Alternative hierzu offeriert das Freihandelssystem: In einer auf den Prinzipien des Freihandels und des Sondereigentums (man pflegt hierfür auch den Begriff ,,Privateigentum“ zu benützen) basierenden Welt wäre das Korridorproblem schnell gelöst, da es in ihr keine abgesonderten, separaten Wirtschaftsgebiete geben würde. In der liberalen, kapitalistischen Welt ,,bildet die ganze Erdoberfläche ein einziges Wirtschaftsgebiet.“ (ibid.) Wenn die ganze Erdoberfläche ein einziges Wirtschaftsgebiet bildet, so erscheinen interstaatliche Aggressionen und Konflikte obskur, so auch das Korridorproblem, zumal nicht abzusehen wäre, ,,was einem Binnenstaat den Besitz eines ,,Korridors“ wünschenswert erscheinen lassen könnte“ (ibid.) Internationale Arbeitsteilung und Kooperation egalisieren geographische Disparitäten und treten anstelle von irrationalen interstaatlichen Eitelkeiten, zumal in einem vom Etatismus losgelösten Wirtschaftssystem das Privateigentum zunehmend das öffentliche Eigentum ablöst, sodass für potentielle Aggressoren ,,die Aneignung des öffentlichen Eigentums keine große Bedeutung […] [hätte], weil überall Sondereigentum an den Produktionsmitteln […] [bestünde]“ (ibid.: 99), womit ein wichtiger Grund zum Kriegsführen entfallen würde. Eine hohe Quote an öffentlichem Eigentum lockt also Staaten zum Angriff an, wohingegen eine hohe Quote an privatem Eigentum die Staaten zu außenpolitischer Enthaltsamkeit anregt. Mises subsumiert:

Aller politischen Gewalt wohnt die Tendenz inne, sich schrankenlos auszuwirken und das Gebiet ihres Einflußbereiches soweit als möglich auszudehnen. […] Diesem Streben tritt nun das Sondereigentum entgegen. Das Sondereigentum schafft eine staatsfreie Sphäre des Individuums, es setzt dem Auswirken des obrigkeitlichen Willens Schranken, es läßt neben und gegen die politische Macht andere Mächte aufkommen. Das Sondereigentum wird damit zur Grundlage aller staats- und gewaltfreien Lebensbetätigung (ibid.: 60).

Während Mises als Minarchist dem Staat einen minimalen Tätigkeitsbereich zuspricht, findet man in den früheren Schriften von FRIEDRICH A. VON HAYEK ein Plädoyer für seine Abschaffung. Hayek konstatiert: „Die Abschaffung souveräner Nationalstaaten und die Schaffung einer wirksamen internationalen Rechtsordnung sind die notwendige Ergänzung und logische Vollziehung des liberalen Programms.“ (Hayek 1939: 332)

Diese radikale Forderung ist verständlich. Souveräne Nationalstaaten sind aufgrund ihrer Größe meist sehr intransparent. Diese Intransparenz animiert Korruption: Je intransparenter der Staatsapparat konstruiert ist, desto größer ist auf Seiten seiner Bediensteter der Hang zur Korruption. Die Gleichung ist simpel und logisch zugleich: Hat ein Staat zehn Einwohner, so wird sein Revisor mit äußerster Sorgfalt seine Aufgabe erfüllen müssen. Jeder Fehler wäre wohl, dank der großen Transparenz, sofort bemerkt. Ähnlich wäre es bei Staaten, die 1000 oder gar 10000 Einwohner zählen würden. Ganz anders schaut es da bei Staaten aus, die 10 oder gar 100 Millionen Einwohner zählen. Bei solchen Staatsapparaten geht fast jegliche Transparenz verloren, womit Korruption unauffällig wird. (vgl. Wozinski 2010: 11) Außerdem neigen große Staaten zu expansiver, imperialistischer Politik, was durch die Kolonialzeit bestens dokumentiert ist.

Logische Konsequenz solcher staatlicher Konstellationen sind die weltweit permanent auftretenden Sezessionsbestrebungen bestimmter Regionen. Prominente Beispiele hierfür sind das große Ungarn von einst, welches sich über weite Gebiete des heutigen Kroatiens, Rumäniens und der Slowakei erstreckte, heute jedoch nur aus einer bescheidenen Landschaft rund um sein schickes Kapitol Budapest besteht, oder das Ex-Jugoslawien, von dem sich u.a. die nun prosperierenden Länder Kroatien und Slowenien abkapselten.

Diese, aber auch noch viele andere Beispiele, belegen, dass Nationalstaaten, trotz ihres Machtstrebens, ein gewisses Recht zur Sezession zugestehen. Dieses Sezessionsrecht kennt bei konsequenter Auslegung keinen Haltepunkt. Das heisst, dass nicht nur ein Volk, sondern auch eine territoriale Einheit, eine Stadt, ein Bezirk, eine Straße und in letzter Konsequenz auch ein einzelnes Individuum das Recht besäße, sich zu sezessionieren. ,,Sobald man irgendein Sezessionsrecht zugesteht, gibt es keinen logischen Haltepunkt vor dem Recht auf individuelle Sezession.“ (Rothbard 2000: 187; vgl. Mises 1927: 97; vgl. Wozinski 2010: 12) Die konsequente Auslegung des Sezessionsrecht ist gleichbedeutend mit dem Selbstbestimmungsrecht eines jeden Individuums. Fakt jedoch ist, dass die Staaten dieser Erde den Menschen das Recht zur Selbstbestimmung nehmen und sie bevormunden. Die Konsequenz dessen ist eine unfreie Gesellschaft, die durch den Staat dergestalt manipuliert und gelenkt wird, dass sie die ihr angelegten Fesseln der Knechtschaft nicht zu spüren vermag. Rothbard resümiert:

In einer wahrhaft freien Gesellschaft, in einer Gesellschaft, in der individuelle Rechte an Person und Eigentum gewahrt sind, würde der Staat […] notwendigerweise aufhören zu existieren. Seine tausendfältigen rechtsbrecherischen und aggressiven Betätigungen, seine gewaltige Zerstörung der Rechte an Person und Eigentum würden dann verschwinden. Gleichzeitig würden jene echten Dienste, die er schlecht zur Ausführung bringt, dem freien Wettbewerb und den freiwilligen Zahlungen der individuellen Konsumenten ausgesetzt. […] [E]s [ist] […] grotesk, die Aufgabe des öffentlichen Sittenwächters gerade derjenigen gesellschaftlichen Gruppe anzuvertrauen, die die weitaus kriminellste (und daher unsittlichste) Gruppe ist – dem Staat. (Rothbard 2000: 179)

BENJAMIN FRANKLIN – einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika – sagte einst: ,,Those who would give up essential liberty to purchase a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety“ (Franklin 1759: Titelblatt) – wer Freiheit für Sicherheit aufgibt, wird beides verlieren. Die vom Staat versprochene Sicherheit ist nichts weiter als ein trügerischer Vorwand, um auf Seiten des Staates weiterhin rechtsbrecherisch agieren zu können. Die Menschen nehmen diesen trügerischen Vorwand als bare Münze und akzeptieren hierfür einen immensen Freiheitsverlust. Es ist im Interesse aller rechtstreuen Menschen, all die obskuren Machenschaften des Staates zu demaskieren. Dann werden auch die Rufe nach individueller Selbstbestimmung immer lauter.

VI. Fazit

Der vorliegende Essay hat es sich zum Ziel genommen, die in den Gesellschaftswissenschaften äußerst populären Gesellschaftsvertragstheorien, vor allem jene von Hobbes, und den Staat als solchen aus einer libertären Perspektive kritisch zu hinterfragen. Dabei gilt die Grundannahme, dass Staatsgründungen nicht auf den besagten Verträgen, sondern auf einer kriminellen Unterwerfung von Menschengruppen durch Menschengruppen basieren. Staaten sind also aus Unfreiwilligkeit resultierende Konstrukte. Die kriminelle Natur der Gründung von Staaten spiegelt sich dann auch in ihrem weiteren Agieren wider, etwa bei der auf Zwang basierenden Besteuerung der Menschen, die es dem Staat möglich macht, sich zu erhalten. Da der Staat weiss, dass die Menschen seine perfiden Machenschaften normalerweise nie akzeptieren würden, ist er raffiniert genug, um sich das Bildungs- und Erziehungsmonopol anzueignen. Liegt das Bildungs- und Erziehungsmonopol in staatlichen Händen, so besitzt der Staat die Möglichkeit, die Menschen nach eigenem Gusto zu formen. Querdenker und Staatskritiker sind somit logischerweise schnell in der Minderheit, was für die weitere Existenz des Staates von enormer Bedeutung ist, zumal er sich die Mehrheit der Bevölkerung als Legitimitätsgrundlage für sein Agieren nimmt. Dieses Agieren hat, wie bereits weiter oben erwähnt, oft einen kriminellen Charakter. Der Staat verstößt oft gegen seine eigenen Gesetze, wird dafür aber nicht sanktioniert. Der Staat als solcher ist – in einem Worte – ein rechtswidriges System.

Die von Staatsapologeten geäußerte Meinung, wonach Staaten eine stabilisierende Funktion haben, ist sowohl aus intrastaatlicher, als auch aus interstaatlicher Perspektive falsch. Die größten Verbrechen der Menschheit wurden von Staaten begangen. Oft waren hierfür wirtschaftliche Motive verantwortlich, wie etwa geographische Aspekte, die aggressive Reaktionen, wie etwa Kriege, Invasionen oder protektionistische Wirtschaftspolitiken, erzeugten. All diese Problematiken sind symptomatisch für die Geschichte und die Gegenwart der Staaten dieser Erde. Sie wären jedoch nicht präsent, wenn das internationale System auf Freihandel, Privateigentum, internationaler Arbeitsteilung und Kooperation basieren würde. Hierfür sind Staaten nicht notwendig. Vielmehr haben sie eine destruktive Funktion, da es in ihrer Natur liegt, permanent mit üblen Mitteln nach Machterweiterung zu streben. Deshalb gilt es das Recht zur Sezession zu begrüßen. Da das Recht zur Sezession in seiner konsequenten Auslegung keinen Haltepunkt kennt, führt es in letzter Instanz zum Recht auf individuelle Sezession.

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L I T E R A T U R

Barnett, Randy E. (1976): Fuller, Law, and Anarchism. In. The Libertarian Forum, Februar 1976.

Calhoun, John C. (1953): A Disquisition on Government. New York: Liberal Arts Press.

Franklin, Benjamin (1759): An Historical Review of the Constitution and Government of Pennsylvania. Edinburgh: Benjamin Franklin.

Hayek, Friedrich A. von (1939): Individualismus und wirtschaftliche Ordnung. Zürich: Eugen Rentsch.

Hobbes, Thomas (1651/2007): Leviathan. Stuttgart: Reclam.

Mises, Ludwig von (1927): Liberalismus. Stuttgart; Jena: Gustav Fischer Verlag.

Oppenheimer, Franz (1929): Der Staat. Berlin: Libertad.

Paine, Thomas (1945): Common Sense. In: Foner, Philip S. (Hrsg.): The Complete Writings of Thomas Paine. New York: Citadel Press.

Rothbard, Murray N. (2000): Die Ethik der Freiheit. Sankt Augustin: Academia.

Spooner, Lysander (1867): No Treason. Boston: Lysander Spooner.

Wozinski, Jakub (2010): Kosowo zatwierdzone. In: Najwyzszy Czas, Vol. 21, No. 31-32, S. 11-12.

Ursprünglich erschienen auf Tomasz M. Froelich – Blog für konsequenten Libertarismus

Das moralische Argument – oder wie wir gewinnen werden

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von Stefan Molyneux

Am Ende meines Artikels „Forget the Argument from Efficiency“ habe ich versprochen, über das moralische Argument zu schreiben – das in meinen Augen auch das ist, mit dem wir gewinnen werden – also hier ist es.

Das moralische Argument ist das stärkste Werkzeug im Arsenal eines jeden freiheitsliebenden Menschen – aber auch das persönlich kostspieligste, denn es legt Grenzen in Beziehungen fest, die nie wieder beseitigt werden können. Das moralische Argument kann Sie Freunde, Familie und Gemeinschaft kosten – also gehen Sie es mit Mut an und verstehen Sie, dass, sobald Sie sich entscheiden, es zu nutzen, Ihr Leben nie mehr das selbe sein wird.

Einfach gesagt, das moralische Argument ist der kraftvollste Ansatz, um eine Gesellschaft zu verändern, da alle wichtigen sozialen Entscheidungen auf ethischer Basis getroffen werden. Wenn eine Bevölkerung glaubt, dass ein bestimmtes Programm moralisch ist – z. B. Krieg, Wohlfahrt, soziale Sicherheit usw. – dann mögen sie murren, aber sie werden auch ihre Ärmel hochkrempeln, zur Arbeit gehen und dieses Programm unterstützen, egal was es sie persönlich kostet. Männer ziehen in den Krieg, Mütter geben ihre Kinder an Betreuerinnen, Menschen verzichten auf einen großen Teil ihres Einkommens und ihrer Freiheit, ohne einen einzigen Protest – und das alles im Namen des Guten.

„Das Gute“ neu zu definieren ist extrem schwierig. Während ihres gesamten Leben treffen Menschen tausende Entscheidungen, die auf bestimmten moralischen Prinzipien basieren – und wenn sich herausstellt, dass diese Prinzipien falsch waren, sind sie gezwungen, zuzugeben, dass sie ihr ganzes Leben damit verbracht haben, einer Lüge, dem Verderben oder dem Bösen gefolgt zu sein – und das ist mehr als die meisten Menschen vertragen. Um sich ihre Illusion des Guten zu bewahren, werden sie jede genaue Überprüfung der moralischen Prinzipien beinahe bis zum Tod bekämpfen.

Moral ist selbstverständlich ein ziemlich komplexes Thema, aber es genügt hier zu sagen, dass sich Moral aus universellen und logisch konsistenten Prinzipien ergeben muss – wenn es nur eine Frage der Meinung ist, kann keine Handlung besser sein als jede andere Handlung – nicht anders als wenn man blau „lieber“ als rot mag.
Die meisten Menschen glauben, dass sie ihre Entscheidungen auf der Grundlage konsistenter moralischer Prinzipien treffen, aber diese moralischen Prinzipien – wie Sokrates schon vor Jahrtausenden feststellte – zerbröckeln unter jeder strengen logischen Überprüfung innerhalb von Minuten. Ich habe festgestellt, dass es der effektivste Ansatz ist, neugierig und beharrlich zu sein – und keine Angst davor zu haben, Dinge beim Namen zu nennen.

Um zu beginnen, gibt es eigentlich nur drei Prinzipien, an die man sich erinnern sollte, wenn man das moralische Argument nutzt.

1. Nichts existiert, außer Menschen.
So etwas wie „die Regierung“ oder ein „Land“ oder eine „Gesellschaft“ gibt es nicht. All diese Begriffe für soziale Ansammlungen sind nur Konzepte für Individuen. „Die Regierung“ macht nie irgendwas – nur Menschen innerhalb der Regierung handeln. Deshalb ist die „Regierung“ – da sie ein Konzept ist – nicht real, sie verfügt über keine ethischen Rechte oder moralische Haltung. Moralische Regeln gelten für Menschen, nicht für Konzepte. Wenn irgendjemand mit Ihnen darüber streitet, fragen Sie einfach, ob er Ihnen seine „Familie“ ohne die einzelnen Menschen zeigen kann. Er wird verstehen, worauf Sie hinaus wollen.

2. Was gut für Einen ist, muss gut für alle sein.
Moralische Überzeugungen müssen für jeden geeignet sein, damit sie mehr als bloße Meinungen sind. Es ist nicht logisch konsistent zu sagen, Person A muss X machen, aber Person Y muss niemals X machen. Wenn eine Handlung als „gut“ bezeichnet wird, dann muss sie für alle Menschen gut sein. Wenn ich das Konzept „Säugetier“ als „warmblütig“ klassifiziere, dann muss es alle warmblütigen Organismen beinhalten – ansonsten wäre das Konzept sinnlos. Das Konzept „gut“ muss daher das bevorzugte Verhalten aller Menschen umfassen – nicht nur das der „Orientalen“, „Polizisten“ oder „Amerikaner“. Wenn es das nicht tut, dann ist es nur eine ästhetische oder kulturelle Vorliebe, wie Eishockey oder Fußball zu bevorzugen, und verliert jede Kraft einer universellen Vorschrift. Wenn es „gut“ für einen Politiker ist, Gewalt anzuwenden, um Ihnen Geld wegzunehmen und es mir zu geben, dann ist es auch „gut“ für alle anderen, dies zu tun.

3. Was schlecht für Einen ist, muss schlecht für alle sein.

Umgekehrt, wenn es es falsch für mich ist, loszugehen und jemandem Geld zu stehlen, dann ist es für jeden falsch, loszugehen und jemand anderem Geld zu stehlen. Wenn es böse ist, jemanden in Atlanta zu erschießen, der Sie nicht bedroht, dann ist es auch böse im Irak. Wenn es falsch für einen Auftragskiller ist, bezahlt zu werden, um jemanden zu töten, dann ist es auch falsch für Soldaten. Wenn es für Sie und mich falsch ist, in ein Haus eines friedlichen Bürgers einzubrechen, ihn zu entführen und ihn gefangen zu halten, dann ist das auch falsch für die Agenten der DEA  (amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde; Anm. des Übersetzers).

Soweit ähnelt das moralische Argument dem Argument der Konsistenz. Das moralische Argument wird mit der Feststellung eingebracht, dass, wenn es falsch oder böse für mich ist, Peter auszurauben, um Paul zu bezahlen, dann ist es falsch oder böse für jeden – Politiker eingeschlossen. Ein Mann, der z. B. die staatlichen Wohlfahrtsprogramme verteidigt, kann dies nur, weil es seinen persönlichen Vorlieben entspricht, aber er kann nicht behaupten, dass es moralisch sei. Vielmehr muss er zugeben, dass auf Grundlage universeller Prinzipien der Sozialstaat unmoralisch ist, denn wenn es für jemanden falsch ist zu stehlen, dann ist es für alle falsch – einschließlich der Politiker.

Unter Verwendung der eben genannten Prinzipien, folgen nun ein paar Beispiele für moralische Argumente.

Waffenkontrolle

Wenn es schlecht ist Waffen zu besitzen, dann ist es schlecht für alle. Waffen sollten dann verboten werden. Demnach müssen Polizisten und Soldaten ihre Waffen abgeben. Wenn Polizisten und Soldaten ihre Waffen benötigen, um sich vor gefährlichen Kriminellen zu schützen, warum nicht auch die Normalbürger? Heißt das, dass es manchmal gut und manchmal schlecht ist, Waffen zu besitzen? Wo ist der Unterschied? Denken Sie daran – so etwas wie einen „Polizisten“ oder „Soldaten“ gibt es nicht – das sind lediglich Konzepte. Nur Menschen existieren, und wenn Waffenbesitz eine gute Idee für einen Soldaten, aber eine schlechte Idee für einen Privatmann ist, was passiert dann mit dem Soldaten, wenn er in den Urlaub fährt? Verändert sich irgendwie sein Charakter, so dass er nun nicht mehr das Recht hat, eine Waffe zu besitzen? Was ist, wenn ein Polizist seine Uniform auszieht? Ändert er sich in so fundamentaler Weise, dass er das Recht, bewaffnet zu sein, verliert? Ist es nur die Uniform, die das Recht hat, eine Waffe zu tragen? Was ist, wenn jemand anderes die Uniform anzieht? Natürlich können diese Fragen nicht beantwortet werden und deshalb ist das ganze Argument für Waffenkontrolle logisch dumm. Menschen werden dann auf die Folgen hinweisen – zum Beispiel, dass allgemeiner Waffenbesitz zu mehr Gewalt führt – dem kann aber auch leicht begegnet werden. Wenn Waffenbesitz zu mehr Gewalt führt, dann werden Polizisten und Soldaten sicherlich immer gewalttätiger, wenn nur sie Waffen haben. Da Diktatur und Krieg schlimmer als Verbrechen sind (weil Sie sich gegen Kriminelle verteidigen können, nicht aber gegen Regierungen), ist dieses doch ein Argument dagegen, nur Menschen, die für den Staat arbeiten, zu erlauben, Waffen zu tragen. Daher kann eine Person nur aus einer subjektiven „Mag ich nicht“-Perspektive gegen Waffenbesitz argumentieren – was eine perfekte Gelegenheit ist, um zu erklären, wie der staatenlose freie Markt seinen Wunsch erfüllen kann!

Krieg

Um einen Krieg führen zu können, ist es erforderlich, dass Politiker an dem Recht festhalten, einige Bürgern zu bestehlen, um andere Bürger dafür zu bezahlen, dass sie Menschen ermorden. Mit anderen Worten, George Bush muss in der Lage sein, einige Amerikaner zu bestehlen, damit andere Amerikaner losziehen können, um Iraker zu ermorden. Aber wenn es Bush erlaubt ist, warum dann nur Bush? Warum ist es nicht auch mir erlaubt? Warum verbietet es die Regierung auch allen Anderen (z. B. der Mafia)? Warum ist es nur gut für Menschen, die eine bestimmte Kleidung tragen, als Mörder engagiert zu werden? Ferner – wenn die Regierung ihre Bürger bestehlen kann, um Iraker zu erschießen, weil sie eine Bedrohung sind, was ist dann mit dem Diebstahl, mit dem all das bezahlt wird?

Ist die Regierung nicht selbst die größte Bedrohung für mich, da sie mich mit vorgehaltener Waffe beraubt, um einen Krieg zu finanzieren, der Terrorismus fördert? Wenn es moralisch ist, mich auszurauben, um Menschen zu töten, die mich bedrohen, bin ich dann nicht moralisch verpflichtet, Söldner anzuheuern, um die zu erschießen, die mich überhaupt erst ausrauben wollen? Wenn es schlecht für mich ist das zu tun, warum ist es dann nicht auch schlecht für Bush? Wo ist der Unterschied zwischen mir und Bush? Sind wir unterschiedliche Spezies? Wenn nicht, warum haben wir dann solch diametral entgegenstehende moralische Gebote? (An dieser Stelle reden Menschen oftmals über unseren „freiwilligen Transfer“ der moralischen Autorität an die Regierung, aber dann wäre kein staatlicher Zwang notwendig, wodurch die Besteuerung ohne Auswirkungen beseitigt werden könnte.)

Mindestlohn

Wenn Person A Person B erschießen kann, weil er Person C nicht genug bezahlt, warum kann Person C das nicht auch? Warum kann ich dies nicht tun, wenn ich denke, dass mein Lohn höher sein sollte? Warum haben einige Menschen das Recht, ihr Einkommen mittels Gewalt zu erhöhen und andere nicht?
Wo liegt zudem der Unterschied zwischen $5 und $5,15 pro Stunde? Warum ist der eine Lohn böse, der bestraft wird und der andere nicht? Verwandeln genau diese 15 Cent die ersten fünf Dollar von böse in gut? Verändert es irgendwie die Natur der ersten 5 Dollar? Wenn es ebenfalls moralisch ist, Gewalt auszuüben, um sein Einkommen zu erhöhen, können Menschen, die Wohlfahrtsleistungen beziehen, Regierungsbeamte erschießen, wenn sie mehr Geld wollen? Was ist mit Leuten, die Leistungen aus der Sozialversicherung beziehen? Wenn nicht, warum nicht?

Öffentliche Parks

Wenn eine Person (sagen wir Bill Clinton) dauerhaft Eigentum übertragen kann, indem er einfach ein Gebiet auf einer Landkarte markiert, warum nur Clinton? Warum nicht ich? Wenn Clinton die Bundespolizei bezahlen kann, um die zu erschießen, die unbefugt Eigentum betreten, das er niemals besucht hat, kann das dann jeder tun?

Drogen

Der Kampf gegen Drogen basiert auf dem Prinzip, dass Bob entscheiden kann, was Sally mit ihrem Körper in ihrer Privatwohnung machen darf. Warum dann nur Bob? Warum kann Sally nicht auch entscheiden, was Bob in seiner Privatwohnung darf? Und sind Drogen illegal, weil sie immer schlecht sind? Aber sie sind nicht immer schlecht – nicht schlechter als Alkohol. Haben Sie jemals Sergeant Pepper’s gehört? Was ist mit Pink Floyd? Bohemian Rhapsody? Chet Barker? Ray Charles? Wundervoll. Alle standen unter dem Einfluss harter Drogen. Ist es der selbst-zerstörerische Exzess, der schlecht ist? Aber es ist nicht der Exzess, der schlecht ist und deshalb bestraft wird, sondern schon vielmehr der gelegentliche Gebrauch, um sich zu erholen. Dies bedeutet dann, dass jedes Verhalten, das zu selbst-zerstörerischen Exzessen führen kann, verboten werden muss. Arbeit kann zu Arbeitssucht führen. Ins Fitness-Studio gehen kann zu zwanghaftem Training führen. Nachtisch kann zu Fettleibigkeit führen. Kreditkarten können zu Überschuldung führen. All diese Dingen müssten deshalb verboten werden – was zu logischen Widersprüchen führt. Wenn alle Handlungen, die zu einem missbräuchlichen Exzess führen können, verboten werden müssen, was ist dann mit der Regierung selbst? Ist es kein missbräuchlicher Exzess, eine Regierung zu haben, die die ungeheure Macht besitzt, jeden Aspekt des Lebens der Bürger zu überwachen und zu strafen? Und schließlich, was ist mit dem Budget der DEA selbst? Hunderte Milliarden Dollar wurden im Kampf gegen Drogen verschwendet, nur um die Profite von Verbrechern und Regierungsbehörden zu erhöhen und Millionen von Menschen in Drogen-Gulags anzuketten – ist das nicht ein Paradebeispiel für „missbräuchlichen Exzess“? Was ist mit öffentlichen Haushaltsdefiziten und Schulden im Allgemeinen? Was ist mit den großartigen Abenteuern der Regierung in der Außenpolitik? Ihrer Angewohnheit, ausländische Diktaturen zu bewaffnen und zu finanzieren? Bin Laden zu trainieren und zu unterstützen? Öffentliche Gelder und Helikopter an Saddam Hussein zu vergeben? Im Irak einzumarschieren? Sind dies nicht die größten und ungeheuerlichsten Beispiele für Exzesse selbstzerstörerischen Verhaltens? Sind nicht die unvermeidlichen Brutalitäten der Staatsmacht – die wirklich den Unschuldigen schaden – viel destruktiver als das Rauchen eines Joints? Wenn nicht, warum nicht?

Der Staat

Bestimmte Leute, die sich selbst als „der Staat“ bezeichnen, reklamieren für sich das moralische Recht, Gewalt gegen andere zu nutzen – ein moralisches Recht, so behaupten sie, das auf Wahlen basiert. Sehr schön – alles, was wir tun müssen, ist die moralischen Prinzipien zu hinterfragen, die dieses überraschende Recht begründen. Die Antwort, die wir erhalten werden, ist folgende: Wenn die Mehrheit der Menschen einen Führer wählen, dann muss sich jeder diesem Führer unterwerfen. Ausgezeichnet! Dann müssen wir fragen, ob Senatoren und Kongressabgeordnete jemals ihre Parteivorsitzenden verleugnet haben. Wenn sie dies tun, handeln sie dann nicht unmoralisch? Ihre Partei hat einen Vorsitzenden gewählt – müssen sie dann nicht dieser Person gehorchen? Wenn sie das nicht machen, warum wir? Und außerdem, wenn das Prinzip gilt, dass eine Mehrheit die Entscheidungen des Führers der Minderheit auferlegen kann, warum gilt das nur für die Regierung? Was ist mit Frauen, die Männer überstimmen? Was ist mit Arbeitnehmern, die Manager überstimmen? Und zu guter Letzt, was ist mit Wählern, die Politiker überstimmen? Wenn die Mehrheit der Minderheit ihren Willen zwangsweise auferlegen kann, sollten wir dann nicht alle die Möglichkeit haben, Politiker in Gefängnisse zu werfen, wenn sie nicht das tun, was wir wollen? Was ist, wenn Atheisten Christen in einem bestimmten Ort zahlenmäßig überlegen sind? Können sie Kirchen verbieten? Können Mormonenfrauen ihre Ehemänner abwählen? Studenten sind an Universitäten den Professoren zahlenmäßig überlegen – können sie ihnen für schlechte Noten mit Gefängnis drohen? Patienten sind Ärzten und Häftlinge Wärtern zahlenmäßig überlegen – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Wenn die moralische Theorie der „Herrschaft der Mehrheit“ gültig ist, dann muss sie für alle Situationen gelten. Wenn nicht, ist es das pure Böse, da es all die entsetzlichen Schrecken des Staats unterstützt – Diebstahl, Entführung, Inhaftierung – und manchmal auch Folter und Exekution. Daher sollte eine Moraltheorie, welche die Anwendung solch furchtbarer Macht rechtfertigt und fordert, besser ziemlich wasserdicht sein – und wie Sie sehen können, ist diese durchsetzt mit Blödsinn.

Wenn Sie die oben genannten Widersprüche darlegen und Ihr Zuhörer sie nicht auflösen kann – und vertrauen Sie mir, er kann sie nicht auflösen – dann muss er zugeben, dass er, bis er sie auflöst, keine moralische Grundlage für seine Glaubenssätze hat. Natürlich kann er weiter daran glauben, aber er kann nicht beanspruchen, dass sie irgendwelche universellen Prinzipien repräsentieren – sie sind nur kleine persönliche Vorlieben – in etwa so, als würde er sagen, dass er Muffins lieber mag als Doughnuts. Er hat keinRecht, seine persönlichen Vorlieben anderen aufzuzwingen – und schon gar kein Recht, sie als Staatspolitik zu verfechten. Fragen Sie ihn, ob er aufhört, diese Vorlieben zu verfechten, bis er das Problem der universellen Anwendbarkeit gelöst hat. Wenn er ja sagt, dann fragen Sie ihn, ob er breit ist, so eine Staatspolitik abzulehnen, bis er das Problem gelöst hat. Wenn ja, herzlichen Glückwunsch! Taufen Sie ihn zum Anarchisten und schicken Sie ihn hinaus, um das Wort zu verbreiten! Wenn nicht, sagen Sie ihm, wenn er weiterhin etwas befürwortet, von dem er weiß, dass es falsch oder bestenfalls fragwürdig ist, er ein Heuchler ist.

Ich weiß, dass dies nicht sehr nett klingt, aber im Ernst – wir haben es schließlich mit Menschen zu tun, die die totale Macht des Staates befürworten – ist die Schonung der Gefühle derer, die unsere Gegner bewaffnen, unser Hauptanliegen? Das Ideal der Freiheit verdient Verteidiger, die aus härterem Holz geschnitzt sind.

Ich bin sicher, die Grundlage für das moralische Argument ist jetzt ziemlich klar – und nun, mit etwas Übung in der sokratischen Methode, bei „Null zu beginnen“ und auf der Basis von Prämissen nachzufragen, sind Sie gerüstet, um ein Experte in der Zerstörung falscher Moral zu werden.

Dennoch ein Wort der Warnung. Wie Sokrates selbst herausgefunden hat, sollte die Entscheidung, das moralische Argument einzusetzen, nicht leichtfertig getroffen werden. Fundamentale moralische Fragen zu stellen, macht viele Menschen ängstlich, höhnisch oder absolut feindselig. Es ist aber aus meiner Sicht der einzige Weg, wie wir den Kampf für die Freiheit gewinnen können. Da eine Gesellschaft alle grundlegenden Entscheidungen auf der Basis moralischer Prämissen trifft, ist unsere einzige Chance zu siegen, solche moralischen Prämissen zu untergraben und zu verändern – was die geschickte, ausdauernde und beharrliche Anwendung des moralischen Argumentes erfordert. Viel zu lange waren wir in der Defensive, haben unsere Wahrheitenvon einsamen Gipfeln geweint – und all zu oft nur zueinander. Es ist Zeit, die Offensive einzuleiten und zu beginnen, die ins Kreuzverhör zu nehmen, die sich ihres Rechts, Gewalt anzuwenden, um ihre Ziel zu erreichen, so sicher sind. Es wird nicht einfach werden – und hier spreche ich aus persönlicher Erfahrung – aber es ist unerlässlich. Es ist richtig und gut, solche Fragen zu stellen – und wenn Sie sich entscheiden, dass Sie tapfer und stark genug sind, um damit zu beginnen, das moralische Argument zu nutzen, sind Sie bereits dieser kleinen Gruppe aufrichtiger Denker beigetreten, die immer die Menschheit gerettet haben.

Bemerkung: Dieser Artikel ist ursprünglich am 29. November 2005 auf lewrockwell.com unter dem Titel „The Argument from Morality“ erschienen. Die Übersetzung ist von René Dietrich mit Unterstützung von Robert Stosad. Der Artikel wird hier mit freundlicher Genehmigung des Autors publiziert.

Stefan Molyneux war Schauspieler, Comedian, Goldwäscher, Student und Software-Unternehmer. Seine erster Roman Revolutions wurde 2004 veröffentlicht. Er betreibt zur Zeit freedomainradio.com.


Written by logikdesstaats

21. September 2010 at 22:54

Veröffentlicht in Etatismus, Grundsätzliches, Krieg

Wieder erhältlich: Rothbard’s „Ethik der Freiheit“

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In einem 1949 veröffentlichten Vortrag meinte einmal der große, liberale Ökonom und spätere Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek, daß die liberalen Intellektuellen wieder den „Mut zur Utopie“ fassen sollten. Ein „liberaler Radikalismus“ sei nötig, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Wenn es in diesem Jahrhundert einen Denker gegeben hat, der diesem Auftrag in konsequenter Weise nachgekommen ist, dann war es der amerikanische Ökonom Murray N. Rothbard (1926-1995). Rothbards Eintreten für einen marktwirtschaftlichen Liberalismus, der so folgerichtig und radikal war, daß der Übergang zum Anarchismus mehr als fließend wurde, mag manche Leser seiner Werke schockiert haben. Das beim Academia Verlag in deutscher Erstausgabe vorliegendes (1980 erstmals im amerikanischen Original erschienene) Buch „Die Ethik der Freiheit“ liefert jedenfalls provokante Denkanstöße, die keinen unberührt lassen sollten, der die Freiheit des Menschen als sein höchstes Gut sieht.

Dieses bedeutende Werk ist nun endlich wieder verfügbar beim Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Written by dominikhennig

21. September 2010 at 22:44